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SVR-Integrationsbarometer: Mehrheit der Deutschen für Gleichstellung der Religionen

Die Umfrage des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration hat sich erstmals der Frage der institutionellen Gleichstellung des Islam gewidmet: "Eine religiöse Gleichbehandlung wird mehrheitlich befürwortet, einer 'Sonderbehandlung' aus religiösen Gründen wird aber mit Skepsis begegnet“, lautet das Fazit der SVR-Vorsitzenden Christine Langenfeld.

Insgesamt ist Deutschland in den letzten Jahren bei der anspruchsvollen Aufgabe vorangekommen, auf der einen Seite die institutionelle Gleichstellung des Islam voranzutreiben und auf der anderen Seite gleichzeitig zu vermeiden, religiöse Sonderrechte zu etablieren. Diese Politik der “Gleichstellung ohne Sonderrechte” findet Unterstützung in der Bevölkerung, so zeigt es das SVR-Integrationsbarometer.



Die Mehrheit der Bevölkerung ist bereit, den Islam institutionell mit anderen Religionen gleichzustellen: Eine knappe Mehrheit der rund 5.660 Befragten mit und ohne Migrationshintergrund befürwortete islamischen Religionsunterricht an Schulen (51,3 mit bzw. 55,1 Prozent ohne Migrationshintergrund). Etwa zwei Drittel (63,3 bzw. 68,9 Prozent) sprechen sich dafür aus, dass islamische Theologie an deutschen Universitäten gelehrt wird. Religiös begründete Wünsche nach einer Sonderbehandlung stoßen hingegen auf Skepsis: Eine Befreiung vom Sport- bzw. Schwimmunterricht aus religiösen Gründen wird deutlich abgelehnt (68,0 % mit bzw. 75,9 Prozent ohne Migrationshintergrund), ebenso wie eine Erlaubnis für muslimische Lehrerinnen, an staatlichen Schulen Kopftuch zu tragen (54,8 Prozent mit bzw. 63,1 Prozent ohne Migrationshintergrund).

Das SVR-Integrationsbarometer zeigt ebenfalls, dass es noch Anstrengungen, Zeit und ein kluges Handeln der beteiligten Akteure erfordert, bis der Islam als ein selbstverständlicher Teil der religiösen Vielfalt Deutschlands betrachtet wird. Die Bewertung des Satzes “Der Islam ist ein Teil Deutschlands” ergibt jedenfalls eine knappe, aber dennoch mehrheitliche Verneinung. 53,2 Prozent der Befragten ohne Migrationshintergrund lehnten die Feststellung “Der Islam ist ein Teil Deutschlands” “eher” oder “voll und ganz” ab, immerhin 45,2 Prozent stimmten der Aussage zu. Ein umgekehrtes Bild ergab sich bei den Befragten mit Migrationshintergrund: Hier bejahte eine knappe Mehrheit (54,0 Prozent), dass der Islam “eher” oder “voll und ganz” ein Teil Deutschlands ist. Aber auch hier verneinten dies 44,0 Prozent.

Langenfeld warnte davor, aus diesen Zahlen voreilige Schlüsse zu ziehen: “Wer glaubt, daraus eine generelle islamskeptische oder gar islamfeindliche Haltung der Bevölkerung ableiten zu können, der irrt. Wer jedoch die Augen vor diesem Thema verschließt und meint, es müsse in der Weiterentwicklung der institutionellen Gleichstellung und in den interreligiösen Beziehungen nichts geschehen, der irrt ebenfalls.” Die Ergebnisse des Integrationsbarometers seien ein wichtiges Signal, das nicht ignoriert werden dürfe.

(29.4.2014 | Quelle: SVR)

SVR-Jahresgutachten 2014 mit Integrationsbarometer (PDF)

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