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"Experimenta" in Heilbronn öffnet am Samstag ihre Pforten

Während in Heilbronn der Rotstift kaum einen Posten im Etat verschont, wird ein 30 Mio. € teures Prestigeprojekt eröffnet. Dieser Widerspruch lässt sich nur erklären, weil großzügige Gönner tief in die Tasche gegriffen haben. Die Stadt kann sich mit 7 Mio. € bescheiden, das Land steuert 3 Mio. bei, Sponsoren trugen 3,5 Mio. zusammen, den großen Rest übernimmt die Stiftung von Dieter Schwarz, hinter dem auch die Discounterkette Lidl steht.

Die Stiftung trägt die Betriebskosten von jährlich etwa 4 Mio. €. Deshalb ist das i der “Experimenta” dem Logo des Filialisten entlehnt. Was in 18 Monaten auf 7.500 Quadratmetern entstanden ist und am 14. November öffnet, wird allenthalben als großer Wurf gefeiert. Ein Wissenschaftsmagazin bejubelt gar “das Wunder von Heilbronn”. Der “Hagenbucher”, ein seit langem ungenutztes Lagerhaus für Ölsaaten auf einer Neckarinsel zwischen Bahnhof und Marktplatz, ist in eine Lern- und Erlebniswelt mit 150 Stationen verwandelt worden. So viele interaktive Versuche und Vielfalt an Angeboten gebe es nirgendwo sonst in Deutschland, sagte Geschäftsführer Wolfgang Hansch.

Auf Kostendeckung muss der Chef von 25 festen Mitarbeiter und bis zu 80 Aushilfen nicht achten. Auch die Eintrittspreise – 5 € für Kinder ab sechs Jahren, 9 € für Erwachsene, Schulklassen pro Person 4 €, Familienkarte 25 € – sind dank des Stifters relativ niedrig. “In Heilbronn können die Besucher Naturwissenschaft und Technik für wenig Geld erleben”, sagt Hansch, der jährlich rund 100.000 Besucher erwartet. Einzugsgebiet sei nicht allein die Region Heilbronn-Franken, “wir wollen auch in den Stuttgarter Raum und in Richtung Mannheim/Heidelberg”.

Die ersten Probeläufe hat die “Experimenta” bestanden. “Am beliebtesten sind Experimente, bei denen man etwas mitnehmen kann”, stellte der pädagogische Leiter Thomas Wendt fest. Ein solches Mitbringsel und Zeugnis eigenen Tüftelns ist ein Solarauto. Das Interesse an der “Experimenta” sei sehr groß: “Wir haben schon sehr viele Reservierungen.” Für die neue Dimension der Wissensvermittlung sollten fünf Stunden eingeplant werden.

Auf mehreren Etagen können die Amateurforscher ihr Wissen vertiefen über Energie und Umwelt, Technik und Innovation, Mensch und Kommunikation. “Entdecken, erleben, erkennen”, lautet die Aufforderung an die Nobelpreisträger der Zukunft. Zielgruppen für die Arbeit in den Laboren sind Kindergartenknirpse ebenso wie Abiturienten und Auszubildende. Alle finden eine Ausstattung vor, die sich Schulen aus Kosten- oder Sicherheitsgründen kaum leisten können.

Überall werden Zupacken und Grips verlangt. “Bei uns darf man einen Motor auch auseinanderschrauben”, betonte Ausstellungsleiter Christian Sichau. Alle Aufgaben sind auch englisch beschrieben. “Wir wollen international sein”, erklärte Wolfgang Hansch, “Englisch ist eben die Weltsprache der Naturwissenschaft”.

An 25 Stationen lassen sich individuelle Fertigkeiten wie logisches Denken, Sprachvermögen oder Teamfähigkeit erproben. Die Leistungen werden nach einer Methode des Ulmer Hirnspezialisten Manfred Spitzer ausgewertet. Wer zu den besten 20 % gehört, kann sich eine Urkunde ausdrucken.

In fünf Talentschmieden können die ersten Weichen für die Berufswahl gestellt werden. Auch Visionen sind erwünscht, wenn etwa nach der “Wunschmaschine” gefragt wird. Sonderausstellungen ergänzen das Angebot.

Mit Mausfallen und Kugeln wird das Prinzip der Kernspaltung erklärt. Durch Versuch und Irrtum kann die optimale Nutzung von Solaranlagen ohne hinderliche Beschattung durch Bäume erforscht werden. Eher belustigend ist der Abstecher in die “Tanzbox”, wo zum Tango aufgefordert wird.

“Das ist der Leuchtturm, der Heilbronn gefehlt hat – etwas Einmaliges”, sagte Stadtsprecher Christian Britzke. (12/11/09; Quelle: swr/dpa/Experimenta)

www.experimenta.de

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