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Chancen für bedrohte Sprachen

Letzte Entscheidungsrunde in der Förderinitiative "Dokumentation bedrohter Sprachen": Die VolkswagenStiftung bewilligt 2,9 Millionen Euro für zwölf Vorhaben. Seit Beginn der Förderinitiative "Dokumentation bedrohter Sprachen" im Jahr 1999 stellte die VolkswagenStiftung knapp 25 Mio. € für 216 Projekte bereit. Zwei der Projekte stellen wir Ihnen im Folgenden kurz vor.

Die Linguistin Dr. Antoinette Schapper von der Universität Köln leitet ein Dokumentationsprojekt auf der Inselgruppe Aru im Osten Indonesiens. Hier setzt sich Malayisch als Verkehrssprache durch, nur ein paar Dutzend älterer Menschen sprechen noch das Ujir. Diese hochgradig bedrohte Sprache gehört zwar zur austronesischen Sprachfamilie, zeigt aber auch viele Merkmale der melanesischen Sprachen. Der Grund für die ungewöhnliche Hybridität: Die Inselgruppe war einst sowohl mit Australien als auch mit Neuguinea verbunden. Diese geologische Besonderheit spiegelt sich auch in der einzigartigen Kultur sowie in Flora und Fauna der Inselgruppe, einem Biodiversitäts-Hotspot. Neben der umfassenden multimedialen Dokumentation des Ujir liegt ein Fokus der Wissenschaftler um Dr. Schapper daher auf dem traditionellen Wissen der Ujir-Sprecher über ihre heimische Tierwelt und ihr kulturelles Erbe. Das Projekt wird mit rund 295.000 € gefördert.

Im Fokus des zweiten Projekts steht der Kaukasus: Dr. Diana Forker von der Universität Bamberg und Prof. Dr. Rasul Mutalov von der Daghestanian State University dokumentieren Shiri und Sanzhi. Die beiden Sprachen werden nur noch von 200 beziehungsweise 100 Familien in Dagestan gesprochen. Sie sind aus historischen Gründen bedroht: 1944 wurden die beiden ethnischen Gruppen zunächst nach Tschetschenien vertrieben und nach ihrer Rückkehr 1957 gezwungen, zusammen mit der übrigen Bergbevölkerung Dagestans in der Ebene zu siedeln. Die heutigen Dörfer setzen sich daher aus vielen verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen, in denen sich Russisch sowie die regionale Sprache Dargwa als dominante Sprachen durchsetzen. Neben der detaillierten Dokumentation von Shiri und Sanzhi werden die Wissenschaftler unter anderem eine ethnographische Beschreibung mit einem besonderen Schwerpunkt auf Migration und soziokultureller Veränderung erarbeiten. Das Projekt wird mit 291.000 € gefördert.

Zum Abschluss der Förderinitiative “Dokumentation bedrohter Sprachen” findet im Juni 2013 eine große Abschlusskonferenz im zukünftigen Tagungszentrum Schloss Herrenhausen statt: “Language Documentation: Past – Present – Future”. (11/04/12; Quelle: VolkswagenStiftung)

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