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Jens Mittelsten Scheid kritisiert Wachstums-Ideologie

Der Träger des Deutschen Stifterpreises 2010, Jens Mittelsten Scheid, hat die Fixierung der Politik auf das Wirtschaftswachstum kritisiert. Neben Produktion, Handel und Konsum seien das subjektive Wohlbefinden, die soziale Einbindung, das kulturelle Leben, Kreativität und ehrenamtliches Engagement ebenso wichtige Elemente gesellschaftlicher Entwicklung, sagte der 68-jährige Stifter in seiner Dankrede zu der ideellen Auszeichnung auf dem Deutschen Stiftungstag am 7. Mai in Frankfurt am Main.

Jugendliche, die das Gefühl von Sinnlosigkeit hätten, investierten nicht in ihre Bildung, führte Mittelsten Scheid aus. Bürger, die sich sozial nicht eingebunden fühlten, reagierten orientierungslos. Menschen, die nur auf ihr Konto schauten, verspürten kaum noch ihre gesellschaftliche Verantwortung. Außerhalb des ökonomischen Denkens gebe es viele Stellschrauben, um die großen gesellschaftlichen Probleme wie die Finanzierung der Sozialsysteme, die Überschuldung der Staates und die Schaffung auskömmlicher Beschäftigungsverhältnisse zu bewältigen.

Der Stifter verwies auf den Vorsprung der japanischen Automobilindustrie in den 1980er Jahren, die die Mitarbeiter nicht in den Takt der Fließbänder eingezwängt habe, sondern auf weitgehend selbstständig und eigenverantwortlich arbeitende Gruppen gesetzt und daraus einen Kosten- und Qualitätsvorteil erzielt habe. Die vielfältigen Fähigkeiten der Menschen lägen brach, weil sie gesellschaftlich nicht hinreichend wertgeschätzt würden und zu wenig Entfaltungsraum erhielten, urteilte Mittelsten Scheid: “Menschen, die spüren, dass sich Engagement lohnt, bringen mehr. Menschen, die sich sozial eingebunden fühlen, helfen. Menschen, die gemeinsame Visionen haben, schauen nicht ständig auf die Uhr.” (11/05/10; Quellen: SZ; dpa)

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