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Auszeichnungen

Bayer-Stiftung vergibt renommierte Wissenschafts-Auszeichnung in Berlin

Stefan W. Hell vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen und Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg ist mit dem Familie-Hansen-Preises 2011 ausgezeichnet worden. Der 48-jährige Forscher erhielt die renommierte Wissenschafts-Auszeichnung von der „Bayer Science and Education Foundation“ für seine Durchbrüche auf dem Gebiet der Mikroskopie.

Bei der Preisübergabe (v. l.): Bayerchef Dr. Marijn Dekkers, Stiftungskuratoriumsvorsitzender Prof. Dr. Dr. h. c. Ernst-Ludwig Winnacker, Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan W. Hell und Bayer-Forschungsvorstand Dr. Wolfgang Plischke / Foto: BAyer Stiftungen)

Die Entdeckungen von Prof. Hell führten zu einer neuen Klasse von Lichtmikroskopen, die wesentlich tiefer in die molekulare Skala des Lebens vordringen können. Dr. Marijn Dekkers, Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG, und Dr. Wolfgang Plischke, im Bayer-Vorstand verantwortlich für Innovation, Technologie und Umwelt, überreichten den mit 75.000 Euro dotierten Preis im Rahmen einer Festveranstaltung am 15. März 2011 in Berlin.

Dekkers betonte, die Arbeiten von Professor Hell seien ein eindrucksvoller Beleg für den hohen Stand der naturwissenschaftlichen Forschung in Deutschland. Bis vor kurzem sei es undenkbar gewesen, was seine Arbeiten auf dem Gebiet der Licht-Mikroskopie heute ermöglichen: Den Einblick in lebende Zellen und Gewebe. Weiterhin mahnte der Bayer-Chef verlässliche rechtliche und politische Rahmenbedingungen für forschende Unternehmen in Deutschland an: „Beispielsweise kostet die Entwicklung eines neuen Medikaments nicht nur im Schnitt über eine Milliarde Euro, sondern dauert auch acht bis zehn Jahre. Wir müssen also heute über signifikante Investitionen entscheiden, aber wir sehen den Erfolg – wenn wir ihn überhaupt sehen – erst nach einem Jahrzehnt.

Wir müssen uns also heute für eine Investition entscheiden, ohne zu wissen, wie die gesellschaftlichen Erwartungen und politischen Gegebenheiten sind, wenn das Produkt in seine entscheidende Phase kommt.“ Dekkers forderte die Politik und die Gesellschaft auf, sich mit der Frage, wie viel die Gesundheit – oder das längere Leben – von Einzelnen wert ist, auseinander zu setzen. Dies gelte auch für die mangelnde Akzeptanz neuer Technologien. „Mitunter wird so lange über Risiken diskutiert, bis die Chancen vertan sind“, so Dekkers weiter.

Bayer-Forschungsvorstand Plischke erläuterte bei der Preisvergabe die Entscheidung des Kuratoriums und würdigte die Leistungen des Preisträgers: „Professor Hell hatte den festen Glauben, die von Abbe gefundene Beugungsgrenze bei Lichtmikroskopen brechen zu können. Mit Mitteln der Physik hat er eine scheinbar unüberwindliche Grenze überschritten und etwas erreicht, was nun in der Medizin und Biologie sehr hilfreich ist.“

Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker, Generalsekretär der Human Frontier Science Program Organization und des Vorsitzender Stiftungskuratoriums, hob ebenfalls die Bedeutung der Arbeiten des Preisträgers hervor: „Die Optik hat mit der Entdeckung des Mikroskops Ende des 17. Jahrhunderts schon einmal eine Revolution in der Biologie ausgelöst. Doch zwei Punkte konnten nicht mehr aufgelöst werden, wenn sie näher als die Hälfte der Wellenlänge zu liegen kommen. Inzwischen kann Stefan Hell in lebenden Zellen 20 bis 50 Nanometer auflösen. So wird die Dynamik des intrazellulären Geschehens zugänglich – und uns wahrscheinlich eben so viel Neues zeigen, wie das Lichtmikroskop von vor vierhundert Jahren.”

Der Familie-Hansen-Preisträger Prof. Dr. Stefan W. Hell studierte Physik in Heidelberg und wurde 1990 bei Professor Hunklinger diplomiert und promoviert. Danach folgten ein Postdoc-Aufenthalt am Europäischen Molekularbiologischen Laboratorium (EMBL), Heidelberg sowie ein dreieinhalbjähriger Aufenthalt an der Universität Turku (Finnland) und an der Universität Oxford (England). Im Jahr 1996 habilitierte er sich in Physik an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Bis 2002 war Hell Leiter einer selbstständigen Nachwuchsgruppe am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen. Im Jahr 2002 wurde er dort als Direktor und Leiter der Abteilung „NanoBiophotonik“ berufen. Daneben ist Hell seit 2003 Leiter der Abteilung „Optische Nanoskopie“ am Deutschen Krebsforschungszentrum und außerplanmäßiger Professor für Physik an der Universität Heidelberg. Seit 2004 lehrt er als Honorarprofessor für Experimentalphysik an der Georg-August-Universität Göttingen.

Neben weiteren Auszeichnungen erhielt Hell im Jahr 2006 den Deutschen Zukunftspreis, den Preis des Bundespräsidenten für Innovation und Technik, den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Jahr 2008 und den Otto-Hahn-Preis für Physik im Jahr 2009.

Mit dem Familie-Hansen-Preis werden Wissenschaftler geehrt, die wegweisende Forschungsbeiträge auf innovativen Gebieten der Biologie und Medizin geleistet haben. Er wird seit dem Jahr 2000 im Andenken an den Preisstifter Prof. Dr. Kurt Hansen verliehen. Der verstorbene ehemalige Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende der Bayer AG hatte 1999 den Preis aus „Dankbarkeit für ein ausgefülltes Leben als Naturwissenschaftler und Diplom-Kaufmann“ gestiftet. (17/03/11; Quelle: Bayer Stiftungen)

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