Akteure & Konzepte
Auszeichnungen
Glück in Netzwerken: Deutscher Engagementpreis erstmalig vergeben
Pünktlich zum diesjährigen Internationalen Tag des Ehrenamts am 5.12. wurde im Paul-Löbe-Haus in Berlin zum ersten Mal der Deutsche Engagementpreis der Kampagne „Geben gibt.“ verliehen [vgl. dazu Cornelia Kunkat, Leiterin des Kampagnenbüros, S&S 1/2009, S. 16]. Neben der traditionellen Würdigung herausragenden gesellschaftlichen Engagements auf Vereins- oder Kommunalebene oder staatlichen Orden wurde damit auf nationaler Ebene eine neue „Königsklasse“ unter den Engagement-Würdigungen aus der Taufe gehoben, so der Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, Hans Fleisch, zur Einstimmung auf das Festprogramm. Hier bekommen die Preisträger für ihren Einsatz auch einmal etwas dafür, dass sie so engagiert Gutes tun für die Gesellschaft.
„23 Millionen Menschen tun Gutes – und sind dabei nicht zu sehen. Zeigt sie uns!” lautete der Aufruf auf den vielerorts gesichteten Anzeigenmotiven der Kampagne „Geben gibt.“. Alle Bürger hatten dabei die Möglichkeit, ihre ganz persönlichen Helden für die Ehrung durch den Deutschen Engagementpreis in der Kategorie „Publikumspreis“ vorzuschlagen. Die Jury, besetzt mit Vertretern der Kampagne „Geben gibt.“, des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE) sowie Experten für einzelne Engagementbereiche, vergab die Auszeichnung in vier weiteren Kategorien, die die vielfältigen Formen von Engagement in Deutschland widerspiegeln. Bis auf die Kategorie „Publikumspreis“ sind dabei alle Auszeichnungen undotiert. Die Pokale stellte die Thüringer Ehrenamtsstiftung zur Verfügung. Hauptförderer der Kampagne sind der Zukunftsfonds der Generali Deutschland Holding AG und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).
Im Rahmen der Verleihung führte Alfred Biolek durch ein außergewöhnliches Festprogramm. Der künstlerische Rahmen hielt etwa Auftritte von Stifter, Kabarettist und Testimonial der Kampagne Dr. Eckhart von Hirschhausen, dem Schauspieler Walter Sittler und Sprachkünstler Timo Brunke bereit. Auch musikalische und tänzerische Darbietungen sorgten für ein feierliches Ambiente,
In der Kategorie “Sozialunternehmen” freute sich Katja Urbatsch, Gründerin und ehrenamtliche Geschäftsführerin von “ArbeiterKind.de“, kürzlich noch in die exklusive Gruppe der Ashoka-Fellows [vgl. S&S RS 6/2008] aufgenommen, über die Auszeichnung ihrer Initiative. „ArbeiterKind.de“ unterstützt Schulabgänger aus nichtakademischen Familien, die sich mit dem Wunsch nach einem Studium tragen.
In der Kategorie “Einzelperson” erhielt Günter Bechtold den Deutschen Engagementpreis. 2003 hat er als Trainer des SC Neuburgweier das Projekt “Fußball baut Brücken” gegründet. Seine jugendlichen Kicker trainieren gemeinsam mit behinderten Schülern der Ludwig Guttmann Schule Karlsbad. “Der Spaß, die Leidenschaft und die gewachsene soziale Kompetenz der Kinder entschädigen für die anfänglich vorhandenen bürokratischen Hürden. Die Sprache des Fußballs versteht jeder”, so Bechtold.
Die “Grünen Damen und Herren” der Evangelischen Krankenhaus-Hilfe e.V. (EKH) erhielten die Auszeichnung in der Kategorie “Dritter Sektor”. Die Grünen Damen besuchen ältere, kranke und behinderte Menschen, nehmen sich Zeit für Gespräche, erledigen kleinere Besorgungen oder Hilfeleistungen. Der 1969 gegründete Besuchsdienst hat sich mittlerweile in ganz Deutschland etabliert. Mehr als 10.000 Grüne Damen und etwa 70 Grüne Herren besuchen bundesweit ungefähr 450 Krankenhäuser und 260 Altenheime.
Der Deutsche Engagementpreis in der Kategorie “Politik & Verwaltung” ging an die Bürgerkommune Nürtingen. Knapp die Hälfte der Nürtinger Bevölkerung engagiert sich in der 1991 gegründeten Bürgerkommune der Stadt. Mittlerweile sind rund 80 ausgebildete Bürgermentoren als Brückenbauer für unterschiedliche Projekte im Einsatz. Sie leiten unter anderem die 15 Beteiligungsforen, wo Bürger, Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter zusammen arbeiten, Projekte organisieren, Anträge für den Gemeinderat vorbereiten. Zudem fördert die Kommune freiwilliges Engagement durch ein Bonussystem und Weiterbildungen.
Per Online-Abstimmung entschied die Bevölkerung, welches Engagement bzw. welches persönliche Vorbild sie für besonders auszeichnungswürdig hält: Rund 13.000 Stimmen erhielt das Gewinnerprojekt im Rennen um den “Publikumspreis”. Die SOZIALHELDEN sensibilisieren vor allem junge Menschen für gesellschaftliche Probleme. Ihr Erfolgsrezept sind kreative Aktionen: Sie haben den “SuperZivi” gecastet, die Wanderausstellung “Barrierefrei?” initiiert und bei dem Projekt “Pfandtastisch helfen!” Pfandflaschen-Bons gesammelt und mit dem Erlös Mahlzeiten für Bedürftige finanziert. Das Preisgeld von 10.000 € soll in das Online-Portal „Wheel-map.org“ investiert werden, eine Landkarte für rollstuhlgerechte Orte in Deutschland, so Initiator Raul Krauthausen.
„Glück breitet sich – wie Einsamkeit auch – in Netzwerken aus. Bei der Kampagne „Geben gibt.“ geht es darum, wie man selbst glücklich werden kann, indem man andere glücklich macht. Glück ist ansteckender als die Schweinegrippe und erhöht die Lebensdauer!“, so Eckhard von Hirschhausen über die Freuden freiwilligen Engagements. Der Deutsche Engagementpreis soll von nun an jedes Jahr vergeben werden und so gesellschaftliches Engagement sichtbarer machen sowie dazu „anstecken“, durch persönlichen Einsatz das gesellschaftliche Miteinander zu stärken. (7/12/09; Anja Ludwig, Redaktionsassistentin, Berlin)



