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„Rechnen in Deutschland“ 2009: Stiftung Rechnen stellt forsa-Studie vor
Die erst im Oktober dieses Jahres von der comdirect bank AG und der Boerse Stuttgart AG neu gegründete „Stiftung Rechnen“ stellte bereits am 3.12.2009 ihr ersten Projekt vor. Im Eugen-Gutmann-Haus in Berlin präsentierte sie gemeinsam mit bettermarks und forsa die Ergebnisse einer repräsentativen Studie des Umfrage-Instituts zur Rechenkompetenz der Deutschen. Der Geschäftsführer von forsa, Manfred Güllner, ließ es sich nicht nehmen, die Ergebnisse selbst mitzuteilen. So wurde die bereits aus früheren Studien bekannte Erkenntnis, dass die mathematischen Kenntnisse und Fähigkeiten der Deutschen zu wünschen übrig lassen, durch die neueste Studie bestätigt. Hier will die Stiftung Rechnen ansetzen und Projekte auf die Beine stellen, welche die Rechenkompetenz weiter Bevölkerungskreise verbessern sollen.
Im Einzelnen liefert die Bestandsaufnahme der Studie ein ernüchterndes Bild. So klaffen Selbsteinschätzung und Rechenkompetenz auseinander.
In den Grundrechenarten Addition, Subtraktion und Multiplikation benoten sich zwischen 80 und 90 % der Schülerinnen und Schüler mit „gut“ oder „sehr gut“. In der Division sind es immerhin noch 64 %. Etwas zurückhaltender fällt die Selbsteinschätzung in Geometrie und Dreisatz aus. Hier benoten 60 % ihre Leistungen mit „gut“ oder „sehr gut“. In der Bruch- und Prozentrechnung sind es 54 bzw. 58 %. Die Zeugnisnoten sagen etwas anderes aus. 20 % der Schüler wurden in ihrem letzten Zeugnis im Fach Mathematik mit einer Vier oder schlechter benotet. Der Notendurchschnitt der Schülerschaft in Mathe liegt bei 2,7 (befriedigend), wobei die Gymnasiasten mit 2,5 etwas besser, die Hauptschüler mit 2,9 etwas schlechter abschneiden.
Zwischen 84 und 90 % der befragten Erwachsenen bewerten ihre Leistung in den Kompetenzen Addition, Substraktion und Multiplikation als „gut“ bzw. als „sehr gut“. Zu der gleichen Benotung ihrer Fähigkeiten in den Kompetenzen Geometrie, Bruchrechnen und Dreisatz gelangen immerhin noch 40 bis 50 % der Erwachsenen. Zu dieser Selbsteinschätzung passt so gar nicht, dass 63 % der Befragten zugegeben haben, im Alltag Situationen erlebt zu haben, bei denen sie mit ihren Rechenkompetenzen an Grenzen gestoßen sind, und immerhin 30 % der Eltern Probleme beim Kontrollieren der Mathe-Hausaufgaben ihrer Kinder eingestanden haben.
Angesichts dieser Ergebnisse setzt sich die Stiftung Rechnen für die Förderung von Rechenfähigkeit und mathematischer Bildung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein. „Rechnen ist eine grundlegende Kulturtechnik. Wir möchten Freude am Umgang mit Zahlen vermitteln und dem Rechnen zu mehr Aufmerksamkeit und einem besseren Image verhelfen, die Rechenkompetenz verbessern und die finanzielle Allgemeinbildung stärken“, sagte Michael Mandel, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Rechnen wie auch der Initiatorin und Gründungsstifterin, der comdirect bank. „Um diese Ziele zu erreichen, will die Stiftung geeignete Projekte fördern oder auch selbst entwickeln und zugleich eine Plattform schaffen für alle, die sich für das Rechnen stark machen“, so Johannes Friedemann, Geschäftsführer der Stiftung. Als erste Partner und Förderer engagieren sich die PwC-Stiftung [vgl. S&S 2/2008, S. 12 f.], forsa, der Ernst-Klett-Verlag, das Projekt „Mathe-Meister“ der Universität Münster, die Scout24-Gruppe, die comdirect bank und das Online-Lernsystem bettermarks. Sie alle sind an Projekten beteiligt, die Rechnen und Mathematik attraktiv, erlebbar und für weite Bevölkerungskreise interessant machen. Weitere Partner, Stifter und Förderer, die das Anliegen kraftvoll unterstützen und nachhaltig voranbringen, sollen gewonnen werden. (03/12/09; Heiner Beisenherz, Berlin)



