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Klassik Stiftung Weimar zeigt das graphische Œuvre Goethes
Rund 150 Landschaftszeichnungen von Johann Wolfgang Goethe, darunter auch weitgehend unbekannte Blätter, präsentiert die Klassik Stiftung von heute an bis zum 25. Oktober 2009 im Goethe-Nationalmuseum. Die Austellung zeigt die Landschaftszeichnungen Goethes in seiner chronologischen Entwicklung und Entfaltung, ergänzt durch Werke der Künstler, die seine Arbeit begleitet haben, darunter Jakob Philipp Hackert, Angelika Kauffmann und Johann Heinrich Wilhelm Tischbein.

Bild: Klassik Stiftung Weimar
Erste Unterrichtsstunden erhielt Goethe bereits im Frankfurter Elternhaus bei dem Zeichenmeister Johann Michael Eben. Über den Vater Johann Caspar Goethe, der zeitgenössische Gemälde sammelte, lernte der Sohn bedeutende regionale Künstler kennen. Während seines Jurastudiums in Leipzig beeinflusste ihn der dortige Akademiedirektor Adam Friedrich Oeser, bei dem sich Goethe weiterbildete und u.a. die Technik der Radierung erlernte. 1775 zog Goethe nach Weimar, wo er sich intensiv für die neugegründete »freye Zeichenschule« engagierte. Leiter der Schule war der ebenfalls aus Frankfurt am Main stammende Künstler Georg Melchior Kraus, der dem Dichter ein zuverlässiger Freund bei zeichnerischen Übungen war. Mit seiner ersten Italienreise ab 1786 begann Goethes wichtigste Phase seiner Entwicklung als Zeichner. Generell galt das Studium in Italien zu dieser Zeit als Voraussetzung für eine erstklassige künstlerische Ausbildung. Nun konnte Goethe nach gültiger akademischer Lehrmeinung eine wichtige Schwelle hin zur Meisterschaft überschreiten. Obwohl er keine Akademie besuchte, verfolgte Goethe mit Energie und Begeisterung seine zeichnerischen Ambitionen und nahm Unterricht bei Künstlern wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Angelika Kauffmann, Friedrich Bury, Christoph Heinrich Kniep, Christian Georg Schütz, Albert Christoph Dies und Jakob Philipp Hackert. Insbesondere die Begegnung mit Hackert war sowohl in menschlicher als auch in künstlerischer Hinsicht von großer Bedeutung. In Hackerts ausgewogener, in der großen Bildtradition eines Claude Lorrain wurzelnden Landschaftskunst erkannte der Dichter das souveräne, unaufgeregte Vorbild für die Gegenwart. Neben Fragen der Architekturzeichnung und der Perspektivdarstellung beschäftigte sich Goethe vor allem mit dem »Zeichnen nach der Natur«. Hierzu zählen auch meteorologische Studien und seine Wolkendarstellungen. Nach eigenen Bekundungen gab Goethe nach der Rückkehr aus Italien die Hoffnung auf, ein versierter bildender Künstler zu werden. Trotz dieser Erkenntnis setzte er seine zeichnerische Tätigkeit bis an seine Lebensende kontinuierlich fort.
Als erstes Ergebnis der Restaurierung zeigte die Klassik Stiftung Weimar in Kooperation mit dem Museo Thyssen-Bornemisza im Circulo de Bellas Artes in Madrid bereits 2008 die Ausstellung »Johann Wolfgang von Goethe – paisajes«. Die öffentliche Resonanz der mit 75 Blättern deutlich kleineren Ausstellung, die unter der Schirmherrschaft des spanischen Königs und des deutschen Bundespräsidenten stand, war überaus beeindruckend und zeigt das besondere Interesse am graphischen Werk Goethes.
Die Weimarer Ausstellung wird von einem reich bebilderten Katalog begleitet, der von dem Leiter der Graphischen Sammlungen, Hermann Mildenberger, und dem ehemaligen Direktor der Museen der Klassik Stiftung Weimar, Ernst-Gerhard Güse, parallel im Insel Verlag erscheint. Essays von Javier Arnaldo, Werner Hofmann, Petra Maisak, Margarete Oppel und anderen vertiefen den Eindruck, den Goethes Landschaften noch heute hinterlassen. (28/08/09)



