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Robert Bosch Stiftung: Expertenempfehlungen zum Spracherwerb für Flüchtlinge

Eine Expertenkommission der Robert Bosch Stiftung hat ein erstes Dossier zum Thema "Sprachvermittlung und Spracherwerb für Flüchtlinge" veröffentlicht. Sie empfiehlt einen leichteren Zugang zu Sprachkursen bereits während laufender Asylverfahren.

In dem Dossier setzt sich die Kommission dafür ein, die Sprachkenntnisse der Asylbewerber bereits im Zuge des Aufnahmeprozesses in den Erstaufnahmeeinrichtungen zu erheben. Bisher erfolge dies nur in Modellprojekten. Asylbewerber mit hoher Bleibeperspektive sollten dann bereits während ihres laufenden Asylverfahrens gleichrangigen Zugang zu Sprach- und Orientierungskursen erhalten. Aktuell haben Asylbewerber mit Bleibeperspektive nur einen nachrangigen Zugang zu den Kursen, die aufgrund der großen Nachfrage in der Regel bereits belegt sind. Viele Monate wertvoller Zeit und Motivation gehen so verloren.

Daher rät die Kommission dazu, die Integrationskurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge auszuweiten und stärker zu differenzieren. Für Bildungseinrichtungen gelte es, Angebote für Deutsch als Zweitsprache auszubauen, Lehrkräfte und Pädagogen entsprechend zu schulen und deren interkulturelle Ausbildung und Sensibilisierung zu verbessern. Um überhaupt genügend Lehrer für die Sprachkurse zu finden, schlägt die Kommission darüber hinaus unkonventionelle Wege vor: Pensionierte Lehrer oder Dozenten könnten in den kommenden Jahren eine große Hilfe sein, wenn man ihnen passende Beschäftigungsmodelle anbietet.

Die Kommission empfiehlt zudem, zivilgesellschaftliche Initiativen zu stärken und die ehrenamtlichen Netzwerke und deren Qualifizierung auszubauen. In jedem Fall sollten die ehrenamtlich bereitgestellten Angebote zur Sprachvermittlung über spezielle Koordinatoren systematisch mit den staatlichen Angeboten verbunden werden. Auch freiwillige Sprachkurse in den Erstaufnahmeeinrichtungen, zum Beispiel durch Ehrenamtliche oder Teleteaching über Computer- oder Smartphone könnten dazu beitragen, schon die ersten Monate in Deutschland produktiv zu nutzen.

Mit der im März 2015 einberufenen Robert Bosch Expertenkommission zur Neuausrichtung der Flüchtlingspolitik unter Vorsitz von Armin Laschet hat die Stiftung zehn hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammengebracht, um konkrete Handlungsoptionen und Reformvorschläge für die deutsche Flüchtlingspolitik zu entwickeln. Über Anhörungen, Gespräche und Gutachten bindet die Kommission bedarfsorientiert wissenschaftliche, politische und ethische Expertise von Akteuren und Experten in ihre Arbeit ein und versteht sich dabei als parteipolitisch unabhängiger Berater.

(27.11.2015 | Quelle: Robert Bosch Stiftung)

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