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Auszeichnungen
„Starke Weggefährten“ ist „Ausgewählter Ort 2011"
Die Aktion „Starke Weggefährten“ der Dietmar Hopp Stiftung hat sich im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ durchgesetzt und ist „Ausgewählter Ort 2011“: Im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs werden jedes Jahr 365 Projekte gekürt, die „Einfallsreichtum, schöpferische Leidenschaft und visionäres Denken“, so die Initiative, widerspiegeln. Der Wettbewerb wird getragen von der Bundesregierung und der Wirtschaft, vertreten unter anderen durch den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und steht unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Christian Wulff.

Die »Starken Weggefährten« auf dem Hospiztag der Metropolregion Rhein-Neckar am 20. November 2010 V.l.n.r.: Meike Leupold (Dietmar Hopp Stiftung), Christiane Santjer, Adalbert Errass, Martina Strübig, Monika Jany, Gisela Berlitz-Resch, Michael Koch, Silvia Verwaal-Mellem, Elke Anton, Katrin Tönshoff (Dietmar Hopp Stiftung)
Indessen fand im Heinrich Pesch Haus, Katholische Akademie Rhein-Neckar, der erste Weiterbildungskurs mit dem Titel „Für die Seele sorgen“ statt, der im Rahmen der Aktion „Starke Weggefährten“ der Dietmar Hopp Stiftung für ehrenamtliche Sterbebegleiter angeboten wurde. Im Workshop thematisierte Referent Isidor Baumgartner, Professor für Pastoraltheologie und Christliche Gesellschaftslehre an der Universität Passau, Fragen, die die Seele des Menschen betreffen und die manchmal vielleicht zu kurz kommen. Weil der Körper des Sterbenden im Hospiz schon so viel Pflege und Aufmerksamkeit braucht oder weil es für viele Menschen ungewohnt ist, miteinander darüber zu sprechen. Betrachtet man den Menschen in seiner Ganzheit, so Professor Baumgartner, sind es im wesentlichen die fünf Säulen der christlichen Lebenskunst, die den Menschen im Leben tragen und ihm im Sterben noch genauso wichtig sind: seine Wünsche, seine Arbeit, seine Gesundheit, seine Beziehungen und sein Lebens-Sinn. Fragen nach dem Sinn der Krankheit und dem Umgang damit hören die Sterbebegleiter immer wieder. Dann ist es gut, sich selbst mit diesen Fragen schon auseinandergesetzt und Klarheit darüber zu haben, was auch die eigene Seele braucht, um nicht krank zu werden.
„Der Titel hat uns sofort angesprochen: Für die Seele sorgen“, sagen Sieglinde Müller und Doris Schneider. Sie sind die ersten Ehrenamtlichen, die Weiterbildungsgutscheine der Dietmar Hopp Stiftung eingelöst haben. Beide sind seit mehreren Jahren als Sterbebegleiterinnen in Ludwigshafen tätig. Als Anerkennung für ihr Engagement und das von rund 1.000 weiteren ehrenamtlichen Sterbebegleitern in der Metropolregion Rhein-Neckar hat die Dietmar Hopp Stiftung die Aktion „Starke Weggefährten“ ins Leben gerufen: Ehrenamtliche Sterbebegleiter werden mit der Aktion gefördert und erfahren praktische Hilfe in Form von Weiterbildungsangeboten, für die die Dietmar Hopp Stiftung Gutscheine im Gesamtwert von 500.000 Euro zur Verfügung gestellt hat. Das Heinrich Pesch Haus als ein Partner der Aktion kann auf eine lange Tradition in der Weiterbildung für das Hospizwesen zurückblicken. Die katholische Akademie bietet Raum, die Arbeit in der Begleitung Sterbender zu reflektieren und dabei immer wieder selbst Stätten der Rast zu finden.
„Wenn es so etwas Tolles wie die Bildungsgutscheine gibt, ist man ja verpflichtet, das Angebot anzunehmen“, freut sich Doris Schneider und kündigt an, dass sie schon viele Ideen hat, welche Kurse des umfangreichen Angebots in drei verschiedenen Bildungsinstituten in der Metropolregion Rhein-Neckar sie künftig noch belegen will. Als sie in Vorruhestand ging, suchte sie eine sinnvolle Beschäftigung, etwas, das sie „ausfüllt“, erzählt sie. Gefunden hat sie das Hospiz Elias in Ludwigshafen, in dem acht Menschen mit unheilbaren Erkrankungen und deren Angehörigen Raum gegeben wird für ein Leben mit ihrer Krankheit und ein würdevolles Abschiednehmen. Doris Schneider hilft bei der Pflege, hat Zeit für die Sterbenden und ihre Angehörigen und sagt: „Ich hätte mir das nie vorstellen können, es macht mich wirklich glücklich, dort zu sein.“ Trotz der vielen positiven Erfahrungen weiß Doris Schneider aber genau, wo sie an Grenzen stößt: „Wenn es um Spiritualität geht oder auch um die Sinnfrage, da weiß ich auch keine Antwort“, sagt sie – und hofft auf das Seminar. Mit Hilfe des Referenten Baumgartner hat sie sich dem Begriff „Seele“ angenähert, über die eigene und die Seele der anderen, über christliche Werte und über Spiritualität gesprochen.
Dabei freute es Doris Schneider wie auch Sieglinde Müller, dass die Gruppe der Seminarteilnehmer bei dieser Weiterbildung nicht allzu groß war: „Wir kamen alle zu Wort, und wir hatten Zeit, unsere Gedanken zu formulieren“, lobt Sieglinde Müller. Sie hat drei Familienangehörige durch Krebs verloren. Diese Sterbebegleitungen haben sie so sehr geprägt, dass sie in ihrem letzten Berufsjahr das Orientierungs- und Aufbauseminar für die Tätigkeit als ehrenamtliche Hospizbegleiterin besuchte. Jetzt engagiert sie sich beim ökumenischen Hospiz- und Palliativberatungsdienst in Ludwigshafen. „Ich glaube, ich kann mit Menschen gut umgehen, kann gut zuhören“, nennt sie einen Aspekt ihres Ehrenamts. Gerade die Fähigkeit zuzuhören sei unabdingbar: „Manche Sterbende wollen unbedingt noch etwas loswerden, haben keine Ruhe, dann halte ich einfach ihre Hand und lasse sie sprechen.“ Sieglinde Müller bringt ihre Tätigkeit auf einen Nenner: „Ich schenke Zeit, egal wo und wie viel.“ Bei einem sterbenden Menschen – das hat sie schon häufig erlebt – „spürt man die Seele“. Genauer kann sie es nicht ausdrücken und umso mehr freut sie sich, dass dieser Aspekt in einer Weiterbildung angesprochen wird und sie sich darüber mit anderen Ehrenamtlichen austauschen kann. Für sie ist eine solche Veranstaltung ebenfalls „geschenkte Zeit“, die sie gerne in Anspruch nimmt. „Für die Seele sorgen“ – für welche Seele, für meine oder für die des Sterbenden? Die Frage, die sich alle Teilnehmenden am Anfang des Tages gestellt hatten, war am Ende des Workshops auf jeden Fall beantwortet: eindeutig für beide Seelen. (02/01/11; Quelle: Dietmar Hopp Stiftung)



