Akteure & Konzepte
Auszeichnungen
Augsburg ehrt Friedensstifter Richard Holbrooke
Zum zweiten Mal wurde am 8. Dezember 2009 im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses der "Augsburger Universitätspreis für Versöhnung und Völkerverständigung" vergeben. Nach der ersten Preisträgerin, der früheren Chefanklägerin des UN- Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien, Carla del Ponte, ging die Auszeichnung in diesem Jahr an den US-Sonderbeauftragten für Pakistan und Afghanistan, Richard C. Holbrooke. Die Laudatio bei der feierlichen Preisverleihung hielt ein Weggefährten Holbrookes, der deutsche Diplomat und heutige Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger.

Foto: pacistanforpease.com
Neue Bewegung in scheinbar aussichtslos festgefahrenen Situationen
Kennzeichnend für Richard C. Holbrooke sei sein Überschuss an Energie. Sein Wille, Positives zu bewirken und dabei ggf. auch vermeintlich unüberwindliche Begrenzungen nicht hinzunehmen, bringe auch in scheinbar aussichtslos festgefahrene Situationen neue Bewegung. Holbrookes herausstechende, vielfältig bewiesene Fähigkeit sei die Kraft der Veränderung zugunsten der Menschen. Stets habe er es als moralische Verpflichtung empfunden, die Leiden von Flüchtlingen zu lindern.
Immer engagiert, niemals angepasst, bisweilen auch unbequem
Geleitet von der Idee des “responsible public service” verstehe es Holbrooke, als Repräsentant staatlicher Macht Autorität auszuüben, um Frieden durchzusetzen und nachhaltige Lösungen zu erzielen. In seinen Ämtern sei er immer engagiert, niemals angepasst, bisweilen auch unbequem. Wenn er einmal für richtig erkannte Wege selbst gegen den Widerstand – manchmal auch aus dem eigenen Lager – verfolge, schrecke er vor exponierten Positionen nicht zurück.
Richard C. Holbrookes unkonventionelles Denken und tatkräftiges Handeln sei dem Frieden, der Verständigung und der Menschlichkeit verpflichtet. Gerade in schwierigen Zeiten mache ihn dies zu einem geachteten Vorbild.
Vielfältige diplomatische Verdienste in Krisengebieten weltweit
“Im Zeitalter der Globalisierung sind Experten für Konfliktberatung wichtiger und notwendiger denn je, um Auseinandersetzungen und Krisen so gut und so nachhaltig wie möglich zu beenden”, betont Dr. Wolfgang Heubisch, der als Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst Mitglied der vierköpfigen Jury des Augsburger Universitätspreises ist. Mit Richard C. Holbrooke ehre man einen Wegbereiter für ein friedliches Miteinander und einen fachkundigen Vermittler zwischen Volksgruppen und Staaten. “Im Namen des Freistaats Bayern danke ich Richard Holbrooke für seine vielfältigen diplomatischen Verdienste in Krisengebieten weltweit”, so Heubisch.
Der “Augsburger Universitätspreis für Versöhnung und Völkerverständigung” wurde als Reminiszenz an die Lebensleistung des Ehrenbürgers der Universität und der Stadt Augsburg Mieczyslaw Pempers vor zwei Jahren von Dr. Georg Haindl gestiftet und erstmals vergeben. Pemper war Gefangener des KZ Krakau und Sekretär Oskar Schindlers, jenes deutschen Fabrikbesitzer, der unter Einsatz seines Lebens 1.100 Juden vor dem sicheren Tod im Vernichtungslager Auschwitz rettete. Sein Sekretär Pemper hatte damals die lebensrettende Idee, Schindlers Unternehmen als “siegentscheidend” einstufen zu lassen und damit alle Mitarbeiter vor der Vernichtung zu bewahren.
Als Mitglied der Jury vergibt Mieczyslaw Pemper zusammen mit dem Stifter des Preises sowie mit dem Bayerischen Wissenschaftsminister, dem Oberbürgermeister der Stadt Augsburg und dem Präsidenten der Universität Augsburg den “Augsburger Universitätspreis für Versöhnung und Völkerverständigung” an Personen der Zeitgeschichte mit einem demjenigen Pempers vergleichbaren persönlichen Einsatz im Dienste der Versöhnung und Völkerverständigung.
Das mit der Auszeichnung durch den Augsburger Universitätspreis für Versöhnung und Völkerverständigung verbundene Preisgeld in Höhe von 10.000 € geht auf Wunsch Holbrooke’s an The American Academy in Berlin, deren Gründungs- und langjähriger Kuratoriumsvorsitzender er war. Zentrales Anliegen dieser 1994 etablierten Einrichtung ist es, das gegenseitige Verständnis und den Dialog zwischen US-Amerikanern und Deutschen fördern und die einzigartigen kulturellen, gesellschaftlichen, politischen und geschichtlichen Verbindungen zwischen den Vereinigten Staaten und Berlin zu pflegen. (09/12/09)



