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Aktionswochen gegen Antisemitismus der Amadeu Antonio Stiftung

Die Amadeu Antonio Stiftung eröffnete die bundesweiten Aktionswochen gegen Antisemitismus mit Cem Özdemir, Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen, Stephan J. Kramer, Generalsekretär Zentralrat der Juden in Deutschland, Steffen Richter, Vorsitzender vom Alternativen Kultur- und Bildungszentrum Pirna e.V. und Anetta Kahane, Vorsitzende des Vorstands der Amadeu Antonio Stiftung, als Gastgeberin. Dieses Jahr haben die Aktionswochen mit dem Thema Israelfeindschaft erstmalig einen inhaltlichen Schwerpunkt.

Anetta Kahane erläuterte zu Beginn der Pressekonferenz: “Als wir vor sieben Jahren die ersten Aktionswochen gegen Antisemitismus veranstalteten geschah dies, weil wir den Eindruck hatten, dass Erinnerungskultur und die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus zunehmend in den Hintergrund geraten. Neben der Notwendigkeit sich gerade an den 09. November zu erinnern, besteht auch eine Notwendigkeit sich mit aktuellen Formen des Antisemitismus auseinander zu setzen. Die wohl am meisten verbreitete Form von aktuellem Antisemitismus ist die Israelfeindschaft”. Sie betonte, dass es selbstverständlich nicht darum gehe, dass man Israel nicht kritisieren dürfe, sondern um israelbezogenen Antisemitismus, der sich oft als Kritik an Israel tarne.

Der Generalsekretär vom Zentralrat der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, hob hervor, wie wichtig eben diese Auseinandersetzung mit der Israelfeindschaft sei, die einen Trägermechanismus für Antisemitismus darstelle. In diesem Zusammenhang warnte er eindringlich davor, sich nur mit den extremen Rändern der Gesellschaft zu beschäftigen. “Zunehmend ist festzustellen, dass gerade die gut ausgebildete Mitte der Gesellschaft, Menschen die sich sehr gewählt und akkurat ausdrücken können, sich gerade in Bezug auf Israel antisemitisch äußern, ohne dass dies gesellschaftlich sanktioniert wird”, so Kramer.

Der Bundesvorsitzende der Grünen Cem Özdemir, der 2009 die von der Amadeu Antonio Stiftung herausgegebene Handreichung “Die Juden sind schuld. Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft am Beispiel muslimisch sozialisierter Milieus” unterstützt hatte, betonte, dass Antisemitismus jeden etwas anginge: “Manche verbreiten unter dem Vorwand, Kritik an Israel zu üben, antisemitisches Gedankengut. Das können wir nicht hinnehmen. Es ist auch ein Gebot der Demokratie, dass der Einzelne und die Organisationen der Zivilgesellschaft hier einschreiten.”

Steffen Richter vom Alternativen Kultur- und Bildungszentrum (AKuBiZ) Pirna e.V. bemängelte, dass “alles was an Juden und jüdisches Leben in Pirna erinnert” praktisch verschwunden sei. Es sei daher enorm wichtig Lokalgeschichte wieder sichtbarer zu machen.

Debatte um Integration

Im weiteren Verlauf der Pressekonferenz spielten die Nachwehen der Sarrazin-Debatte eine große Rolle. Sowohl Anetta Kahane als auch Stephan Kramer kritisierten vehement, dass derzeit überall von “jüdisch-christlicher Tradition” gesprochen werde. Kahane beanstandete, dass eine vermeintliche “jüdisch-christliche Symbiose gegen Muslime in Anschlag gebracht wird”. Diese geschehe, um Menschen nach kulturellen Kriterien in gute, weniger gute und schlechte Menschen einzuteilen. In diesem Zusammenhang kritisierte der Bundesvorsitzende der Grünen, dass Menschen aus dem islamischen Kulturkreis in Deutschland auf ihre vermeintlich gemeinsame Religion reduziert und als homogene Masse abgestempelt würden. “Etwas hält Einzug, was in höchstem Maße beunruhigend ist”, so Özdemir. “Die Menschen, ihre Herkunft und ihre vermeintliche Religion werden in einen Topf geworfen und zu einer gefährlichen Masse verrührt. Das ist ein Rückfall in die integrationspolitische Steinzeit.”

Anetta Kahane betonte in diesem Zusammenhang, zwar werde die Sarrazin-Debatte unter dem Label “Islam” geführt, doch es gehe nicht nur um den Islam, sondern um sichtbare Minderheiten – weshalb es vor allem eine Debatte um Rassismus sei. Und diese betreffe alle Minderheiten.

Antisemitismus in Deutschland

Antisemitismus in Deutschland hat sehr unterschiedliche Gesichter: Immer wieder kommt es zu antisemitischen Schmierereien, wie beispielsweise Anfang Oktober 2010 in der Dresdner Neustadt. Dort hatten Unbekannte mehrere Hausfassaden mit antisemitischen Sprüchen besprüht. Dass solche Parolen oftmals gar nicht mehr als störend empfunden werden, zeigte sich im Frühjahr in Hannover. Dort war über Monate hinweg an einem Bauwagen der Stadtwerke Hannover eine antisemitische Parole zu sehen. Trotz mehrerer Hinweise ließen die Stadtwerke den Schriftzug erst entfernen, als der Vorfall medial rezipiert wurde. Die Brandanschläge auf die gerade erst eingeweihte Synagoge in Mainz Ende Oktober 2010 oder auf die Synagoge in Worms Mitte Mai 2010 zeigen auf bedrückende Weise, dass brennende Synagogen nicht der Vergangenheit angehören. Auch Übergriffe auf Jüdinnen und Juden finden in Deutschland immer wieder statt. So wurde im Juni 2010 eine jüdische Tanzgruppe von mehreren Jugendlichen bei einem öffentlichen Auftritt mit Steinen beworfen. Nur knapp eine Woche später sind in einer Diskothek in Berlin-Friedrichshain zwei Israelis verletzt worden. Der Angreifer fragte die Beiden, woher sie kämen, entgegnete dann, er sei Palästinenser und schlug unvermittelt auf sie ein. Beim Verlassen der Diskothek wurden die Israelis noch von einem 43jährigen Mann mit Pfefferspray verletzt. (09/11/10; Quelle: Amadeu Antonio Stiftung)

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