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Ein feiner Zug
Probleme mit ICE-Achsen, das Milliardenprojekt Stuttgart 21, oder ewige Diskussionen um Verspätungen – die Deutsche Bahn ist normalerweise deutlich häufiger in den negativen als in den positiven Schlagzeilen. Doch das ist nur ein Gesicht des Konzerns und war am Samstag in Bad Dürrheim (Schwarzwald-Baar-Kreis) ganz weit weg.

Foto: Off-Road-Kids
Seit 1994 engagiert sich das Unternehmen für die Straßensozialarbeit der Off-Road-Kids. In Dortmund, Berlin, Köln und Hamburg hat die Stiftung Streetworkstationen eingerichtet – durch von der Bahn zur Verfügung gestellte Netzkarten für ganz Deutschland können die Sozialarbeiter die Ausreißer in vielen Fällen mit dem Zug zurück in ihre Heimat begleiten. Oder sie erhalten in einem der zwei Wohnheime in Bad Dürrheim, die ausschließlich – wie der gesamte Etat der Off-Road-Kids-Stiftung – durch Spendengelder finanziert wurden, eine neue Chance. „Dank der Bahn AG hat unsere Stiftung eine sehr stabile Basis“, sagt Stiftungsvorstand Markus Seidel, dem es gelungen war, den prominenten Besucher des Sommerfestes bis zuletzt geheim zu halten.
Da saß er nun, der Bahnchef. Zwischen Kommunalpolitikern, ehemaligen Straßenkindern und zahlreichen Sponsoren. Man merkte Grube deutlich an, dass der Termin bei den Off-Road-Kids für ihn eine willkommene Abwechslung vom ansonsten eher schwierigen Alltag war. Es sei für ihn naheliegend, dass die Bahn, deren Bahnhöfe nur zu oft als Schlafstation für Wohnsitzlose und Ausreißer gelten, ein Projekt wie die Off-Road-Kids unterstütze. „Das persönliche Schicksal vieler Kinder wird in unseren Bereichen oft sehr deutlich“, sagt Grube. Der Konzern könne diese Schicksale nicht einfach ignorieren, sondern müsse sich für die Betroffenen einsetzen. „Soziales Engagement ist für uns außerordentlich wichtig.“ Das untermauerte Grube mit dem Versprechen, die Unterstützung der Stiftung so lange fortzuführen, wie er Vorstandsvorsitzender sei. „Die Off-Road-Kids machen ihre Arbeit sehr professionell, da helfen wir gerne.“
Der Milliardenkonzern Deutsche Bahn unterstützt die Stiftung übrigens nicht nur mit übertragbaren Netzkarten. Auch das jedes Jahr stattfindende „Kids Camp“, zu dem Kinder aus Heimen in ganz Deutschland nach Bad Dürrheim kommen, finanziert das Unternehmen. Das primäre Ziel der Stiftung, den ehemaligen Straßenkindern bestmögliche Perspektiven und somit einen Job im ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen, unterstützt die Bahn nun auch mit dem Programm „Chance Plus“: Hierbei wird den durch unkonventionellen Lebensläufen geprägten Jugendlichen die Chance auf ein Praktikum oder eine Ausbildung bei der Bahn gegeben.
Vielleicht kam Grubes Begeisterung für die Off-Road-Kids auch deshalb so ehrlich rüber, weil er selbst ein „Kind des zweiten Bildungswegs“ ist, zuerst auf die Hauptschule ging und erst wesentlich später in Managerhöhen aufstieg. „Ich musste immer die Ärmel hochkrempeln“, sagt er. Daher schätze er es so, dass bei den Off-Road-Kids nicht nur nach Spenden gefragt, sondern auch Leistung von den betreuten Jugendlichen erwartet werde. (20/07/09; Quelle: Südkurier)



