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Else Kröner-Fresenius-Stiftung: Gezielte Entwicklungshilfe verbessert Müttergesundheit in Laos
Die hohe Müttersterblichkeit in Entwicklungsländern zählt zu den wichtigsten Heraus-forderungen der Armutsbekämpfung. Das medizinisch-humanitäre Projekt der Else Kröner-Fresenius-Stiftung setzt mit der Universitäts-Frauenklinik Freiburg auf eine weltweit einzigartige Ausbildungskooperation. Der wirksame Mitteleinsatz vor Ort erzielt in Laos nachhaltige Erfolge. Die Ausbildung von Fachärzten mit späterer Schu-lungs- und Leitungsfunktion verbessert die medizinische Versorgung im gesamten Land.
Laos gehört mit etwa 6,8 Mio. Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt von rund 840 US-$ je Einwohner zu der Gruppe der „least developed countries“. Mit Kambodscha ist es das ärmste Land Asiens. In Laos ist die Müttersterblichkeit in den vergangenen sieben Jahren auf offiziell ca. 480 je 100.000 Lebendgeburten pro Jahr gesunken. 2003 lag die Rate noch bei 600 bis 800 Todesfällen. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die mütterliche Sterblichkeit 4 bis 6 je 100.000 Lebendgeburten pro Jahr.
Durch die weltweit begrenzten Mittel zur Armutsbekämpfung in den Entwicklungsländern ist ihr effizienter Einsatz für mehr Eigenständigkeit und strukturbildende Maßnahmen in den Empfängerländern entscheidend. Die von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung geförderte universitäre Ausbildungskooperation zur Verbesserung der Frauenheilkunde und Geburtshil-fe in Laos hat sich als ein erfolgreicher und nachhaltiger Ansatz für eine medizinisch-humanitäre Förderung erwiesen.
Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung hat in Laos die umfassende Ausbildung von Frauenärz-ten, Hebammen und Allgemeinärzten in Zusammenarbeit mit der Universitäts-Frauenklinik Freiburg gefördert und konzeptionell unterstützt. „Seit Projektbeginn 2007 ist nicht nur die Müttersterblichkeit und Kindersterblichkeit in Laos weiter zurückgegangen“, sagt Dr. Carolin Kröner, Beauftragte für humanitäre Projekte bei der Stiftung. „Auch wird der universitäre Ausbildungsansatz von dem laotischen Gesundheitsministerium als eine der Hauptsäulen im Kampf gegen die mütterliche und kindliche Sterblichkeit gesehen.“
Durch die Facharztausbildung konnte die Qualität der medizinischen Betreuung in den länd-lichen Gebieten deutlich erhöht werden, wo der überwiegende Bevölkerungsteil lebt. Auch gynäkologische Krankheiten werden nun verstärkt diagnostiziert, die vorher weder erkannt, noch behandelt wurden.
Ganzheitlicher, nachhaltiger Projektansatz
Zentrale Elemente der Ausbildungskooperation sind die Einrichtung zweier Postgraduierten-Trainingszentren in den Krankenhäusern in Vientiane und Luang Prabang sowie die dauer-hafte Anhebung des Qualitätsniveaus der Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Projektleiter Prof. Dr. Michael Runge, Leiter des Collaborating Centers for Postgraduate Training and Research in Reproductive Health an der Universitäts-Frauenklinik Freiburg: „Die Besonder-heit ist der lokale, partnerschaftliche Ansatz mit der problembezogenen und auf das Land zugeschnittenen Ausbildung für Hochschullehrer, Frauenfachärzte, Hebammen und Allge-meinärzte mit Geburtshilfe-Diplom.“ Sie geben ihr Wissen an Kollegen, Auszubildende und Studenten weiter, wodurch sich medizinische Kompetenz im Land kontinuierlich verbreitet.
Insbesondere die Fachärzte übernehmen später meist Leitungs- und Schulungsfunktionen in regionalen Krankenhäusern. „Dieses Train-the-Trainer-Prinzip erhöht die Wirksamkeit der eingesetzten Fördermittel dauerhaft, weil das Wissen kontinuierlich weitergegeben wird. Das ermöglicht eine eigenständige Entwicklung“, sagt Dr. Carolin Kröner.
„Bisher haben wir u. a. 33 Fachärzte und fünf Hochschullehrer in Laos ausgebildet, die so-wohl in der Hauptstadt Vientiane als auch auf dem Land arbeiten“, erläutert Prof. Dr. Runge. „Allein in den Kliniken der Hauptstadt profitieren mehrere Hundert behandelte Frauen pro Tag vom Know-how der von uns ausgebildeten Ärzte, und das sieben Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr.“ Aber auch außerhalb der Hauptstadt, wo 80 % der Bewohner leben, be-handeln seit dem Projektbeginn erstmals Frauenärzte in den Provinzkrankenhäusern jedes Jahr Tausende von Frauen.
Vor Programmbeginn gab es in Laos 14 Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe. „Heute arbeiten in den Gesundheitseinrichtungen mehr auf europäischem Niveau ausgebildete Fachkräfte denn je“, sagt Prof. Dr. Runge. Jährlich kommen neue Fachärzte hinzu, die nach ihrer Ausbildung meist leitende Funktionen in den Krankenhäusern auf dem Land überneh-men. Die Trainingszentren verfügen über moderne technische Ausrüstung wie gynäkologi-sche Untersuchungseinheiten, Ultraschallgeräte, Entbindungsbetten, Wiederbelebungseinheiten für Neugeborene sowie Inkubatoren.
Einzigartige Einbindung von Lehrmaterialien „Eine weitere Besonderheit und Grundlage des erfolgreichen Entwicklungsprojekts ist die Entwicklung hervorragender Lehrmaterialien“, betont Dr. Carolin Kröner. Basis sind die von der Universitäts-Frauenklinik Freiburg und dem Freiburger Collaborating Center for Postgra-duate Training unter der Leitung von Prof. Dr. Runge entwickelten 18 Unterrichtsmodulbü-cher. Des Weiteren wurden für die zukünftigen Hochschullehrer und Fachärzte 24 CD-Roms mit 9.500 PowerPoint-Folien und 14 Video-DVDs zu gynäkologischen Operationen für die Ausbildung zum Facharzt für Geburtshilfe und Gynäkologie entwickelt. „Um die Umsetzung der theoretischen Inhalte im klinischen Alltag für den Unterricht an den laotischen Fakultäten zu erleichtern, wurde das Lehrmaterial zudem komplett ins Laotische und Vietnamesische übersetzt“, erläutert Prof. Dr. Runge. Die Lehrmaterialien stellen aber auch für die Ausbil-dung in Europa einen Fortschritt dar, was die „European Union of Medical Specialists“ und das „European Board and College of Obstetrics and Gynecology“ dazu bewogen hat, die Lehrmaterialien auch für eine Facharztausbildung in Europa zu akkreditieren.
Mit der erfolgreichen Projektentwicklung entstanden zudem internationale Universitäts-Kooperationen, die weitere wichtige Beiträge zur Verbesserung des medizinischen Versor-gungsniveaus in Laos leisten, wie mit der Universität Düsseldorf (Neugeborenen-Screening), der US-amerikanischen NGO Health Frontiers (Weiterbildungsveranstaltungen), der Univer-sität Basel (HIV-Prävention) und mit dem Karolinska Krankenhaus Stockholm (Krebsfrüher-kennung). (09/06/10; Quelle: Else Kröner-Fresenius-Stiftung)



