topad


Akteure & Konzepte

Projekte & Programme

Provenienzen der Galerie des 20. Jahrhunderts erforscht

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und das Land Berlin haben die Ergebnisse ihres Forschungsprojektes zur Herkunft des Bestands der ehemaligen Galerie des 20. Jahrhunderts vorgestellt. Rund 450 bis 1945 entstandene Kunstwerke wurden systematisch daraufhin untersucht, ob es sich um NS-Raubgut handelt. Für den größten Teil der Werke konnte dies ausgeschlossen werden.

Bei dem Projekt, an dem zwei Wissenschaftlerinnen drei Jahre lang gearbeitet haben, handelte es sich um eines der bisher umfangreichsten systematischen Provenienzforschungsprojekte in Deutschland zu den Erwerbungen der Nachkriegszeit. Das Land Berlin und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz haben es gemeinsam aus eigenen Mitteln finanziert.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: “Wir möchten keine Objekte in unseren Sammlungen behalten, die nicht rechtmäßig dorthin gelangt sind.” Die untersuchten Werke sind Eigentum des Landes Berlin und seit 1968 der Nationalgalerie und dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin als Dauerleihgaben anvertraut. Es handelt sich um Gemälde, Papierarbeiten und Skulpturen. Darunter sind hochkarätige Werke moderner Kunst, etwa von Hans Arp, Ernst Barlach, Max Beckmann, Lovis Corinth, Otto Dix, Lyonel Feininger, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Georg Kolbe, August Macke, Paula Modersohn-Becker, Piet Mondrian, Henry Moore, Otto Mueller, Gabriele Münter, Edvard Munch, Ernst Wilhelm Nay, Emil Nolde, Max Pechstein, Pablo Picasso, Karl Schmidt-Rottluff und Max Slevogt.

Tim Renner, Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten des Landes Berlin: “Das Projekt ‘Galerie des 20. Jahrhunderts’ markiert eine wichtige Etappe der Berliner Provenienzforschung. Damit wurde der Bereich der klassischen Moderne in Landeseigentum vollständig überprüft. Die politische und wissenschaftliche Befassung mit den Folgen der NS-Zeit für die Kultur bleibt eine dauerhafte Aufgabe aller Berliner Kultureinrichtungen. Das Land wird diesen Prozess auch in Zukunft politisch und finanziell unterstützen.”

Für ca. 85 Prozent der Werke konnten unbedenkliche Provenienzen nachgewiesen werden. Lediglich für drei Werke gibt es Anhaltspunkte, dass ein NS-verfolgungsbedingter Verlust vorliegen könnte. Für diese Werke sind noch vertiefte Recherchen notwendig sowie Rechtsfragen zu klären.

Bei 61 Werken konnten die Provenienzen trotz ausführlicher Recherchen nicht lückenlos geklärt werden. Ein NS-verfolgungsbedingter Verlust kann deshalb nicht vollständig ausgeschlossen werden. Neun dieser Werke hat das Land Berlin bisher in die Datenbank Lostart eingestellt, darunter Werke von Georg Grosz, Wilhelm Lehmbruck und Christian Rohlfs. Diese Fundmeldungen enthalten die ausdrückliche Bitte an die Öffentlichkeit, evtl. weitere Erkenntnisse und Anspruchsberechtigungen mitzuteilen. Weitere Werke mit Provenienzlücken sollen sukzessive in die Datenbank aufgenommen werden. Das Land Berlin wird zudem Kontakt mit Personen aufnehmen, die als Erbinnen und Erben der früheren Eigentümer und Eigentümerinnen in Betracht kommen.

Die Forschungsergebnisse aus dem Projekt werden bis Ende 2015 in Buchform und online publiziert. Diese Publikation wird erstmals auch die historische Entwicklung der Galerie des 20. Jahrhunderts darstellen und ist ein bedeutender Beitrag für die Provenienzforschung in Deutschland.

(8.7.2014 | Quelle: Stiftung Preußischer Kulturbesitz)

Zur Übersicht "Akteure & Konzepte // Projekte & Programme"