topad


Akteure & Konzepte

Projekte & Programme

Familiengartenhaus - Bauherrin verwirklichte ihre Vision

In der Neusser Straße 418 in Köln, einst Sitz des Hasspredigers Metin Kaplan, hat die Steuerberaterin Gisela Edel ihr "Gartenfamilienhaus" gebaut. Hier leben Jung und Alt, körperlich Behinderte mit Nichtbehinderten zusammen. Vor rund vier Jahren gründete Edel ihre Stiftung, die das Objekt betreut.

Generationsübergreifende Wohnprojekte werden durch die Familiengartenhaus-Stiftung realisiert. (Bild: Privat)

Kinderspielsachen liegen herum, Autolärm dringt nur gedämpft hier in den Innenhof des Hauses Nummer 418 in der belebten Neusser Straße in Köln-Nippes. Ein Abenteuerspielplatz mitten in der Stadt – ein grüner Rückzugsort für Kinder, aber auch Erwachsene. Das moderne Mietshaus steht auf dem ehemaligen Grundstück des „Kalifen von Köln“, Metin Kaplan. Das alte Gebäude ist vor wenigen Jahren abgebrochen worden. Nun haben Großfamilien und Alleinstehende, Alte und Junge, Menschen mit und ohne Behinderung, insgesamt rund 40 Menschen, hier ein neues zu Hause gefunden.

Am Ende des Gartens grenzt eine Mauer weitere neu wirkende Mehrfamilienhäuser ab, die sich um eine Außenanlage gruppieren. Das „Familiengartenhaus“ war das erste Projekt der gleichnamigen Stiftung von Gisela Edel. Vor rund vier Jahren erwarb die resolute Kölnerin, Tochter des Kamelle-Fabrikanten Richard Edel, den verwahrlost wirkenden Grund und die Gebäude im Herzen von Nippes vom Bundesvermögensamt. Dort hatte Metin Kaplan seine Hasspredigten gehalten. Heute spielen Kinder in dem großzügig gestalteten Garten. „Hier hat sich meine Vision verwirklicht“, sagt die stolze Bauherrin. Ein friedliches Miteinander Leben, generationenübergreifendes Wohnen in ökologisch errichteten Gebäuden.

Für diese Ziele gründete die Steuerberaterin im November 2005 die „Familiengartenhaus Stiftung“ mit einem Stiftungsvolumen von 70 000 Euro. Von den Zinsen, die dieser Betrag abwirft, wird die laufende Arbeit finanziert.

Konzentrierte die Stiftung sich in den ersten Jahren auf die Förderung des sozialen Zusammenlebens in dem Projekt am Niehler Kirchweg, so steht heute die Förderung des gemeinsamen Wohnens an der Neusser Straße im Mittelpunkt, das Projekt wird „Gartenfamilienhaus“ genannt. Dort wohnen „weniger privilegierte Familien. Sie zu fördern, ist enorm viel schwerer als die Akademiker-Familien in den Eigentumswohnungen am Niehler Kirchweg“, sagt Stiftungsvorstand Monika Schneider.

Nach dem Abbruch des alten Hauses wurden die ehemaligen Mieter ausquartiert, es gab jedoch die Möglichkeit, in den Neubau zurückzukehren. Neue Mieter brauchen einen Wohnberechtigungsschein, das Wohnen wird sozial gefördert. Da das Haus komplett barrierefrei ist, gab es eine hohe Nachfrage von Menschen mit Behinderung, sagt Schneider.

„Die Mieter müssen gemeinschaftliches Wohnen erst lernen. Das muss sich langsam entwickeln.“ Am Niehler Kirchweg waren die Käufer von Anfang an beteiligt, und kannten sich daher beim Einzug schon über einen längeren Zeitraum. Aber auch in der Neusser Straße will die Stiftung die Idee verwirklichen, Menschen zu integrieren und demokratisches Verständnis ohne erhobenen Zeigefinger zu lehren. Die Familien werden bei der Kinderbetreuung unterstützt. Eine Studentin der Sozialpädagogik und eine ausgebildete Sozialpädagogin, die zugleich im Haus wohnen, kümmern sich regelmäßig um die Kinder, basteln mit ihnen im Gemeinschaftsraum. Der Nachwuchs bekommt auch Deutschunterricht oder Nachhilfe, um einige Beispiele zu nennen. Die Aufwandsentschädigung wird von der Stiftung getragen. Die Kleinen haben zusammen den Zoo besucht, auch ein Kindertheaterstück wurde einstudiert.

„Eigentlich wollte ich nach dem ersten Vorhaben zwei Jahre vergehen lassen“, sagt Gisela Edel. Denn das Familiengartenhaus habe auch viel Kraft gekostet. „Aber dann habe ich mich hinreißen lassen. Das Projekt musste Stück für Stück entwickelt werden.“ Heute ist auch ihre zweite Vision Wirklichkeit geworden. Künftig will die Stiftung sich auch außerhalb von Nippes in generationsübergreifenden Bau-Projekten engagieren. (22/07/09; Quelle:

Zur Übersicht "Akteure & Konzepte // Projekte & Programme"