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Mehr Unabhängigkeit durch Stiftung

Zwei Jahre nach dem Tod Walter Kempowskis im Oktober 2007 bastelt der Förderverein intensiv an einem Konzept für das Archiv des Schriftstellers im Klosterhof. Um den wertvollen Nachlass des Ehrenbürgers langfristig zu erhalten, müssten dringend die Finanzen geregelt werden, erklärt Dieter Schröder, ehemaliger Rostocker Oberbürgermeister und Gründungsmitglied des Vereins „Kempowski-Archiv Rostock — Ein bürgerliches Haus“.

Eine Stiftung mit diesem Zweck hat Kempowski noch selbst gegründet — mit dem Erlös aus dem Verkauf seiner Sammlung an die Akademie der Künste in Berlin. Allerdings sei der Chronist nicht mehr dazu gekommen, „alles richtig zu organisieren“, sagt Schröder. Beispielsweise müsse es — jetzt, wo Kempowski die inhaltliche Arbeit nicht mehr selber koordinieren könne — eine Leitungsstelle für die Häuser in Rostock und Natrum geben.

Mit der Sammlung habe Kempowski seiner Geburtsstadt „Perlen in den Schoß gelegt, mit denen Rostock nun umgehen muss“, sagt auch die Vereinsvorsitzende Wiebke Wilcke. Es dürfe nicht sein, dass diese Stätte „nur noch vor sich hindämmert“, stellt Schröder klar.

Im Moment finanziere die Witwe Hildegard Kempowski einen Großteil der Arbeit aus ihrem Privatvermögen. „Aber das ist ja kein Dauerzustand“, sagt Schröder. Seit einigen Wochen habe er deshalb Gespräche mit städtischen Unternehmen geführt — und um Hilfe gebeten. 500 000 Euro seien nötig, um die Stiftung so auszustatten, dass aus den Zinsen Gedenkstätten und inhaltliche Arbeit auf Dauer abgesichert seien. Im Moment bestreite der Verein die laufenden Kosten für Miete und eine feste Stelle aus Spenden, Beiträgen der 140 Mitglieder und Fördermitteln, sagt Wilcke. Nun hofft sie auf eine Lösung für die Zukunft. „Wir dürfen nicht auf Dauer von den Stadtfinanzen abhängig sein.“ Namen und Summen der Spender will Schröder noch nicht nennen. Thomas Schneider, Sprecher der Stadtwerke, bestätigte aber, dass sein Unternehmen über drei Jahre „eine Summe im niedrigen fünfstelligen Bereich“ zuschieße. Kempowski sei „der Schriftsteller für Rostock“, weshalb sein Werk auch „vor Ort erhalten werden sollte“, erklärt Schneider. Auch die Wohnungsgesellschaft Wiro, deren Aufsichtsratschef Schröder ist, denke darüber nach, ihre Unterstützung für das Archiv auszuweiten, bestätigte Sprecherin Dörthe Hückel-Krause. Schon jetzt beteiligt sich die Wiro über „Mietsponsoring“: Für 20 Jahre erlässt das Unternehmen einen Teil der Miete für das Haus am Klosterhof.

Es sei sicher erstrebenswert, wenn das Archiv „nicht abhängig vom städtischen Haushalt bleibe“, sagt Dieter Neßelmann, Fraktionschef der CDU. Im Grunde eine gute Sache, meint auch Grünen-Fraktionschef Johann Georg Jaeger. Bedenklich finde er allerdings, dass in einer „derartig schwierigen Haushaltslage“, in der die Bürgerschaft um 1000-Euro-Beträge ringe, „solche Summen von städtischen Unternehmen gebunkert werden“. Mit einem Bruchteil des Geldes könne man die Stelle zunächst auf fünf Jahre finanzieren, schlägt er vor. „Und wenn wir wieder viel Geld haben, machen wir die Stiftung gern voll.“ (06/07/09; Quelle: Anne Schemann, Ostseezeitung)

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