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Hertie-Studie FrankfurtRheinMain
Erste regionale Bevölkerungsstudie liefert repräsentative Daten zu Lebenslage und Lebensqualität in der Region
Die Bewohner Frankfurts und des Rhein-Main-Gebiets identifizieren sich in hohem Maße mit ihrer Region. Mehr als 70 % fühlen sich als Rhein-Main-Bewohner, 80 % sind mit ihren Lebensumständen zufrieden und sogar fast 90 % leben gerne in der Region. Sie wird als verkehrsbelastet und teuer kritisiert, zugleich aber als zentrale, aufstrebende und schöne Kulturregion gelobt. Besonders beliebt: Die Vielfalt auf vergleichsweise überschaubarem Raum. Trotz der Heterogenität erleben die Menschen Frankfurt-Rhein-Main daher als zusammenhängende Einheit.
Dies sind die zentralen Ergebnisse der Hertie-Studie FrankfurtRheinMain, die die Bevölkerung der drittgrößten Metropolregion Deutschlands nach ihrer Lebenslage und ihrem Lebensgefühl, nach ihrer Zufriedenheit und ihrer Identifikation mit der Region befragt hat. Sie steht unter der wissenschaftlichen Leitung der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann und Helmut Anheier von der Hertie School of Governance in Berlin und Andreas Klocke vom Forschungszentrum Demografischer Wandel der Fachhochschule Frankfurt.
TNS Infratest Sozialforschung hat die Daten der repräsentativen Bevölkerungsbefragung unter 3.000 Bewohnern Frankfurts und der Region ab 14 Jahren erhoben und ausgewertet. Ergänzend porträtierte das Institut für sozial-ökologische Forschung das Leben und die Ansichten von zehn „typischen“ Einwohnern Frankfurts und der Region. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung hat die Studie auf Initiative des FrankfurtRheinMain – Verein zur Förderung der Standortentwicklung e.V. und in Kooperation mit der Stadt Frankfurt herausgegeben.
„Die Studie zeigt einmal mehr, dass Zusammenhalt und Identität einer Region durch das Lebensgefühl der Menschen begründet werden. Aufgabe der Politik ist es, die Voraussetzungen für ein harmonisches und chancenreiches Zusammenleben in den Kernstädten und des sie umgebenden Umlandes zu schaffen, um dieses Gefühl zu begründen und zu festigen“, so die Feststellung der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth zu den Ergebnissen der Studie.
„Die Hertie-Studie FrankfurtRheinMain zeigt: Die Region ist eine Realität. Die Bevölkerung identifiziert sich mit ihrer Heimat, die sie als dynamisch und weltoffen empfindet. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Zusammenarbeit in der Region weiter verbessert werden muss, um Wettbewerbsfähigkeit und Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhalten,“ so Prof. Dr. Wilhelm Bender, Präsident des FrankfurtRheinMain – Verein zur Förderung der Standortentwicklung e.V.
Die wichtigsten Ergebnisse der Hertie-Studie FrankfurtRheinMain im Überblick:
Über 70 % der Einwohner identifizieren sich mit Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet. Die Bewohner Frankfurts sehen sich stärker als Rhein-Main-Bewohner denn als Frankfurter. Umgekehrt schätzen die meisten Bewohner der umgebenden Städte und Gemeinden die „Global City“ mit ihrem internationalen Flughafen und fühlen sich ebenso wie die Frankfurter als Europäer oder sogar Weltbürger. Über 80 % der Befragten halten Frankfurt für den kulturellen und wirtschaftlichen Impulsgeber der Region.
„Die Vorstellung, regionale Identität könne nur auf Basis von Gemeinschaftlichkeit und Einheitlichkeit entstehen, trifft nicht zu“, sagt Konrad Götz, der für das Institut für sozial-ökologische Forschung die Einzelinterviews der Studie geleitet hat. „Die Region Frankfurt-RheinMain ermöglicht es in ihrer einzigartigen Vielfalt von Lebensstilen und schroffen Gegensätzen ganz unterschiedlichen Menschen, Heimatgefühle zu entwickeln und sich zu identifizieren.“
Die Menschen fühlen sich wohl in FrankfurtRheinMain: Rund 90 % leben sehr gern oder gern hier. Mehr als 80 % würden Freunden oder guten Bekannten FrankfurtRheinMain als Lebensort weiterempfehlen – wobei die Zustimmung in der engeren Rhein-Main-Region mit 84 % am höchsten ist. Überall in der Rhein-Main-Region ist die Zufriedenheit mit den eigenen Lebensumständen hoch – 80 % der Befragten vergeben auf einer Skala von fünf Punkten vier oder fünf Punkte.
An der Spitze der Probleme, die die Bewohner in ihrer Region ausmachen, stehen die steigenden Preise. Sie sind für 57 % ein großes oder sehr großes Problem, gefolgt von hoher Verkehrsbelastung (55 %). Umweltverschmutzung, Kriminalität und Gewalt sowie zunehmende Armut rangieren mit rund 50 % auf den nächsten Plätzen. Der Anteil derjenigen, die Ausgrenzung und Intoleranz und die hohe Zahl an Menschen mit Migrationshintergrund als sehr großes oder großes Problem betrachten, liegt hingegen deutlich niedriger bei 28 %.
„Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass die Integration von Einwanderern von den Bewohnern Frankfurts und der gesamten Rhein-Main-Region als gut gelungen empfunden wird“, so Klaus Hurrelmann. „Erleichternd wirkt dabei das Wirtschaftswachstum der Region, das von den Bewohnern mit großer Genugtuung zur Kenntnis genommen wird“. In Frankfurt zeigt sich die hohe Integrationskraft auch im Stadtbild: Im Gegensatz beispielsweise zu Berlin weisen in Frankfurt die einzelnen Stadtviertel eine deutlich höhere Diversität und Kulturvielfalt mit geringer ethnischer Segregation auf.
Zur Verkehrsbelastung, die in der engeren Rhein-Main-Region besonders stark empfunden wird, tragen neben der zentralen Lage Frankfurts mit seinem Flughafen und Bahnknotenpunkt vor allem die Pendlerströme bei, die bei weitem nicht nur in Richtung Frankfurt verlaufen: Während 29 % der Erwerbstätigen mit Wohnsitz in der engeren Rhein-Main-Region zum Arbeiten nach Frankfurt fahren, fährt rund ein Fünftel der Frankfurter Erwerbstätigen täglich in die umliegende Region.
Wohnortwechsel finden innerhalb der Region in beide Richtungen statt: 21 % derjenigen, die in den letzten zehn Jahren nach Frankfurt gezogen sind, wohnten zuvor in der engeren Rhein-Main-Region. Umgekehrt machten Frankfurter im gleichen Zeitraum 18 % der neuen Einwohner in der engeren Rhein-Main-Region aus.
85 % der Frankfurter sind stolz auf ihre Stadt, die sie in allererster Linie als international und weltoffen, aber auch als aufstrebend und hektisch empfinden. Das Zusammenleben verschiedener Bevölkerungsgruppen erleben die Frankfurter als entspannt und unkompliziert. Einen besonders starken Bezug haben sie zu ihrem Stadtviertel – hier finden insbesondere Zugezogene einen ersten lokalen Ankerpunkt. Die entscheidenden Faktoren für das Wohlbefinden der Frankfurter sind Gemütlichkeit und Lebensfreude.
„Die Lebensqualität der Stadt erschließt sich nicht unbedingt auf den ersten Blick“, so Dr. Michael Endres, Vorstandsvorsitzender der Hertie-Stiftung. „Unsere Studie zeigt, dass es eine Weile braucht, bis man die Vorzüge Frankfurts zu schätzen weiß, aber: je länger die Menschen hier leben, desto lieber bleiben sie.“ Von denjenigen, die erst vor weniger als drei Jahren nach Frankfurt gezogen sind, sagen nur 29 %, dass sie sehr gerne hier leben (53 % gerne). Dieser Wert steigt bei einer Wohndauer von über zehn Jahren auf 46 % (44 % gerne) und erreicht bei den hier Geborenen mit 64 % (27 % gerne) den Höchstwert. „Dieses Bild stellt sich in der deutschen Hauptstadt genau umgekehrt dar“, so Klaus Hurrelmann, der im Auftrag der Hertie-Stiftung bereits die Hertie-Berlin-Studie 2009 leitete.
Auch die Einwohner Berlins leben zu rund 90 % gern oder sehr gern in ihrer Stadt. Dennoch würden nur 70 % der Berliner ihre Stadt als Wohnort weiterempfehlen – rund zehn % weniger als in FrankfurtRheinMain. Woran liegt das? Die Berliner wissen um die schwierige ökonomische Lage ihrer Stadt und eines Großteils der Bewohner – im Kern hat die Hertie-Berlin-Studie den Ausspruch des Regierenden Bürgermeisters, die Stadt sei „arm, aber sexy“, bestätigt. Entsprechend ziehen nur 42 % der Neuankömmlinge wegen eines Arbeitsplatzes nach Berlin, in FrankfurtRheinMain sind es 66 %.
Immerhin geben 30 % der Neu-Frankfurter an, wegen des „Lebens in Frankfurt“ in die Mainmetropole gezogen zu sein – in Berlin, der „Event- und Partymetropole“, sind dies nur 21 %. Frankfurt hat also deutlich mehr zu bieten als Arbeitsplätze. Ebenso wie in der Hauptstadt werden die Problemlagen allerdings auch hier realistisch eingeschätzt: „Es scheinen gerade die Zentralität und die Weltoffenheit zu sein, die Frankfurtern so sehr zusagen, dass sie dafür Verkehrsbelastung und Hektik ebenso wie hohes Preisniveau und Kriminalität in Kauf nehmen. Sie wissen, dass eine städtische Ballungszone mit internationaler Bevölkerung solche Widrigkeiten aushalten muss“, so Klaus Hurrelmann. „Als Ausgleich zur großen Dynamik und Modernität ihrer Region brauchen die Einwohner jedoch überschaubare Räume, wo sie sich zugehörig fühlen und die sie als gemütlich empfinden.“ (29/09/10; Quelle: Hertie-Stiftung)



