Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten
"Luther zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten!" Die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt hat auf einer Auktion in Basel einen verschollen geglaubten Brief von Martin Luther aus dem Jahr 1517 ersteigert. Der Preis lag bei 58.440 €. Der Ankauf konnte dank der Unterstützung des Kultusministeriums des Landes Sachsen-Anhalt und der Kulturstiftung der Länder realisiert werden.

Foto: Stiftung Luthergedenkstätten
Das ersteigerte Dokument ist ein Fragment eines Briefes an Johannes Lang. Diese Tatsache macht das Schriftstück einzigartig. Luther benutzte ungewöhnlicherweise ein Querformat, von dem die linke Seite fehlt. Es sind jedoch das Datum und die Unterschrift erhalten. Luther unterschrieb den Brief vom 28. März 1517 noch in seiner alten Namensform “Luder”.
1756 muss der Brief noch vollständig erhalten gewesen sein, aus dieser Zeit stammt der bisher einzig bekannte Satz des Dokuments: “Selbst ein Karlstadt ist bereit, sogar mit Vergnügen allen derartigen Sophisten und Juristen zu widersprechen. Er wird es tun und Erfolg haben.” Der Satz bezieht sich auf Luthers Kollegen und Doktorvater Andreas Bodenstein aus Karlstadt, der Luthers Theologie ursprünglich kritisch gegenüberstand. Das Brieffragment steht zeitlich an einem Wendepunkt. Luther erhielt von vielen Seiten Bestätigung und konnte feststellen, dass immer mehr Gelehrte sich seiner Auffassung anschlossen. Luther zeigt sich in dem Brief an Johannes Lang darüber erleichtert: “Benedictus Deus Amen.”
Kultusminister Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz: “Sachsen-Anhalt ist das Kernland der Reformation. Der protestantische Glaube war wichtiger Nährboden für die kulturelle Verwurzelung der Menschen hier im Land – und ist es bis heute; unabhängig davon, ob jemand gläubig ist oder nicht. Das Leben und Wirken Martin Luthers gehört zur prägenden Geschichte dieser Region. Deshalb ist es unsere Pflicht, die erhaltenen Zeugnisse aus jener Zeit für die Nachwelt zu bewahren.”
“An keinem anderen Ort Deutschlands hat ein eigenhändiger Brief Martin Luthers aus dem Jahr des Thesenanschlags mehr Bedeutung als in der Lutherstadt Wittenberg”, sagte Dr. Martin Hoernes, stellver-
tretender Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder.
Beim weiteren Briefinhalt handelt es sich um einen Mix von Themen, der für den Briefwechsel zwischen Martin Luther und Johannes Lang typisch gewesen ist. Es geht um universitäre Interna, um das Ver-hältnis der Klöster Erfurt und Wittenberg und um Geld. Wittenberg diente als Fortbildungsakademie der deutschen Ordensprovinz der Augustiner. Etwa die Hälfte der Mönche kam aus anderen Klöstern zum Studium nach Wittenberg. Dafür sollten deren Mutterklöster Gebühren entrichten, was immer wieder zu Problemen führte.
Der Brief wird ediert und auf Dauer in der Schatzkammer des Lutherhauses ausgestellt.
Der exakte Kaufpreis lag bei 88.069,- SFR, dies entspricht 58.440,82 €. Davon tragen das Kulturministerium und die Kulturstiftung der Länder jeweils 14.220,- €, die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt finanziert 30.000,82 € aus Eigenmitteln.



