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Vater-Kind-Wochenende schafft Spielräume

„Endlich mit Papa kuscheln und mal so viel Zeit nur mit ihm haben“, berichtet ein fünfjähriger Junge und seine Freude darüber ist ihm deutlich anzusehen. Bereits zum dritten Mal fand in einer Tagungsstätte im Sauerland ein Wochenende für Männer im offenen Strafvollzug aus ganz NRW und deren Kinder statt – nach wie vor eine einzigartige Aktion in Deutschland.

Das Wochenende bot einen geschützten Rahmen für Väter und Kinder, Zeit miteinander zu verbringen. Foto: Werner Krüper

Mit dem Wochenendseminar, dass vom Ev. Gemeindedienst im Ev. Johanneswerk Bielefeld und dem Institut für Kirche und Gesellschaft der Ev. Kirche in Westfalen angeboten wurde, wird die Beziehung zwischen Vätern und Kindern gestärkt und Spielräume geschaffen. Mithilfe spielerischer und kreativer Methoden können die Kinder und ihre Väter am Wochenende in entspannter Atmosphäre gemeinsame Zeit verbringen: Zeit für Spiel und Spaß am und im Wald, für kreative Aktionen, für Väter- und Kinderrunden, zum gemeinsamen Lachen und für Gespräche – ein ganzes Wochenende lang.

Gesonderte Kinder- und Väterzeiten

Neben gemeinsamen Aktivitäten gehörten zum Wochenende auch getrennte Väter- und Kinderzeiten. Mit den Kindern wurden Themen wie Gefühle und Wünsche behandelt. In den Väterrunden hatten die Väter Raum, um über ihre Vaterrolle unter den erschwerten Bedingungen der Haft und die Bedeutung der Vaterverantwortung für die Kinder zu sprechen. Zudem organisierten die Väter mit Unterstützung des Seminarteams für ihre Kinder eine Piraten-Schatzsuche. Die Kinder planten den Sonntagmorgen mit ihren Lieblingsspielen wie Verstecken, Fußball und Zombieball. Durch die Offenheit während dieses Wochenendes und die große Bereitschaft sich auszutauschen, konnten die Väter und Kinder neue Spielräume des Miteinanders erleben und einüben.

Obwohl sich eine Freiheitsstrafe ausschließlich gegen den Verurteilten selbst richtet, sind auch die Kinder und Jugendlichen nachhaltig und schwerwiegend betroffen. Die einfache Frage: „Ist dein Papa auch im Knast?“ kann für sie zu einem riesigen Problem werden. Für die Kinder ist ein kontinuierliches Hilfsangebot notwendig, um mit dieser schwierigen Situation umgehen zu können. Aber auch die Väter brauchen Orientierungshilfen im Umgang mit ihren Kindern. Denn oft ist die gemeinsam verbrachte Zeit mit den Kindern stark reglementiert und es fehlt an Austauschmöglichkeiten mit anderen Vätern.

Für die Wiedereingliederung des inhaftierten Elternteils in die familiäre Gemeinschaft gehört die Befähigung zum Leben in der Gemeinschaft. Diese Fähigkeit kann nicht theoretisch erlernt werden. Nur im Umgang mit den Kindern kann der Inhaftierte die Bedürfnisse und Gefühle der Kinder kennen lernen und verantwortungsvolles väterliches Verhalten einüben. Das Wochenendseminar bot hierfür eine Fülle von Gelegenheiten und einen geschützten Rahmen.

An dem Seminar, das finanziell vom Ev. Familienbildungswerk in Münster gefördert wurde, nahmen sechs Väter und acht Kinder unterschiedlicher Nationalitäten im Alter von fünf bis zehn Jahren teil. „Ich habe meine Tochter und meinen Sohn ganz anders kennen gelernt. So konnte ich viel Neues über sie und dadurch auch über mich erfahren“, sagte ein Teilnehmer. Auch die Veranstalter sind hochzufrieden mit dem Projekt: Bei gesicherter Finanzierung geht es 2012 in die vierte Runde. (11/07/11; Quelle: Stiftung mitLeidenschaft)

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