Akteure & Konzepte
Auszeichnungen
Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2009 vergeben
Zum 18. Mal hat die Gemeinnützige Hertie-Stiftung in diesem Jahr den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe verliehen, der mit insgesamt 25.000 € dotiert ist. Einer der diesjährigen Preisträger ist die Kulturgruppe im MS-Heim Celle. Mit dem Preis möchte die Stiftung Erkrankten Mut machen und vorbildliche Aktivitäten würdigen.
Die Kulturgruppe im MS-Heim Celle besteht seit 2007 mit den Untergruppen Schreib- und Videowerkstatt. Seitdem haben die 14 Teilnehmer die Zeitschrift ms lina herausgegeben und zwei Videoinstallationen veröffentlicht, Collagen aus Texten, Tönen und Bildern. Michaela Grön, Mitarbeiterin des Linerhauses und Kulturwissenschaftlerin, leitet die Gruppe zusammen mit den Kultur- und Medienpädagogen Annette Rösel und Matthias Bittner. In ihrer Laudatio hob Frau Dr. Eva Koch von der Hertie-Stiftung hervor: „Für die Jury ist es nie ganz einfach, aus den vielen, teilweise sehr aufwändig gestalteten Bewerbungen die Gewinner auszuwählen. Aber wir stimmten alle darin überein, dass die Kulturgruppe ausgezeichnet werden sollte und ich kann ihnen versichern, dass die Hertie-Stiftung stolz darauf ist, sie in den Kreis der Hertie-Preisträger aufzunehmen.“„Kunst und Kultur kennen keine körperlichen, geistigen oder sozialen Grenzen“, sagte Michaela Grön. „Die Erfahrungswelt der Bewohner ist durch die Erkrankung mit MS im fortgeschrittenen Stadium geprägt von Einschränkungen, sowohl körperlich als auch in der gesellschaftlichen Teilhabe. Mit unserer Arbeit in der Kulturgruppe wollen wir im Gegensatz dazu Möglichkeitsräume eröffnen und ästhetischen und kommunikativen Fähigkeiten stärken. So fördern wir auch die persönliche und öffentliche Wahrnehmung von Schwerstbehinderten als kreative, produktive und eigenwillige Persönlichkeiten.“
Für die 14 Bewohnerinnen und Bewohner, die an der Kulturgruppe teilnehmen, ist die gemeinsame Arbeit an Texten und Videobildern ein Höhepunkt der Woche.
Die Freude über den Hertie-Preis mit der damit verbundenen öffentlichen Anerkennung war groß und es gibt viele Ideen zur Verwendung des Preisgeldes. An erster Stelle steht die Anschaffung eines Computerarbeitsplatzes, der Bewohnern mit motorischen oder sprachlichen Einschränkungen neue Möglichkeiten zur barrierefreien Kommunikation bieten kann, z.B. mit Software zum Schreiben ohne Tastatur und Maus oder mit einer Sprachausgabe. Auch der Einsatz weiterer technischer Hilfsmittel zur Unterstützung der Teilnehmer bei der Schreib- und Filmarbeit soll erprobt werden. Außerdem steht die Kulturgruppe am Beginn eines neuen Projektes, erstmals in Kooperation mit jugendlichen Musikern. Gemeinsam soll ein Hörspiel entwickelt und produziert werden mit dem Ziel einer öffentlichen Präsentation. Bei dem Zusammentreffen von vermeintlich schwachen Schwerstbehinderten mit vermeintlich vitalen jungen Menschen wird es sicher spannende Begegnungen geben.
Stiftung Linerhaus
Die Stiftung Linerhaus ist seit über 160 Jahren in verschiedenen Feldern der Sozialarbeit tätig: 200 Mitarbeitende engagieren sich in den Bereichen Behindertenarbeit, Therapie und Kleinkindbetreuung, Ausbildung und Qualifizierung für Benachteiligte sowie Jugendhilfe. Die Stiftung Linerhaus ist gemeinnützig und Mitglied im Diakonischen Werk der ev. luth. Landeskirche Hannovers.
MS-Heim
Im Wohn- und Pflegeheim für Multiple-Sklerose-Kranke der Stiftung Linerhaus leben 24 Bewohnerinnen und Bewohner in familiärer Atmosphäre. Fast alle sind auf den Rollstuhl angewiesen und bedürfen aufgrund von spastischen Lähmungen und anderer neurologischer Störungen nicht nur vorübergehend der Betreuung und Pflege in einer stationären Einrichtung. Die ganzheitliche Pflege und Betreuung haben das Ziel, die Bewohnerinnen und Bewohner in ihrer Selbständigkeit und gesellschaftlichen Teilhabe zu stärken. Das Wohn- und Pflegeheim des Linerhauses ist eines der wenigen in Deutschland, das mit seinen unterstützenden und fördernden Maßnahmen speziell auf Menschen mit fortgeschrittener MS-Erkrankung abgestimmt ist.
Hertie-Stiftung
Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung baut auf dem Lebenswerk des 1972 verstorbenen Stifters Georg Karg, Inhaber der Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH auf. Sie zählt heute zu den größten privaten Stiftungen Deutschlands. Mit modellhafter Arbeit in ihren drei Förderbereichen Neurowissenschaften, Europäische Integration und Erziehung zur Demokratie will die Stiftung einen praktischen Beitrag zur Erneuerung des Landes leisten. Die Hertie-Stiftung ist der größte Förderer der Hirnforschung in Deutschland. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf der Multiplen Sklerose und den neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer- und der Parkinson-Erkrankung. (27/11/09)



