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Mobile Sozialarbeit in bulgarischen Armenvierteln

Bereits seit 1998 engagiert sich das unter anderem von der Stiftung Liebenau gegründete Bulgarisch-Deutsche Sozialwerk St. Andreas e.V. für verschiedene soziale Projekte in Bulgarien. Ein Teil davon ist die Mobile Sozialarbeit mit benachteiligten Kindern, Jugendlichen und Familien. Vor einem Jahr wurden hierbei zwei neue Programme ins Leben gerufen – jetzt zogen die Verantwortlichen des Sozialwerks und seines bulgarischen Partnervereins "Sauchastie" eine erste Zwischenbilanz, die Grund zur Hoffnung gibt.

Ein Selbsthilfeprojekt richtet sich an sozial benachteiligte Familien und wird von der Aktion Mensch finanziert. Dabei geht es darum, dass betroffene Kinder aus den Städten Varna und Aksakovo in einem stabileren familiären Umfeld aufwachsen können, bessere Startbedingungen bekommen und dass sich die Eltern trotz einfachster Lebensbedingungen adäquat um ihren Nachwuchs kümmern. Dazu zählt (dank weiterer Unterstützer, wie dem Berliner Verein zur Förderung bulgarischer Kinderheime) die materielle Hilfe in Form von Medikamenten, Babynahrung oder Kleidung – aber auch die Betreuung in Gesundheitsfragen, die Unterstützung in Krisensituationen sowie die Schulung, Beratung und Hilfe bei Erziehung und Förderung. Über 40 Familien mit mehr als 80 Kindern, darunter auch Personen mit Behinderung oder chronischen Krankheiten, wurden im Rahmen dieses Programmes bis jetzt erreicht.

Wie Projektleiterin Monika Heitmann von der Stiftung Liebenau betont, habe man dabei auch unter Beteiligung örtlicher Freiwilliger versucht, gemeinschaftliche Strukturen zu fördern, um dadurch nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen. Die betroffenen Familien sollten sich zusammenschließen und positiven Einfluss auf andere nehmen. Mit Erfolg. Auf diese Weise seien vor Ort schon diverse Selbsthilfeinitiativen entstanden – und auch die Idee eines kleinen mobilen Kindergartens zur sprachlichen und sozialen Förderung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien, die von der Flutwelle in Varna betroffen waren. “Diese Arbeit wird von Psychologen, Pädagogen und einer Mediatorin aus der Gemeinschaft geleistet und vom deutschen Freundeskreis des Bulgarisch-Deutschen Sozialwerks im Rahmen seiner Fluthilfe sowie der Kirill Georgieff Stiftung gesponsert”, erklärt Monika Heitmann.


Foto: Stiftung Liebenau

Schon seit Jahren engagieren sich das Sozialwerk und sein bulgarischer Partnerverein “Sauchastie” auch in der Mobilen Jugendarbeit in einem Roma-Viertel der Stadt Varna, um dort soziale Brennpunkte zu entschärfen, Integration zu fördern und den Zugang zu Bildung zu verbessern. Denn oft prägt ein Teufelskreis aus Gewalt, Sucht, Armut und Diskriminierung den Alltag der von der bulgarischen Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzten Jugendlichen im “Ghetto”. Mit finanzieller Hilfe der deutschen Nichtregierungsorganisation Renovabis e.V., der Agnes Philippine Walter Stiftung und des Freundeskreises des Sozialwerks sowie der Unterstützung der Stadt Varna konnte nun in den vergangenen zwölf Monaten das Einsatzgebiet noch weiter ausgedehnt werden.

Dazu wurden fünf Jugendliche zu Mobilen Jugendarbeitern ausgebildet, ein neuer Jugendclub eröffnet und zahlreiche Gemeinschaftsaktionen angeboten. Mithilfe der neuen Mitarbeiter und ihrer großen Akzeptanz bei den Jugendlichen konnten zum Beispiel zahlreiche Schulabbrecher zur Rückkehr in die Schule bewegt und bei so manchem Teenager das Abrutschen in die Kriminalität oder eine allzu frühe Schwangerschaft verhindert werden. Auch die Konflikte zwischen einzelnen Jugendgruppen wurden spürbar entschärft, ebenso Probleme in den Familien und das Gesundheitsbewusstsein. “Besonders kümmerten sich die Mobilen Jugendarbeiter auch um die jungen Mädchen, um deren Selbstwertgefühl zu erhöhen und ihre sozialen Fähigkeiten zu fördern”, betont Monika Heitmann. 76 Jugendliche nahmen insgesamt die Angebote an, ob durch Besuche im Jugendclub oder bei regelmäßigen Treffen auf der Straße. Und so soll die Mobile Jugendarbeit fortgeführt und weiter ausgebaut werden.

Das Bulgarisch-Deutsche Sozialwerk – St. Andreas e.V. wurde 1998 als gemeinnütziger Verein gegründet. Die Gründungsmitglieder sind die Metropolie von Varna und Veliki Preslav, die Stiftung Liebenau und die Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn. Die Partner haben es sich zur Aufgabe gemacht, Dienste und Einrichtungen im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich aufzubauen. Ideell und finanziell unterstützt wird die Arbeit vom Freundeskreis des Bulgarisch-Deutschen Sozialwerks mit Sitz in Meckenbeuren-Liebenau.

(16.6.2015 | Quelle: Stiftung Liebenau)

Website des Bulgarisch-Deutschen Sozialwerks – St. Andreas e.V.

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