topad


Akteure & Konzepte

Projekte & Programme

"Vernachlässigte Chance": Bundesverband Deutscher Stiftungen und Vodafone Stiftung Deutschland stellen Studie zu Thinktanks vor

Das Engagement deutscher Stiftungen ist insbesondere im Hinblick auf die institutionelle Förderung von Thinktanks (Denkfabriken) und öffentlichkeitswirksame Kampagnen ausbaufähig. Dies ist ein Ergebnis der heute vom Bundesverband Deutscher Stiftungen und der Vodafone Stiftung Deutschland vorgestellten Kurzstudie "Denken fördern: Thinktanks als Instrumente wirkungsvoller Stiftungsarbeit". Die Studie soll einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion über effektives Stiftungshandeln liefern.

“In der deutschen Thinktank-Landschaft fehlen privat finanzierte Ideenschmieden, die in Ergänzung zum Staat und zur Wirtschaft zur Vielfalt von Lösungsansätzen beitragen. Diese Lücke können Stiftungen als zivilgesellschaftliche Institutionen schließen”, so Prof. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. “Das Anschieben und langfristige Fördern von Thinktanks kann sowohl für operative als auch für fördernde Stiftungen ein sinnvoller Weg sein, der Stiftungsarbeit zu mehr Wirkung zu verhelfen.”

Besser langfristig fördern als projektgebunden
Eine mehrstufige Befragung von führenden Köpfen deutscher Stiftungen kommt zu dem Ergebnis, dass die Experten eine langfristige Förderung und Unterstützung beim Aufbau der Organisation für wirksamer halten als eine projektgebundene Förderung, obwohl letztere in der Praxis eindeutig überwiegt.

“Über einzelne Impulse hinaus gehende Effekte lassen sich nur erzielen, wenn Thinktanks längere Zeit mit ausreichender Stabilität und Flexibilität an einem Thema bleiben können. Anstelle des schnellen Erfolgs von Einzelprojekten steht bei Thinktanks die mittel- bis langfristige Hebelwirkung im Vordergrund”, sagt Dr. Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung Deutschland. “Inzwischen kommt Bewegung in die Förderstrategien deutscher Stiftungen – weg von der klassischen Projektförderung hin zum Anschieben und zur längerfristigen Begleitung von Prozessen.”

Aktivititäten von Thinktanks
Während amerikanische Thinktanks sich mit ihren Analysen und Empfehlungen durch gezielte Medienarbeit an eine breite Öffentlichkeit richten, konzentrieren sich Thinktanks hierzulande vor allem auf die direkte Kommunikaktion mit Adressaten in der Politik und Wissenschaft. Vor allem gängige Maßnahmen wie die Förderung von Konferenzen und die Bereitstellung eigener Netzwerke bewerten die Experten sowohl bei der Wirksamkeit als auch bei der Umsetzbarkeit als sehr gut.

Thinktanks als Impulsgeber
Gernerell schätzen die Befragten das Engagement von Stiftungen in der Politikberatung und die Tätigkeit von Thinktanks als sehr wichtig ein. Eine deutliche Mehrheit nimmt Thinktanks als Katalysatoren für gesellschaftliche Entwicklungen wahr. Für die Mehrheit der Experten sind Thinktanks wichtige Instrumente zur Flankierung der Stiftungsarbeit, mit deren Hilfe sich gesellschaftspolitische Ziele besser erreichen lassen.

Empfehlungen: Wie können Stiftungen unabhängige Denkarbeit fördern?
Um den Wettbewerb der Ideen zu beleben, können Stiftungen bestehende Denkfabriken unterstützen, eigene Thinktanks ins Leben rufen – oder selbst als Ideenschmiede aktiv werden. Der erste Schritt besteht darin, Themen zu identifizieren und zu prüfen, ob diese bereits von anderen Thinktanks bearbeitet werden. Dabei sollten Stiftungen eine auf ihr Thema zugeschnittene Strategie entwickeln, ohne blind dem angelsächsischen Modell zu folgen, das auf Medienarbeit und öffentliche Debatten setzt. Dennoch empfehlen die Autoren mehr Mut zum eigenen Standpunkt, da die Anerkennung in der Wissenschaft hierzulande häufig wichtiger ist als die öffentliche Meinungsbildung. Statt kurz laufende Projekte zu unterstützen, sollten Stiftungen Denkfabriken nachhaltig finanzieren und auch Kooperationspartner gewinnen. Abgesehen von der finanziellen Förderung können Stiftungen Ideenschmieden auch mit ihren Mitarbeitern unterstützen und über ihre Netzwerke den Zugang zu Politik und Medien ermöglichen. Die Studie betont außerdem, dass Thinktanks unabhängig bleiben müssen und nicht für privatnützige Interessen missbraucht werden dürfen.
(20/01/12; Quelle: Bundesverband Deutscher Stiftungen)

Zur Übersicht "Akteure & Konzepte // Projekte & Programme"