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Eine Stiftung will den Rock'n'Roll retten

Junge Musikbands gibt es wie Sand am Meer. Doch nur die wenigsten schaffen den Sprung vom muffigen Proberaum auf die große Bühne. Oft mangelt es nicht an Talent – sondern an Geld. Instrumente müssen bezahlt werden, Produktion und Herstellung einer CD kann beachtliche Summen verschlingen. Geld, das Plattenfirmen immer weniger bereit sind zu zahlen. Nachwuchsbands sind die unbekannten Opfer der Musikbranchen-Krise. Jetzt will eine neue Stiftung jungen Musikern vor allem aus der Rock- und Metal-Szene ein Sprungbrett bieten: Die Wacken-Foundation gibt Musikern und Gruppen finanzielle Hilfe. Sie ist die erste ihrer Art.

Allein der Name „Wacken“ ist ein Indikator für das bevorzugte Musik-Genre der Stiftung: Sie ist von den Machern des Wacken Open Air aus der Taufe gehoben worden – dem weltweit größten Metal-Festival, das im hohen Norden in der Nähe von Itzehoe gefeiert wird. Rechtzeitig zum Jubiläum des 20-jährigen Bestehens (30. Juli bis 1. August) hat die gemeinnützige Stiftung ihre Arbeit aufgenommen und will bereits zum 15. Juli über die ersten Fördergelder entscheiden.

Dabei geht es nicht um eine neue Casting-Variante und es soll auch keine neue Super-Metalband gefunden werden. „Wir wollen die Musiker unterstützen, die sich für den langen, schwierigen Weg entschieden haben“, sagt Thomas Jensen, Mitbegründer des „Wacken Open Air“ und Initiator der Stiftung. Einen steinigen Weg, der vollends auf Musik und Instrumenten-Beherrschung aufbaut und eben nicht auf mediale Kurzzeit-Präsenz à la DSDS. Deshalb gibt es von der Stiftung keinen Plattenvertrag, sondern finanzielle Hilfen für die Anschaffung von Instrumenten oder für die Umsetzung einer Tournee. Gerade letzterer Punkt ist wichtig: „Eine Band wird sich nur dann dauerhaft auf dem Markt durchsetzen können, wenn ihre Musik nicht nur im Studio gut klingt, sondern auch auf der Bühne“, sagt Jensen. Ein Kriterium, das maßgeblich über eine Förderung entscheidet.

Als Startkapital haben die Festival-Macher eine sechsstellige Summe in die Stiftung eingezahlt. „Wir sind durch diese Szene groß geworden, und wir wollen mit der Stiftung etwas an diese Szene zurückgeben“, sagt Jensen. Das passiert zwar uneigennützig und ohne kommerziellen Hintergrund – trotzdem ganz im Interesse der Festival-Organisatoren. „Denn wir brauchen den Nachwuchs“, betont Thomas Jensen. Im Rock- und Metal-Bereich habe es schon seit Jahren keine Band mehr gegeben, die über die Genre-Grenzen hinweg herausragende Erfolge feiern konnte. Die Szene wird dominiert von einigen älteren und etablierten Gruppen, die teilweise seit Jahrzehnten auf der Bühne stehen. Ein Beispiel: Motörhead, mit dem charismatischen Sänger Lemmy Kilmister. Er ist mittlerweile 64 Jahre alt und gehört zu eben jener überschaubaren Rock’n’Roll-Spitze. Er nimmt immer noch Platten auf und gibt noch gerne Konzerte, fragt aber: „Wann kommt endlich etwas Neues?“ Eine Frage, die auch Thomas Jensen und die anderen Festival-Macher beschäftigt. „Wenn wir wollen, dass diese Szene nicht nur überlebt, sondern auch wächst, müssen wir etwas tun.“ Eine Notwendigkeit, die auch Deutschlands Vorzeige-Rockröhre Doro Pesch (49) sieht. Sie hat einen Sitz im Kuratorium der Wacken-Stiftung übernommen und entscheidet dort zusammen mit anderen Musikern und Produzenten über Fördergelder für junge Bands.

Die Stiftung hat ihre Arbeit bereits aufgenommen, richtig Fahrt aufnehmen soll sie am ersten August-Wochenende während des Wacken Open Air. Dann wird das Projekt in der breiten Öffentlichkeit beworben „und wir werden auch um Spenden bitten“, sagt Jensen. Eine Spende, mit der Fans ihren Teil für die Musiker-Förderung beisteuern und sich gleichzeitig verewigen können: Fans können Steine mit individueller Gravur kaufen, die dann Teil einer großen Mauer werden. Eine „Wacken-Wall“ soll auf dem Festival-Gelände errichtet werden und mit der Zeit wachsen. Die Idee stammt übrigens aus England – dort wird mit derartigen Mauern die Jugendarbeit von Fußballvereinen finanziert. Geplant sind zudem T-Shirts mit dem Aufdruck „Rock’n’Roll-Retter“. Auch diese Einnahmen kommen der Stiftung zu Gute. (14/07/09; Quelle: Der Westen)

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