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Schulen stark machen gegen Selbstmordgefährdung

Die Baden-Württemberg Stiftung hat ein Projekt gestartet, um Lehrer für den Umgang mit suizidgefährdeten Jugendlichen fortzubilden.

Lehrer müssen heutzutage deutlich mehr leisten als das reine Vermitteln von Wissen. Mobbing, Gewalt, Selbsthass, Suizidgedanken oder Probleme im Elternhaus machen keinen Halt vor den Klassenzimmern. Die Baden-Württemberg Stiftung will mit dem Projekt “Schulen stark machen gegen Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten” Lehrer dabei unterstützen, diesen Situationen zu begegnen.

Dazu erarbeitet die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm Handlungsempfehlungen, damit Lehrkräfte Schülern bei diesen Problemen gezielt helfen können. Aktuelle Studien aus Baden-Württemberg zeigen, dass circa ein Drittel der Fünfzehnjährigen sich zumindest einmal absichtlich selbst verletzt hat, vier Prozent tun dies häufiger. Etwa ein Drittel aller Jugendlichen berichtet über Suizidgedanken, acht Prozent der jungen Heranwachsenden haben bereits einen Suizidversuch unternommen. Angesichts dieser Zahlen kann davon ausgegangen werden, dass sich in einer Schulklasse zumindest ein Jugendlicher aktuell selbst verletzt und ein bis zwei Jugendliche bereits einen Suizidversuch unternommen haben.

Hilfe holen sich Schüler bei Lehrern, die sie mögen und denen sie vertrauen. Das sind schon lange nicht mehr nur die Verbindungslehrer einer Schule. Schulsozialarbeiter, Beratungslehrer und Schulpsychologen sind notwendig, um die Sorgen und Nöte der Heranwachsenden bewältigen zu können. “Kinder und Jugendliche sind die Zukunft unseres Landes. Ihnen gilt unsere Fürsorge und ihre Probleme und Sorgen müssen wir ernst nehmen. Lehrerinnen und Lehrer darf man jedoch nicht mit solchen Themen alleine lassen. Deswegen ist es uns ein Anliegen, Hilfestellungen zu entwickeln und die Ursachen zu bekämpfen”, sagte Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung.

Im Rahmen des Projekts sollen Lehrerinnen und Lehrer in speziell konzipierten Schulungen Wissen erwerben, wie sie auf Schülerinnen und Schüler reagieren sollten, die sich mit Gedanken der Selbstverletzung oder des Suizids quälen. Anhand von Übungen und Reflexionen wird das erlangte Wissen dann praktisch erprobt. Darüber hinaus werden auf einer Internet-Plattform Informationen bereitgestellt. Zudem wird eine Telefonhotline eingerichtet, über die sich Lehrerinnen und Lehrer, wenn gewünscht anonym, kostenlose Unterstützung bei einer approbierten Kinder- und Jugendpsychotherapeutin holen können.

Im Rahmen von “Schulprotokollen” soll an teilnehmenden Schulen ein standardisiertes Vorgehen implementiert werden, wie mit Schülern, die sich selbst verletzen oder suizidale Äußerungen tätigen, umgegangen werden soll. Dieser Prozess wird individuell auf die regionalen Gegebenheiten der Schule angepasst. Dabei wird eine Verknüpfung mit den örtlich zuständigen Kinder- und Jugendpsychiatrien angestrebt, um eine Abklärung und Versorgung im Notfall sicher zu stellen.

(11.7.2014 | Quelle: Baden-Württemberg Stiftung)

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