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40 Jahre Björn-Steiger-Stiftung
Björn Steiger war acht, als er starb. Der Junge wurde am 3. Mai 1969 in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) von einem Auto überfahren. Seine Eltern Siegfried und Ute Steiger gründeten zwei Monate später eine Stiftung in seinem Namen – um anderen Unfallopfern zu helfen. Heute wird die Björn-Steiger-Stiftung 40 Jahre alt.

Ute und Siegfried Steiger / Foto: Björn-Steiger-Stiftung
Eine schnellere Behandlung hätte den Achtjährigen retten können, ist Steiger überzeugt. “So groß unsere Trauer auch war, wir wussten, dass sich etwas ändern muss”, erklärt der 79-Jährige. “Wenn schon nicht mehr für Björn, dann doch für unsere Tochter Nicole.” So gründeten sie zusammen mit sieben Freunden am 7. Juli 1969 die Björn-Steiger-Stiftung.
Startkapital waren einige Tausend Mark, das Ersparte der Familie. “Ich glaube, ich war der Erste, der in Deutschland öffentlich Altpapier sammelte und so Geld einnahm”, erinnert sich Steiger. Weitere Aktionen, Aufrufe und Spenden folgten und schon einen Monat später der erste Erfolg: Die Stiftung kaufte ein Funkgerät für 7500 Mark und schenkte es dem Rettungsdienst für einen Wagen. Ursprünglich wollten die Stiftungsgründer nur in ihrer Heimatstadt Winnenden Fortschritte im Rettungsdienst erreichen. “Aber auf regionaler Ebene haben wir nichts Effektives erreichen können”, sagt Steiger. Also stieß die gemeinnützige Initiative zwar viele Aktionen in Nordwürttemberg an, orientierte sich aber stets an ganz Deutschland.
Prominente Unterstützung kam von Hilde Heinemann, der Frau des Bundespräsidenten. Bis zu ihrem Tod 1979 verschaffte sie der Stiftung Zugang zur Politik. “Das war am wichtigsten”, erklärt der Stiftungsgründer. “Denn für unsere Vorschläge und Anregungen hat sich anfangs niemand zuständig gefühlt.” Er lächelt: “Am praktischsten war, dass Frau Heinemann mir die Durchwahl der Minister gegeben hat. Die haben sich immer gewundert, wenn sie mich an der Strippe hatten.”
Eigentlich wollten die Gründer die Stiftung nach zwei Jahren wieder auflösen. “Aber wenn wir das gemacht hätten, wären alle Aktionen im Sand verlaufen.” Funkgeräte für über 100 Rettungswagen, Notruftelefone an Bundesstraßen, 24-Stunden-Notdienste und ein voll ausgerüsteter Rettungswagen für jedes Bundesland –
die Bilanz der ersten zwei Jahre konnte sich sehen lassen. Das strukturierte Notdienstsystem, wie es heute in Deutschland existiert, ist größtenteils durch die Initiativen der Stiftung entstanden. So viel Engagement ließ auch die Kinder des Ehepaars nicht unberührt. Tochter Nicole und Sohn Pierre-Enric arbeiten seit langem ehrenamtlich im Vorstand der Stiftung mit.
Das nächste Projekt soll die 2001 gestartete Aktion “Kampf dem Herztod” wieder aufleben lassen. Damals schenkte die Stiftung Städten und Landkreisen Defibrillatoren für 4,6 Millionen Mark, Geräte, mit denen ein Herz mit Stromstößen reanimiert werden kann. “Die Bedingung war”, erklärt Steiger, “dass die Empfänger sich verpflichten, jeden Monat 20 Leute an dem Gerät auszubilden.” So seien bisher einige Hunderttausend Menschen geschult worden. Ab November beginnt ein Pilotprojekt: In einer Schule in Berlin lernen Siebtklässler den Umgang mit den Geräten.
Das Jubiläum der Stiftung wird heute mit einem Festakt in Winnenden gefeiert. Ministerpräsident Günther Oettinger wird dabei sein, ebenso Bahn-Chef Rüdiger Grube, ein alter Freund der Familie. Das runde Jubiläum will das Ehepaar Steiger nutzen: “Um zu sagen, was noch im Argen liegt in Deutschland. Es gibt noch so viel zu tun.” (07/07/09; Quelle: Cornelia Villani, Stuttgarter Nachrichten)



