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Trauer um Reinhard Mohn
Gestern verstarb der Unternehmer und Stifter Reinhard Mohn im Alter von 88 Jahren. Er repräsentierte zusammen mit seiner Ehefrau Liz Mohn die fünfte Generation der Eigentümerfamilien Bertelsmann/Mohn und baute Bertelsmann in mehr als 60 aktiven Jahren zu einem internationalen Unternehmen auf, das heute mehr als 100.000 Mitarbeiter in über 50 Ländern beschäftigt. Bis zuletzt begleitete er eng die Entwicklung der Bertelsmann AG, als Mitglied der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) und als Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats. Bei der von ihm gegründeten Bertelsmann Stiftung gehörte er bis zu seinem Tode dem Kuratorium an.

Foto: Bertelsmann
Reinhard Mohn wurde am 29. Juni 1921 in Gütersloh geboren. Nach Kriegsgefangenschaft und Beginn seiner Buchhändlerlehre übernahm er 1947 die Leitung des familieneigenen Druck- und Verlagshauses (C. Bertelsmann Verlag). Er expandierte über das Vertriebs- und Verlagsgeschäft hinaus rasch in weitere Geschäftsfelder und Märkte.
Dabei bediente er sich auch unkonventioneller Ideen: Reinhard Mohn schuf eine der weltweit größten Buch- und Vertriebsorganisationen, indem er Bücher per Vertreter und Katalog zu den Menschen nach Hause brachte. Später kamen beispielsweise Industrie- und Dienstleistungsbetriebe, das Zeitschriftengeschäft und schließlich das Fernsehen hinzu. Bereits in den frühen 60er Jahren leitete er mit der Gründung des Buchclubs in Spanien die Expansion in Auslandsmärkte ein. Reinhard Mohn prägte und entwickelte die bis heute bestehende Unternehmenskultur, die auf den Grundwerten Partnerschaft, Kreativität, Unternehmergeist und gesellschaftliche Verantwortung beruht. Die einzelnen Firmen und Bereiche erhielten größtmögliche unternehmerische Freiheit, die Mitarbeiter wurden schon früh in Entscheidungsprozesse eingebunden und am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt. Publizistisch verankerte Reinhard Mohn bei Bertelsmann das Prinzip des Pluralismus.
Im Jahr 1971 wandelte er das Familienunternehmen in eine Aktiengesellschaft um, deren Vorstandsvorsitzender er wurde. Er schuf damit die strukturellen Voraussetzungen für weiteres Wachstum und den Aufstieg von Bertelsmann in die Weltliga der Medienkonzerne. 1977 gründete er die Bertelsmann Stiftung. 1981 schied Reinhard Mohn mit seinem 60. Geburtstag aus dem Bertelsmann-Vorstand aus. Zehn Jahre später, 1991, legte er dann das Mandat als Aufsichtsratsvorsitzender nieder. Die Mehrheit des Aktienkapitals der Bertelsmann AG ließ er 1993 auf die Bertelsmann Stiftung übertragen, die heute mit 76,9 % größter Aktionär des Medienunternehmens ist. Die Stimmrechte in der Hauptversammlung der Bertelsmann AG ordnete er 1999 der neu gegründeten Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) zu. Mit der Trennung von Kapital und Stimme traf Reinhard Mohn frühzeitig Vorkehrung für die Kontinuität und Unabhängigkeit des Unternehmens Bertelsmann.
In Anerkennung seiner herausragenden Leistungen als Unternehmer und Stifter hat Reinhard Mohn zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen erhalten, darunter den Bundesverdienstorden mit Stern der Bundesrepublik Deutschland, die Ehrenmitgliedschaft im Club of Rome, das Spanische Großkreuz und den Prinz-von-Asturien-Preis. Zudem erhielt Mohn den Europäischen Stifterpreis, den Schumpeter-Preis und den Hans-Martin-Schleyer-Preis. Noch im Jahr 2007 erhielt er den deutschen Gründerpreis für sein Lebenswerk. (05/10/09)



