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Was macht einen guten Lehrer aus?
Fachliche Experten gibt es genug an deutschen Schulen, doch sind auch alle für den Lehrerberuf geeignet? Johann Beichel, Leiter des Landeslehrerprüfungsamtes beim Regierungspräsidium in Karlsruhe, plädiert dafür, die bisherigen Modelle und Methoden zur Lehrerauswahl zu überarbeiten. Aus diesem Grund gründete der Pädagogikprofessor am KIT (Karlsruher Institut für Technologie) die Forschungsstelle „Lehrerberufseignung“, deren Arbeit seit August 2010 von der Klaus Tschira Stiftung unterstützt wird.
Neben dem notwendigen fachlichen Wissen und Können hält Johann Beichel auch „das Wollen, berufsethische Einstellungen und Werthaltungen in ästhetischen und moralischen Fragen für besonders bedeutsam“, um ein guter Lehrer zu sein. In staatlichen Lehramtsprüfungen werde bislang allerdings vorwiegend Wissen abgefragt. Die sogenannten Soft Skills, wie Emotionalität, Kommunikationsfähigkeit und -bereitschaft, Belastbarkeiten, Sorge, Respekt, Erfolgszuversicht, Humor oder Empathiefähigkeit blieben außen vor.
Mit seinem Forschungsteam erarbeitet Johann Beichel Konzepte, wie diese wichtigen Schlüsselqualifikationen erkannt und auch in Lehramtsprüfungen valider und justitiabler als bisher berücksichtigt werden können. Dafür bedürfe es vor allem transparenter Kriterien. Statt „realitätsfremder und lang vorbereiteter Lehrproben, die einer Laborsituation ähneln“, fordert Beichel, dass zum Bestehen des Examens „alltägliche Unterrichtssituationen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und aus verschiedenen Perspektiven beurteilt werden müssen.“ Denn wichtig sei es, dass Lehrer in der Lage seien, ihre Schüler für etwas zu begeistern und ihre Neugierde zu wecken. Nicht nur Reden, sondern vor allem aktives Handeln mache einen erfolgreichen Lehrer aus.
Die Forschungsstelle arbeitet zusammen mit vier Forschungsmodellschulen, in denen die erzieherische Wirkung und der unterrichtliche Erfolg von Lehrpersonen analysiert werden. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse sollen Aufschluss geben, wie man das Handeln der Lehrer in konkreten Unterrichtssituationen optimieren kann. Erste Erkenntnisse zeigen, dass vermehrt auf schulspezifische Eignungsaspekte der Lehrperson eingegangen werden muss, denn es entstehen immer mehr Schulprofile, die unterschiedliche Erwartungen und Anforderungen an das Lehrpersonal stellen.
In Zusammenarbeit mit der Juristischen Fakultät der Universität Heidelberg wird außerdem an einem Konzept gearbeitet, das eine Balance zwischen Validität und Justiziabilität berücksichtigen soll. Ziel der Forschung ist es eine Lehramtsprüfung zu entwickeln, die nicht nur reines erlerntes Wissen, sondern tatsächlich alle Berufseignungsaspekte der Lehrer überprüft und somit die Qualität, Effizienz und Validität in den Lehrerbildungsphasen und Lehramtsprüfungen erhöht. (11/07/11; Quelle: Klaus Tschira Stiftung)



