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Lärmschutz für Wale

Aktuelles Projekt der Stiftung Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung: Ein Wärmebild-Kamerasystem hilft Forschern, Großwale rund um die Uhr vor Lärm zu schützen.

Forschungsschiff Polarstern (Foto: Folke Mehrtens, Alfred-Wegener-Institut)

Physiker des Alfred-Wegener-Institutes haben an Bord des Forschungsschiffes Polarstern erfolgreich ein Wärmebild-Kamerasystem getestet, das Großwale sowohl am Tage als auch bei Nacht bis auf eine Entfernung von fünf Kilometern automatisch an ihrem Blas erkennt. Das Kamerasystem hat bei sieben Expeditionen in die Arktis und Antarktis deutlich mehr Wale erfasst als Forscher, die mit dem Fernglas Ausschau nach den Tieren gehalten hatten. Die Wärmebild-Kamera und die dazugehörige Auswertungssoftware stellen damit ein wirksames Instrument zum Schutz der seltenen Meeressäuger vor intensivem Unterwasserlärm dar.

Rammarbeiten beim Bau von Windparks oder der Einsatz von Luftpulsern bei der Suche nach Öl und Gas im Meer führen zu Lärmbelastungen im Umfeld der Arbeiten. Um sicherzustellen, dass Meeressäuger keinen Schaden nehmen, wenn sie den Geräten nahe kommen, erlassen Regulierungsbehörden sogenannte Mitigationsauflagen zum Schutz der Tiere. Eine Auflage kann lauten, die Luftpulser abzuschalten oder die Rammarbeiten einzustellen, sowie sich ein Wal der Schallquelle zu weit nähert. Wie aber kann die Besatzung eines Schiffes oder einer Arbeitsplattform das Meer flächendeckend sowie rund um die Uhr nach Walen absuchen – und das wochenlang?

Dem Menschen sind in dieser Frage klare Grenzen gesetzt: “Wer einmal für längere Zeit auf das Meer geschaut hat, der weiß, wie schnell die Augen müde werden und die Konzentration nachlässt. Hinzu kommt: Wir können nicht gleichzeitig in alle Richtungen schauen und bei Dunkelheit sehen wir so gut wie nichts. Deshalb war es bisher vor allem nachts schwierig, Wale in Schiffs- oder Plattformnähe zu entdecken”, sagt Dr. Daniel Zitterbart, Physiker am Alfred-Wegener-Institut (AWI).

Er und Kollegen aus der AWI-Arbeitsgruppe “Ozeanische Akustik” haben aus diesem Grund eine Infrarot-Kamera zu einem Instrument für automatische Wal-Sichtungen weiterentwickelt und das High-Tech-System erfolgreich getestet: “Der Wärmesensor ist so empfindlich, dass er Temperaturunterschiede von weniger als ein hundertstel Grad Celsius abbildet. Walblas, der zumindest in subpolaren und polaren Regionen deutlich wärmer ist als das Wasser, ist demzufolge auf den Aufnahmen als hellgraue oder weiße Fontäne zu erkennen”, erläutert Zitterbart.

Das bewährte Wal-Ortungssystem soll ab dem kommenden Jahr dauerhaft am Krähennest Polarsterns installiert und dann in zunehmendem Maße bei Expeditionen genutzt werden. Das Entwicklerteam plant außerdem, das System in Meeresgegenden mit einer Wassertemperatur von mehr als 10 Grad Celsius zu testen. Seine ersten Einsätze in den polaren und subpolaren Regionen hat es mit Bravour bestanden.

(13.8.2013 | Quelle: Stiftung Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung)

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