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Auftakt zum Kleist-Gedenkjahr 2011

Am heutigen 4. März wird das Kleist-Jahr in Frankfurt (Oder), der Geburtsstadt Heinrich von Kleists, feierlich eröffnet. Den Auftakt nimmt das Gedenkjahr mit dem ersten Spatenstich für den Erweiterungsbau des Kleist-Museums und einem Festakt in der Konzerthalle „Carl Philipp Emanuel Bach“, der ehemaligen Taufkirche Heinrich von Kleists, im Beisein des Kulturstaatsministers Bernd Neumann.

Weitere Höhepunkte des Tages sind das Festkonzert des Brandenburgischen Staatsorchesters zu Kleist-Kompositionen, das gleichzeitig das Eröffnungskonzert der Musikfesttage an der Oder ist, sowie die Aufführung der Koproduktion des Maxim Gorki Theaters Berlin und des Staatsschauspiels Dresden „Das Erdbeben in Chili“ im Kleist Forum.

Zum Programm
Am 21. November wird sich der Todestag Heinrich von Kleists zum 200. Mal jähren. Aus diesem Anlass wird auf Initiative des Bundes, der Länder Brandenburg und Berlin sowie der Stadt Frankfurt (Oder) und unter der Federführung des Kleist-Museums, Frankfurt (Oder), und der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft, Berlin, ein Kleist-Gedenkjahr mit überregionaler Bedeutung und internationaler Ausstrahlung vorbereitet.

Mit Veranstaltungen in allen Kunstsparten und Formaten, mit Kongressen, Lesungen und Buchvorstellungen, Ausstellungen, Theater-, Musik- und Filmaufführungen, Artist-in-Residence-Programmen, Rundfunk- und Fernsehproduktionen, Dokumentar- und Filmprogrammen, Schreib- und Lesewettbewerben, Autorentreffen, Preisverleihungen und Publikationen wird die Aktualität Heinrich von Kleists einem breiten Publikum präsentiert. Alle Veranstaltungen des Kleist-Jahres 2011 wenden sich an ein einheimisches kulturinteressiertes Publikum sowie an Kulturtouristen, die die jeweiligen Städte auch im Kontext des Kleist-Jahres besuchen.

Lokale Schwerpunkte des Kleist-Jahres sind die Stadt Frankfurt (Oder), die Geburtsstadt des Dichters, und Berlin, die Stadt, in der Kleist in seinen letzten Lebensjahren seinen Schreibort fand und die der Ort seines Freitodes wurde. Bereichert wird das Programm durch ein Netzwerk von Veranstaltungen an den Orten, die Kleist bereiste und die ihm mehr oder weniger kurzzeitige Lebensorte wurden. Durch die Projektpartner im In- und Ausland wird ein intensiver kultureller und wissenschaftlicher Austausch gepflegt.

Am Vorabend der offiziellen Eröffnung des Kleist-Jahres lädt das Kleist-Museum zu einer besonderen Vernissage mit Originalbriefen und einem Originalmanuskript von Heinrich von Kleist. Die Ausstellung „Materialitäten. Kleists Handschriften“ wird an Hand einzelner, selten ausgestellter Autographen eine unbekannte Seite Kleists untersuchen.

Die bis zum 29. April laufende Exposition wird durch eines der herausragenden Kulturprojekte im Kleist-Jahr abgelöst, der von Mai 2011 bis Januar 2012 zeitgleich in Berlin und Frankfurt (Oder) stattfindenden großen Doppelausstellung „Kleist: Krise und Experiment“. Die Sonderausstellung entsteht unter der kuratorischen Leitung des Kleist-Forschers Professor Dr. Günter Blamberger und des Ausstellungsmachers Stefan Iglhaut. Die Präsentation legt den Fokus auf Heinrich von Kleist als Krisenspezialist und Projektemacher, der nicht nur in seinen Dramen und Novellen auf tief greifende gesellschaftliche Verunsicherungen reagierte. Auch mit seinen Überlegungen zur Militär- und Finanzreform des preußischen Staates, dem Entwurf eines U-Bootes, der Erfindung einer „Lasterschule“ nach dem Programm einer „Anti“-Pädagogik, der Forderung nach einer Ent-Disziplinierung der Wissenschaften oder der Gründung einer hauptstädtischen Boulevardzeitung versuchte Kleist, gesellschaftlichen Herausforderungen mit konstruktiven Ideen zu begegnen. Kleist erweist sich in dieser engagierten Haltung als ein Prototyp moderner Wissensproduktion in Gestalt eines Projektemachers, er war ein „Vorfechter für die Nachwelt“ (Adam Müller).

Mit Beteiligung der Kulturstiftung des Bundes werden neben dieser Sonderausstellung im Kleist-Jahr weitere Ausstellungen gezeigt, wie die von Professor Dr. Roland Reuß und Dr. Peter Staengle kuratierte literaturhistorische Ausstellung „Heinrich von Kleist – Etappen der Werkgeschichte“ in Heidelberg. Darüber hinaus werden u. a. in Zusammenarbeit mit dem Maxim Gorki Theater Berlin und der Theatergruppe Rimini Protokoll weitere Projekte realisiert, die den Dichter als Vorläufer der Moderne würdigen und die Gegenwärtigkeit seines künstlerischen Erbes in die Öffentlichkeit tragen sollen. Derzeit erarbeitet das Maxim Gorki Theater Berlin sämtliche Werke Kleists. In Frankfurt (Oder) sind mehrere Gastspiele geplant, unter anderem „Das Erdbeben in Chili“ am Eröffnungstag des Festjahres im Kleist Forum.

Seinen Abschluss findet das Gedenkjahr an Kleists Todestag, am 21. November, in Berlin mit einer Veranstaltung an seiner Grabstätte am Kleinen Wannsee. Mit Mitteln aus der Cornelsen-Stiftung plant das Land Berlin die Neugestaltung des Areals um den Todesort von Heinrich von Kleist und Henriette Vogel am Wannsee. Mittels einer Hörspiel-Installation vom Regisseur und Autor Paul Plamper wird der Besucher, ausgestattet mit Kopfhörern und Mobiltelefonen, auf akustisch geführten Parcours am Kleistgrab und dessen Umgebung Gespräche und Aussagen der Boten, der Mägde, des Wirts und diverser Figuren, die in den Vernehmungsprotokollen um den Doppelsuizid auftauchen, vernehmen. (04/03/11; Quelle: Kleist-Gesellschaft)

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