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Menschenaffen als Frühwarnsystem

Die Robert-Bosch-Juniorprofessur "Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen" geht an den Biologen Dr. Hjalmar Kühl. Er erforscht in Leipzig, wie sich die Lebensräume von Menschenaffen im Gleichgewicht halten lassen.

Von April 2014 an wird Kühl eine Arbeitsgruppe am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig an der Universität Leipzig leiten. In seinem Forschungsprojekt will er ein Evaluierungssystem entwickeln, aus dem sich Managementpraktiken für den Schutz der Lebensräume von Menschenaffen in Afrika und Asien ableiten lassen. Dafür stellt die Robert Bosch Stiftung über fünf Jahre hinweg 1 Mio. € zur Verfügung.

Vom Verhalten der Menschenaffen können die Forscher auf den Zustand ressourcenreicher Ökosysteme schließen: Verschwinden sie aus ihrem ursprünglichen Lebensraum, ist das Gleichgewicht in Gefahr. In Afrika sind die geeigneten Lebensräume für Gorillas in den letzten zwanzig Jahren um die Hälfte geschrumpft. Grund hierfür ist zum einen die Wilderei, sowie der lokal und global wachsende Bedarf an Rohstoffen und Ackerflächen. Inzwischen wurden einerseits zahlreiche Schutzzonen ausgewiesen, andererseits aber auch viele Gebiete geschaffen, in denen Forstwirtschaft, der Abbau mineralischer Ressourcen sowie Plantagenanbau betrieben wird.

Nicht überprüft wird jedoch, wie effektiv diese sogenannten Ressourcen-Management-Gebiete in der Nachhaltigkeit der Nutzung natürlicher Ressourcen sind. “Um die richtigen Maßnahmen einleiten zu können, müssen wir besser verstehen, wie die Menschen vor Ort mit ihrer Umwelt interagieren und unter welchen Bedingungen bestimmte Schutzmaßnahmen funktionieren und unter welchen nicht”, sagt Hjalmar Kühl. “Mit Hilfe der Robert Bosch Juniorprofessur will ich ein Evaluierungssystem entwickeln, das diesen komplexen Kontext berücksichtigt. Nur so können wir diese wichtigen Naturräume im Gleichgewicht halten.”

Hjalmar Kühl studierte in Freiburg und Konstanz Biologie. Er promovierte am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie und der Universität Leipzig über zeitliche und räumliche Dynamiken in Gorilla- und Schimpansenpopulationen. Für diese Arbeit hielt er sich längere Zeit in verschiedenen Ländern Zentralafrikas auf und entwickelte Datenbanken, die international für den Schutz von Menschenaffen genutzt werden. Im Rahmen der Robert Bosch Juniorprofessur wird Kühl eine der ersten Arbeitsgruppen in Deutschland leiten, in der evidenzbasierter Umweltschutz mit “complexity science”, der Wissenschaft komplexer Systeme, kombiniert wird. Seine Antrittsvorlesung am iDiv an der Universität Leipzig hält er am 8. April 2014.

Ab sofort können sich Wissenschaftler aus allen Ländern und allen relevanten Disziplinen um die Robert-Bosch-Juniorprofessur “Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen” 2015 bewerben. Forschungsvorhaben können angesiedelt sein im Bereich der Agrar- und Forstwissenschaften, der Biologie, den Umweltwissenschaften bis hin zur Ökonomie, Politik, Soziologie, Medizin oder im Bereich Public Health. Vorsitzender des Auswahlgremiums ist Prof. Dr. Klaus Töpfer, Ex-Bundesumweltminister und früherer Direktor des UN-Umweltprogramms. Die Bewerbungsfrist für die Juniorprofessur 2015 endet am 18. Mai 2014.

(12.3.2014 | Quelle: Robert Bosch Stiftung)

Mehr Info auf der Website der Robert Bosch Stiftung

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