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Katja-Ebstein-Stiftung organisiert Feriencamp
Zwar ist es nicht die spanische Rivera und auch nicht Rom, sondern Anna-Hütte in der Lausitzer Gemeinde Schipkau. Aber es ist dennoch ein Traum. Denn der 14-jährige Brandenburger Raik Gretsch war noch nie im Urlaub. Potsdam und Berlin kennt er. Der Rest der Welt für den Jungen aus Hohenstücken ein Buch mit sieben Siegeln . Am schlimmsten ist es zu Schulbeginn. Die Schulkameraden erzählen von ihren Abenteuern im Urlaub, die Lehrerin ist neugierig. Raik möchte dann nichts erzählen.
Was auch? Die Eltern sind arbeitslos und leben getrennt, der große Bruder sitzt im Gefängnis, der andere kommt gerade heraus. Geld ist knapp. Der Plattenbau ist Raiks Heimat, auch in den Ferien.
„Er muss einfach mal raus hier“, erklärt Streetworker Norbert Witte im Gespräch mit der Märkischen Allgemeinen. Der Sozialarbeiter aus Brandenburg wählte elf Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien aus. Zwei Wochen Erlebniscamp im Zeltlager „Ökotanien“ stehen an. Das Lager liegt inmitten grüner Schipkau-Wiesen, ist ausgestattet mit einer Skateanlage, einem überdimensionalen Schachbrett, einem Volleyballfeld und allerlei anderem schicken Schnickschnack. Träger der Einrichtung ist der Verein „Aktion Umwelt für Kinder“. Der Spaß hat seinen Preis. Etwa 600 € kosten zwei Wochen mit natürlichem Vergnügen. In einer Harz IV-Familie findet sich dieses Geld nicht mal eben in der Haushaltskasse.
Trotzdem sollen die elf Kinder- und Jugendlichen ihre Sommerferien genießen und dem Stadtmief entkommen, findet Fred Kagels, Mitglied des Lions Clubs. Er und die anderen 34 Löwen des gemeinnützigen Vereins unterstützten in diesem Jahr die „Katja-Ebstein-Stiftung“, die das Lausitzer Feriencamp organisiert. Nicht nur Brandenburger, sondern auch 15 polnische Jugendliche sind eingeladen, dort den Sommer zu verbringen. Das Zeltlager sei eine gute Möglichkeit weg von Hohenstücken eine neue Welt kennen zu lernen, erklärt Fred Kagels die Entscheidung zur finanziellen Unterstützung der Stiftung.
Mehr als 7.000 € aus diversen Benefizveranstaltungen flossen in die Bespaßung der jungen Havelstädter. „Rumgammeln“ ist nicht, die Jugendlichen sollen schließlich auch etwas lernen.
Sechs Betreuer und Pädagogen kümmern sich im Camp nicht nur um die Belustigung, sondern auch um die Probleme der jungen Besucher. Regeln müssen eingehalten werden. Wer die Nachtruhe ignoriert, nicht respektvoll mit dem Essen umgeht oder andere beleidigt, der bekommt zuerst die gelbe, dann die rote Karte unter die Nase gehalten. Da kennt Maria Müller kein Pardon. Die Pädagogin weiß mit der Rasselbande umzugehen: „Manchmal lasse ich einen Konflikt auch eskalieren um ihn dann gemeinschaftlich mit der Gruppe zu lösen.“ „Partnerschaftliche Gruppendemokratie mit autoritären Einheiten“, nennt sie das. Scheint zu funktionieren. Friedlich tollen die Rabauken auf der Wiese umher, spielen Fußball, Volleyball oder Karten und sehnen das Mittagessen herbei. Nudeln mit Tomatensoße soll es geben. Raik findet das Zeltlager klasse: „Zuhause sitz ich nur rum oder fahre Fahrrad. Hier ist das anders“, schwärmt der schmächtige Junge mit den Glitzersteinen im Ohr. Am besten habe ihm ein Schwimmbadbesuch gefallen. Maria Müller ist stolz auf Raik. In der ersten Woche habe er noch Mist gebaut, in der zweiten fügt er sich ins Gruppenbild. Geht doch. Reisen prägt. Egal ob nun in Rom oder in Schipkau. (14/08/09; Quelle: Märkische Allgemeine)



