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Studie: Zentren für Lehrerbildung müssen noch ihr Potenzial entfalten

Die Zentren für Lehrerbildung und die Schools of Education sind inzwischen etablierte Elemente der Lehrerbildung an den deutschen Hochschulen. Allerdings fungieren die Einrichtungen noch zu wenig als wirksame Interessensvertretungen für die Lehrerbildung – und das sowohl innerhalb wie außerhalb der Hochschulen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine von der Deutsche Telekom Stiftung und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft beauftragte Untersuchung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Die Bildungsforscher Professor Wolfgang Böttcher und Sina Blasberg nahmen für ihre Analyse exemplarisch fünf Zentren für Lehrerbildung und fünf Schools of Education von bundesweit etwa 80 Einrichtungen dieser Art unter die Lupe.

“Die untersuchten Zentren und Schools haben sich dynamisch entwickelt und nehmen ihre Beratungs-, Vermittlungs- und Koordinierungsleistungen schon gut wahr”, erklärt Professor Wolfgang Böttcher. “Es zeigt sich aber auch, dass viele Einrichtungen noch zu wenig Eigenverantwortung haben und zum Beispiel bei Berufungsverfahren und Budgets auf das Wohlwollen der Hochschulleitungen angewiesen sind.”

Für die Untersuchung werteten die Experten sämtliche ihnen zur Verfügung gestellten Informationsmaterialien der Einrichtungen aus, darunter den Internetauftritt, das Leitbild und die Satzungen. Im zweiten Schritt führten sie jeweils Leitfadeninterviews mit den geschäftsführenden und den wissenschaftlichen Leitungen durch. Im dritten Schritt analysierten sie knapp 800 Fragebögen von Lehramtsstudierenden.

Vor allem die Ergebnisse der Interviews zeigen, dass der Aufbau der Einrichtungen in der Regel weniger strategisch und systematisch erfolgte, sondern eher pragmatisch mit Rücksicht auf die individuellen Gegebenheiten vor Ort. “Jeder untersuchte Standort hat eine individuelle Lösung erarbeitet”, konstatiert Dr. Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Deutsche Telekom Stiftung. “Wenn man sich jedoch die Empfehlungen der Kultusministerkonferenz und des Wissenschaftsrats zu diesem Thema ansieht, die bereits vor 15 Jahren veröffentlicht wurden, ist noch viel Luft nach oben. Mit Blick auf das Management und die Profilierung der Zentren und Schools zeigt sich deutlicher Handlungsbedarf.”

Zur Verbesserung der derzeitigen Situation empfehlen die Wissenschaftler folgendes:

  • die regelmäßige und flächendeckende Evaluation der Zentren und Schools
  • mehr berufsbezogene Bildung durch eine verbesserte Verknüpfung von theoretischem Studium und Berufspraxis
  • die sachbezogene und selbstsichere Priorisierung der Aufgaben durch ein starkes Management
  • mehr politisches Engagement der Einrichtungen
  • mehr Forschung in allen Phasen der Lehrerbildung

“Die Qualität der Lehrerausbildung bemisst sich nach der Vorbereitung auf die spätere Berufspraxis”, so Dr. Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär und Mitglied der Geschäftsleitung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. “Doch noch nicht einmal jeder fünfte Lehramtsstudent beurteilt die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit in seinem bisherigen Studium als gut. Um Abhilfe zu schaffen, müssen sich die Zentren und Schools in die Gestaltung der Curricula einmischen.”

“Die Studie macht eines deutlich: Zentren für Lehrerbildung können ihr volles Potenzial im Sinne der Studierenden noch nicht entfalten. Bei der Koordination von Fachwissenschaften, Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften müssen wir Hochschulleitungen sie ideell und finanziell besser unterstützen”, kommentierte HRK-Vizepräsident Prof. Dr. Holger Burckhart.

(11.6.2015 | Quelle: Stifterverband)

Studie zu Strukturen und Status der Lehrerbildung (PDF)

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