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Seniorin unterstützt junge Künstler
Anna Margareta Gries, die immer schon Anny genannt wird, lebt dort, wo die Studenten ausgehen, wo an Karneval die Hölle los ist - am Zülpicher Platz. Dass lauter junge Leute um sie herum sind, sobald sie die Haustüre öffnet, gefällt ihr. „Die Jungen sind alle viel lockerer, als wir es früher sein durften“, sagt sie. Das Geld, das Anny Gries mit ihrer Konditorei am Zülpicher Platz verdient hat, soll später einmal jungen Musikern zugute kommen.
Seit 55 Jahren wohnt sie in der Wohnung. Unten im Haus, wo heute ein Friseursalon ist, war früher das Café mit der Konditorei, das sie mit ihrem Mann Heinz führte. „Eine Goldgrube“, wie sie sagt. Dabei hatte Anny Gries, die an der Staatlichen Hochschule für Musik Klavier studiert hat, eigentlich überhaupt nicht vor, sich als Torten-Bäckerin zu versuchen – aber sie tat es ihrem Mann zuliebe. „Seine Eltern hingen so am Geschäft“, erzählt sie. „Ich stand also hinter dem Tresen und musste so tun, als hätte ich Ahnung von all dem.“ Sie glaubt, dass ihr Schauspieltalent ihr dabei geholfen hat. Bevor sie Musik studierte, wollte sie unbedingt ans Theater. Ihr Vater war aber dagegen.
Ihre Liebe zur Musik blieb. Und die konnte sie immer auch mit ihrem Mann teilen, der anfing, kölsche Lieder zu schreiben, nachdem sie sich gemeinsam die Hitparade angesehen hatten und Heinz Gries meinte: „Das kann ich auch!“ Seine Anny glaubte immer an ihn: „Dann mach es auch“, hat sie ihm gesagt. Sie schwärmt gerne von ihrem Mann, seinen vielen Begabungen, seiner Feinsinnigkeit. Als er 1993 starb, acht Tage vor seinem 80. Geburtstag, verlor Anny Gries die Lust am Leben. „Mein Arzt hat mich schließlich wieder aufgemöbelt“, sagt sie. Auf der Suche nach einem Sinn kaufte sie sich einen Computer, schrieb Texte. „Allein“ stand über den ersten. Mit einer Freundin spielt sie heute einmal im Monat Computer: am liebsten Minigolf. „Und Flugsimulator!“ Anny Gries hat nach dem Tod ihres Mannes neue Menschen kennen gelernt, viele junge Leute. Und sie hat die „Heinz-und-Anny-Gries-Stiftung“ gegründet. Das Geld, das sie dort regelmäßig einbezahlt, war eigentlich für einen Sänger bestimmt, der die Lieder ihres Mannes singen sollte. Die Lieder sollten lebendig bleiben. Aber es fand sich niemand. „Nach meinem Tod geht die Hälfte des Geldes nun an die Hochschule für Musik und Tanz, junge Künstler sollen etwas davon haben.“
Erst einmal in ihrem Leben war Anny Gries im Krankenhaus, sie braucht keine Brille und keine Gehhilfe. „Aber alt werden ist nicht schön. Als ich jung war, hatte ich so schöne Hände – jetzt sind sie ganz verknubbelt.“ Im Wohnzimmer steht ein Rollator. Aber den braucht sie nicht. Deshalb hat sie ein Deckchen darauf gelegt, auf dem ein Wecker steht. Und ein kleines Glücksschwein aus Stoff. Heute, an ihrem 95. Geburtstag, wird Anny Gries bei ihrer Nichte Inge Fabricius-Glahé sein, die schon seit Tagen eine Feier vorbereitet. „Sie ist meine letzte Verwandte“, sagt sie. (27/07/09; Quelle: Kölner Stadtanzeiger)



