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Eine Familie und zwei Firmen
Medienscheu sind beide. Allein schon deshalb ist es außergewöhnlich, wenn sich Bertram und Erck Rickmers gemeinsam der Öffentlichkeit präsentieren. Unter dem Motto "One Family - two companies" feiern die Brüder heute das 175-jährige Jubiläum der Familie Rickmers in der Schifffahrt.
1834 gründete der gebürtige Helgoländer Rickmer Clasen Rickmers die Rickmers Werft in Bremerhaven. Heute führen seine Ururenkel, die fünfte Generation, zwei voneinander unabhängige Firmengruppen unter dem Familiennamen.
Wegen Differenzen über die Führung des Familienunternehmens sei er 1982 ausgestiegen und habe sich als Makler und Reeder selbstständig gemacht, sagt der 56jährige Bertram bei der Präsentation der Familienchronik. “Heute hat die Rickmers Linie eine der größten Flotten auf dem Kontinent”, so Bertram, der bei Null anfangen musste. “Reset”, also Neustart, nennt er das. Den wolle er der sechsten Rickmers-Generation allerdings ersparen. Und das könne klappen.
Die Rickmers Werft musste 1986 Konkurs anmelden, die Rickmers Linie, ebenfalls vom Ururopa gegründet, wurde schon 1974 an Hapag-Lloyd verkauft. Im Jahr 2000 hat Bertram sie wieder zurückgekauft. 1992 gründete er mit dem fast zwölf Jahre jüngeren Erck das Emissionshaus Nordcapital. Vier Jahre später verkauft der ältere dem jüngeren Bruder seine Anteile.
“Wir sind wegen unterschiedlicher Bewertungen von unternehmerischen Fragen eigene Wege gegangen”, sagt Erck Rickmers. Bis auf eine gemeinsame Beteiligung beim Schiffsmakler “Harper Petersen” ist das noch immer so. “Interessante interfamiliäre Differenzen” hätten laut Bertram immer dazugehört. “Durch Reibung entsteht Wärme” kommentiert das sein Bruder Erck. Beide Firmengruppen beschäftigen heute zusammen rund 6000 Menschen: Ercks E.R. Capital Holding ist Alleingesellschafter von Nordcapital, der Reederei E.R. Schifffahrt und der Private Equity Gesellschaft Equitrust.
Bertram ist mit der Rickmers Linie stark im Transport von Stückgut, Schwergütern und Projektladung. Seine Rickmers Reederei hat ihren Schwerpunkt im Containerverkehr.
“Personalmaßnahmen sind derzeit nicht geplant”, so Erck Rickmers über die Auswirkungen der Krise in der Schifffahrt auf seine Unternehmensgruppe. Natürlich versuche man zu sparen und durchforste die Unternehmen nach Maßnahmen, mit denen die Effizienz gesteigert werden könne. Das gelte übrigens auch für die Gruppe seines Bruders. “Aber wir haben in den letzten Jahren gut verdient und Reserven gebildet.” Die Branche müsse sich allerdings noch anderthalb bis zwei Jahre auf ein schwieriges Marktumfeld einstellen, so die seine Prognose.
“Wir werden auch diese Krise überstehen”, sagt Bertram. Die Rickmers seien erfahrene Krisenmeisterer. Und Optimisten. “Kein guter Unternehmer wird als Pessimist geboren.” Drei Schiffe der E.R. Schifffahrt seien derzeit ohne Beschäftigung, einige Neubestellungen seien verlegt worden. Drei Schiffe hat Rickmers abbestellt.
Beide Brüder betätigen sich als Mäzene und Stifter, reden aber nicht gern darüber. “Das muss man ja nicht laut machen” sagt Bertram. Abstimmungen über die wohltätigen Aktionen gebe es nicht. “Als Unternehmer hat man eine soziale Verantwortung”, sagt Erck. Heute wollen die Brüder noch ein gemeinsames Stifterprojekt vorstellen. Was das ist, wurde im Vorfeld nicht verraten.
“Viele Unternehmer stehen heute vor Herausforderungen im eigenen Unternehmen”, so Erck Rickmers. Die Bereitschaft und die Fähigkeit, als Mäzen tätig zu sein, werde darunter leiden.
Bürgermeister Ole von Beust (CDU) gibt heute Abend einen Senatsempfang anlässlich des Firmenjubiläums. Am Vormittag beginnt im Hamburger Hotel Atlantic ein hochkarätig besetztes Symposium zu Wegen aus der globalen Wirtschaftskrise. (12/06/09; Quelle: Stephan Maaß, Die Welt)




