Akteure & Konzepte
Projekte & Programme
Bewerberrekord bei START-Stiftung in Sachsen-Anhalt
Gesellschaftliches Engagement und Leistungs-motivation – dadurch zeichnen sich die fünf Mädchen und drei Jungen aus, die gestern im Rahmen einer feierlichen Zeremonie im Schinkelsaal des Gesellschaftshauses Magdeburg offiziell in das START-Stipendienprogramm für engagierte Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund aufgenommen werden. Die acht neuen Stipendiaten erwartet neben der materiellen Unterstützung in Form eines Bildungsgeldes in Höhe von monatlich 100 € und einer PC-Grundausstattung mit Internetanschluss eine intensive ideelle Förderung im Bildungsbereich.

Stipendiat Anh Quan/ Foto: START-Stiftung
Winfried Willems, Bildungsstaatssekretär im Kultusministerium Sachsen-Anhalt, betont, dass es besonders wichtig sei, engagierte Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund zu fördern, um sie bei ihrer schulischen Ausbildung und der Integration in unsere Gesellschaft zu unterstützen. “Durch das START-Stipendienprogramm können die Schulleistungen junger, begabter Zuwanderer gefördert und bessere Voraussetzungen für ihre berufliche Laufbahn eröffnet werden. Die erfolgreiche Integration dieser Jugendlichen soll zum Vorbild für andere werden und weitere junge Migranten anspornen, eben diese Ziele zu verfolgen. Ich möchte mich daher für das Engagement der START-Stiftung und ihrer Förderer bedanken. Den Schülerinnen und Schülern wünsche ich alles Gute und viel Erfolg für ihre schulische Laufbahn und ihren persönlichen Lebensweg”, sagt Willems und gratuliert den neuen Stipendiaten. Ihre Herkunftsländer sind Irak, Kasachstan, Polen, Ukraine und Vietnam. Die Stipendiaten sind zwischen 14 und 16 Jahre alt und besuchen sechs Gymnasien, eine Sekundarschule und eine Gesamtschule. Durchgesetzt haben sich die Jugendlichen unter insgesamt 60 Bewerbern in Sachsen-Anhalt – eine noch nie dagewesene Zahl, die das große Interesse von Jugendlichen mit Migrationshintergrund an dieser speziellen Bildungsförderung deutlich macht.
Mostapha Boukllouâ, Geschäftsführer der START-Stiftung gGmbH, erläutert dazu: “START hat zum Ziel, die Jugendlichen auf ihrem Weg zum Abitur begleitend zu unterstützen und ihnen damit die Teilhabe an unserer Gesellschaft zu erleichtern. Dazu gehört für uns vor allem die ideelle Förderung: Neben grundlegenden Bildungsseminaren – z.B. zu den Themen “Demokratie und Partizipation”, “Medien in Theorie und Praxis” und “Rhetorik” – erhalten sie die Möglichkeit, Wahlseminare im künstlerisch-kreativen, musikalischen und naturwissenschaftlichen Bereich zu besuchen. Den eigenen Interessen und Talenten gezielt nachzugehen und dadurch die eigene Persönlichkeit weiterentwickeln zu können, hat für die Sti-pendiaten einen besonders hohen Wert.”
Exkursionen in privatwirtschaftliche Unternehmen und öffentliche Verwaltungsein-richtungen, Beratungen für die Ausbildungs-, Studien- und Lebensplanung sowie die Vermittlung von Praktika ergänzen das Angebot. Die START-Stipendien werden zunächst für die Dauer eines Jahres gewährt, können aber bei anhaltend guten Leistungen und gesellschaftlichem Engagement bis zum Erreichen eines höheren Bildungsabschlusses verlängert werden.
Die Nachfrage nach dem START-Stipendium ist erfreulich hoch: Insgesamt haben sich in den 14 Bundesländern, die das Bildungsprogramm anbieten, in diesem Jahr 2.374 Schüler und Schülerinnen beworben – 61 Prozent mehr als im Vorjahr.
Auch der Stipendiatenkreis wächst fortlaufend: Seit Beginn des Stipendienprogramms im Jahr 2002 konnte nun in diesem Schuljahr der 1.000ste Stipendiat aufgenommen werden. Aktuell werden insgesamt 638 Stipendiaten gefördert. Auf Sachsen-Anhalt entfallen davon 17 Schülerinnen und Schüler. Zum Ende des vergangenen Schuljahrs wurden hier zwei Abiturienten verabschiedet. Sie zählen zu den bundesweit insgesamt 115 Abiturienten dieses Jahres, die damit in den Alumniverein eintreten können, der den weiteren Austausch gewährt. Das Ziel des START-Stipendienprogramms – das Abitur – erreicht eine überzeugende Mehrheit der Stipendiaten: 97 Prozent eines Jahrgangs legen durchschnittlich die Hochschulreife ab und eröffnen sich damit den Zugang zu einem Studium.
Es ist jedoch nicht nur das schulische Leistungsengagement, das bei START zählt. Auch das soziale Engagement ist wichtig, wie Dr. Heinz-Rudi Spiegel, Geschäftsführer der Marga und Kurt Möllgaard-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, stellvertretend für die START-Partner in Sachsen-Anhalt, betont: “Kognitive Leistungen verbunden mit sozialem Engagement – das ergibt ein Persönlichkeitsbild, dessen unsere Gesellschaft in immer höheren Maße bedarf, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden. Heute dürfen wir in unserem Bildungssystem keine Begabung übersehen oder gar zurücklassen; leistungsfähige und leistungsbereite junge Menschen – egal woher sie kommen – sind Garanten für unsere sichere Zukunft und für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes in der Konkurrenz um die Besten. Unseren eingewanderten jungen Mitbürgerinnen und Mitbürgern sollten wir alle Unterstützung geben, ihre Anlagen und Fähigkeiten zum individuellen wie gemeinsamen Wohl zu entfalten.” Das Engagement der neuen Stipendiaten aus Sachsen-Anhalt umfasst u.a. die Betreuung von Senioren im ASB “Pflegezentrum”, die Mitarbeit im Club “Morgenstern”, in einem Club vietnamesischer Mütter und Kinder, die Arbeit im Schulsanitätsdienst und Funktionen als Klassensprecher oder Schüleradministrator im PC-Kabinett der Schule.
Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung hat das START-Schülerstipendienprogramm im Jahre 2002 mit rund 20 Stipendien in Hessen begonnen. Heute unterstützen rund 100 Kooperationspartner das Programm – Stiftungen aus Deutschland und den USA, Kultusministerien, Kommunen, Privatpersonen, Unternehmen und Vereine. Seit 2007 führt die START-Stiftung gemeinnützige GmbH als Tochtergesellschaft der Hertie-Stiftung das Programm durch. Im Schuljahr 2009/2010 werden insgesamt 638 Schülerinnen und Schüler aus über 60 Herkunftsländern gefördert. Zusammen mit den Stipendiaten, die bereits das Abitur abgelegt haben, profitier(t)en 1.000 Stipendiaten von dem Programm. START ist in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen vertreten. (12/11/09)



