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Eine Stiftung in Winnenden

Hardy Schober war gerade als Finanzberater in Leipzig unterwegs, da kam die unfassbare Nachricht: Seine Tochter wurde beim Amoklauf an der Albertville-Realschule in Winnenden getötet. Heute, über drei Monate später, leitet er das "Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden", das im Herbst die kirchliche "Stiftung gegen Gewalt an Schulen" gründen will.

Seinen Beruf hat er aufgegeben. Nach dem 11. März, an dem ein 17-Jähriger neun Schüler, drei Lehrerinnen, drei weitere Menschen und schließlich sich selbst tötete, konnte das Leben nicht einfach so weitergehen.

Mit ernsten Augen hinter der Brille erzählt Schober: “Ich hatte das Gefühl, meine getötete Tochter sagt im Inneren zu mir: Papa, mach was! Verändere die Gesellschaft, damit es kein zweites Winnenden gibt, damit so ein Amoklauf nicht wieder passiert.” Seitdem kämpft er gemeinsam mit anderen Eltern, die ihr Kind verloren haben. Sie sammeln Unterschriften für ein generelles Verbot großkalibriger Waffen für Privatpersonen, fahren zum Bundestag nach Berlin und treffen sich mit dem Innenministerium in Stuttgart. Kurzfristige Ziele sind die Veränderung des Waffengesetzes, das Verbot von so genannten Killerspielen und die Sicherheit von Schulen. “Hätten zum Beispiel die Türen der Albertville-Realschule von außen keinen Griff, sondern einen Knauf gehabt, so dass kein Fremder von außen rein kann, dann wären einige Schüler jetzt noch am Leben”, ist Schober überzeugt.

Auch Gisela Mayer hat eine Tochter verloren und engagiert sich jetzt im Aktionsbündnis. “Wir sprechen im Moment viel über Waffen”, sagt sie, “und zwar deshalb, weil es eine ganz praktische, völlig rationale Entscheidung ist, dem möglichen Täter die Waffe nicht zukommen zu lassen! Das ist sozusagen eine Art Notfallmaßnahme.” Denn die längerfristigen Ziele der Stiftung brauchen mehr Zeit. “Wir wollen, dass es keine Menschen mehr geben muss, die mit ihrem Leben so sehr nicht mehr zurechtkommen, dass sie einfach gnadenlos andere töten.”

Die Winnender Eltern wünschen sich gesellschaftliche Veränderung hin zum Menschlichen, so Mayer. Wie die Stiftung diese Ziele konkret erreichen kann, wird zurzeit überlegt und organisiert. Es sind verschiedene Projekte denkbar: Seminare, Fortbildungen für Lehrer, Kurse für Schüler sowie Unterstützung durch Schulpsychologen und Seelsorger.

Bei der Trauerfeier saß Hardy Schober neben dem württembergischen evangelischen Landesbischof Frank Otfried July. Dieser habe ihm versprochen, die Eltern zu unterstützen. Dies geschieht nun dadurch, dass die Stiftung unter dem Dach der Kirche gegründet wird. Der Stiftungsbeauftragte der evangelischen Landeskirche, Helmut Liebs, hilft dabei.

Im August werden Broschüren verteilt, um die Stiftung bekanntzumachen. Durch Spender soll das Kapital zusammenkommen, aus dessen Zinsertrag die Projekte finanziert werden sollen. Am 18. November, am Buß- und Bettag, ist die Gründungsfeier. “Das haben wir bewusst so gewählt”, sagt Schober, “wir wollen dann für unsere getöteten Kinder beten.” (27/06/09; Quelle: Badische Zeitung)

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