topad


Akteure & Konzepte

Projekte & Programme

Wie sprechen Tumorzellen auf Krebsmittel an?

Die Dietmar Hopp Stiftung unterstützt eine Forschergruppe der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg mit 90.000 € für ein hochempfindliches Messgerät: Die digitale Detektion von Tumoreiweißen erleichtert die Therapiesuche.

Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Mit einem neuen Messgerät können Wissenschaftler in Heidelberg jetzt schneller und genauer ermitteln, wie Krebszellen oder ganze Tumoren im Laborversuch auf neue Wirkstoffe ansprechen: Dazu messen sie die Menge bestimmter Eiweiße, die vor und nach der Behandlung in den Tumorzellen gebildet werden. Die Dietmar Hopp Stiftung hat die Anschaffung des hochmodernen “Odyssey CLx Infrared Imaging System” unterstützt. Das Gerät bestimmt mittels Infrarotlicht automatisch und in einem Arbeitsschritt die Menge mehrerer Proteine gleichzeitig – sowohl in Zellkulturen, Gewebeschnitten als auch in Mäusen.

“Das erleichtert die Suche nach neuen Krebstherapien”, sagt Professor Dr. Ingrid Herr, die am 1. März 2014 die administrative Leitung der Abteilung Experimentelle Chirurgie übernommen hat. “Dank modernem Equipment kommt unsere Forschung schneller beim Patienten an.”

Im Labor zeigt sich unter überschaubaren Bedingungen in kurzer Zeit, ob neue Substanzen zum Beispiel die Zellen des sehr aggressiven Bauchspeicheldrüsenkrebs schädigen oder soweit beeinflussen können, dass Chemotherapien besser zur Wirkung kommen. Nur die aussichtsreichsten Kandidaten werden weiter erforscht. Derzeit untersucht das Team um Ingrid Herr fünf solcher potentieller Krebsmedikamente, darunter den Brokkoli-Wirkstoff Sulforaphan.

Die Wissenschaftler zeigten in den letzten Jahren mit ihren Experimenten, dass der Inhaltsstoff aus Brokkoli und verwandtem Gemüse das Krebswachstum hemmt und die Wirkung von Chemotherapien verstärkt. Sie untersuchten u.a. Veränderungen in der Eiweißproduktion der Krebszellen und entdeckten, dass Sulforaphan einen bestimmten Signalweg in den besonders aggressiven Zellen des Bauchspeicheldrüsenkrebs blockiert. Mit diesem Stoffwechselweg schützen sich die Zellen vor der Chemotherapie. “Sulforaphan bricht die Resistenz der Krebszellen”, so Herr. Eigene Therapieversuche an Mäusen sowie Pilotstudien aus den USA zu anderen Krebsarten verliefen so vielversprechend, dass am Universitätsklinikum Heidelberg nun eine Patientenstudie gestartet wurde. Darin will das Team überprüfen, ob Sulforaphan aus Brokkolisprossen das Behandlungsergebnis bei Bauchspeicheldrüsenkrebs verbessern kann.

“Die Änderungen durch das neue Gerät zur Proteinmessung gleichen dem Umstieg vom handgeschriebenen Brief auf E-Mail – es erleichtert unsere Arbeit ungemein”, sagt die Biologin.

(16.4.2014 | Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg)

Zur Übersicht "Akteure & Konzepte // Projekte & Programme"