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Alfred Biolek wird 75

Der Talkmaster feiert seinen 75. Geburtstag mit vielen prominenten Gästen im Kölner E-Werk. Am 9. Juli überträgt die ARD live ab 20.15 Uhr. Der leidenschaftliche Koch kommt nach seinem Abschied vom TV nicht zur Ruhe, sondern kämpft seit 2005 mit einer eigenen Stiftung gegen HIV und Aids in Afrika.

So ganz selbstverständlich findet er es nicht, dass die ARD seine Geburtstagsgala zur besten Sendezeit ausstrahlt: Alfred Biolek kennt schließlich die Entscheidungs- und Bedenkenträger der öffentlich-rechtlichen Anstalt von der Pike auf. „Zu meiner Zeit”, so der ehemalige Moderator von „Boulevard Bio”, „Bios Bahnhof”, „Mensch Meier” und der Kochsendung “alfredissimo”, „konnte man in der Regel gerade mal drei Sender empfangen”. Von Quotendruck keine Spur weit und breit. Wer allerdings glaubt, seit seinem Abschied vom Fernsehen vor vier Jahren, hätte er nichts mehr zu tun, irrt gewaltig. In sein Berliner Domizil, das er seit 2000 bewohnt, flattern nicht nur unentwegt Einladungen: Der Mann weiß auch, wie man das Leben genießt – und sinnvoll gestaltet.

Seien es Theater- oder Opernaufführungen, Besuche in Kleinkunst-Theatern, private Einladungen in seine Wohnung, in der er seine Gäste bekocht und eine Art Salon führt oder Reisen nach Afrika, wo der UN-Sonderbotschafter unter dem Dach der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung 2005 die „Alfred Biolek-Stiftung – Hilfe für Afrika“ gegründet hat, die sich vor allem im Kampf gegen den HI-Virus engagiert. Soweit zu seinen diversen Aktivitäten, die ihn kürzlich wieder nach Kenia geführt haben.

Obwohl er wie kaum ein anderer seines Alters in der Gegenwart lebt und die Zukunft im Auge hat, nimmt – das gibt er offen zu – inzwischen der Rückblick auf ein ereignisreiches Leben immer mehr Platz ein. Gefühlte 150 Jahre sind es, an die er sich erinnert. Seine beruflichen Anfänge als Moderator beim ZDF, der Sprung in die Showmasterlaufbahn ohne Netz und doppelten Boden, das Wagnis der ersten Talkshow „Wer kommt, der kommt“ im Kölner Senftöpfchen-Theater und die unzähligen Live-Sendungen – aufregende Jahre, die sein ausgeprägtes Bedürfnis nach menschlicher Gesellschaft voll und ganz befriedigt haben. „Bio“, wie er von aller Welt genannt wird, weiß zu unterscheiden: eines der wichtigsten Dinge im Leben seien Freundschaften. Schließlich ist es wissenschaftlich erwiesen, welch’ hohen Stellenwert diese für das Wohlergehen eines Menschen haben. Nein, lernen könne man es nicht, in Würde zu altern. Aber es stelle sich eine gewisse Gelassenheit ein.

„Wie in Hermann Hesses Gedicht »Stufen« habe ich eine Stufe nach der anderen erklommen“, so der am 10. Juli 1934 in Karwin (Freistadt), der damaligen Tschechoslowake,i geborene Sohn eines Juristen, der mit seinen Brüdern Herbert und Joschi eine paradiesische Kindheit verlebt hat („Nein, es ist nicht das Paradies einer verklärten Kindheit, es war wirklich ein Paradies”.). Als Elfjähriger habe er Tschechisch gesprochen. Inzwischen hat sich sein slawischer Wortschatz auf „Küss’ die Hand, Gnädige Frau“ reduziert.

Eine der letzten „Stufen“ führte ihn auf eine ausgedehnte Theatertournee durch Deutschland: „Mein Theater mit dem Fernsehen“, hieß das Programm, mit dem der bekennende Homosexuelle einen Streifzug durch ein Stück Fernsehgeschichte unternahm. Seitdem lässt ihn die Bühne nicht mehr aus den Klauen. Oh ja, er glaube auch, dass die Bretter, die die Welt bedeuten, jung halte: „Im Kopf und Körper“. Zukunftspläne sprudeln nur so aus ihm heraus.

Was nicht bedeutet, dass er sich der Endlichkeit des Lebens nicht bewusst ist: „Vor dem Tod habe ich keine Angst. Ich möchte nur nicht lange leiden müssen, aber wer will das schon“, gibt er zu bedenken. Und Bette Davis’ Feststellung, dass Altwerden nichts für Feiglinge ist („Ageing ist not for Sissys”), kann er nur unterstreichen. Wobei ihm sportliche Aktivitäten völlig fremd sind: „Ich weiß nicht einmal, ob man Fußball mit F oder mit V schreibt. Man sucht sich ja nicht aus, ob man sportlich ist, oder nicht. Das ist wie mit der Musik. Entweder ist man musikalisch oder nicht. Ich habe schon als Schüler überhaupt kein Interesse an Sport gehabt“, erinnert er sich.

Und wenn er nun aus Anlass seiner Geburtstagsfeierlichkeiten unentwegt nach seinen Lieblings-Gerichten oder Lieblingsgästen gefragt würde, müsse er passen. „Die habe ich nämlich nicht“. Eher schon Favoriten innerhalb seiner Witze-Sammlung, die gleichwohl im Vergleich zu früher geschrumpft sei: „Wenn man sie nicht laufend erzählt, wie ich es früher getan habe, vergisst man sie leider, genau wie Fremdsprachen“. Als Student, habe er diese Fähigkeit kultiviert, weil „das meine einzige Möglichkeit war, mich als Entertainer zu profilieren.“ (29/06/09; Quelle: Kölner Stadtanzeiger)

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