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US-Stiftungen fördern Qualitätsjournalismus mit 100 Millionen Dollar pro Jahr
Das internationale und auch das deutsche Mediensystem haben in den letzten Jahren tiefgreifende Veränderungen erfahren. Daher stellt sich die Frage, ob der Journalismus die ihm zugeschriebene Rolle in der Demokratie noch erfüllen kann - insbesondere die Kritik- und Kontrollfunktion gegenüber Wirtschaft, Politik und Gesellschaft scheint auf dem Spiel zu stehen. In den USA, wo Finanz- und Medienkrise härter ausgefallen sind als in Europa, haben sich neue Modelle für Qualitätsjournalismus und investigative Recherche entwickelt – getragen von Stiftungen und Non-Profit-Organisationen. Eine neue, vom Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus der Technischen Universität Dortmund initiierte und an der University of Wisconsin-Madison umgesetzte Studie, präsentiert nun die wichtigsten im Mediensektor engagierten US-Stiftungen und ihre Programme. Der Bericht „Finanzierung journalistischer Aktivitäten durch gemeinnützige Organisationen in den USA“ wird heute, am 20. Juni, beim Akademietag im Rahmen der Berliner Stiftungswoche vorgestellt.
Die Studie stellt erstmals in übersichtlicher Form vor, welche Medien-Projekte amerikanische Stiftungen und Non-Profit-Organisationen fördern, um dem drohenden Verschwinden des Qualitätsjournalismus entgegen zu treten: Allein in den letzten zehn Jahren hat der gemeinnützige Sektor in den USA hier über eine Mrd. Dollar investiert. Damit belaufen sich die Fördermittel für journalistische Kommunikation auf rund 100 Mio. Dollar pro Jahr.
Die federführend von Prof. Lewis Friedland vom Center for Communication and Democracy (University of Wisconsin-Madison) durchgeführte Analyse beschreibt, wie in den USA in den letzten zehn Jahren ein lebendiger gemeinnützig finanzierter Journalismus entstanden ist: Das Engagement der amerikanischen Stiftungen hat beachtliche Auswirkungen auf die Praxis im Lokaljournalismus, im investigativen Journalismus und im Feld ausgewählter Themen wie Gesundheitspolitik. Neue technische Möglichkeiten wurden entwickelt und Ausbildungszentren für Journalisten aufgebaut. Laut der Studie bietet die Stiftungsfinanzierung ein Fundament für neue Ideen, die Lücken in der von Umbrüchen geprägten Medienlandschaft schließen. Gleichzeitig zeigt das amerikanische Beispiel, dass große Experimente mit relativ bescheidenen Mitteln angeschoben und neue Formen des Qualitätsjournalismus erprobt werden können. Zugleich macht der Bericht auch deutlich, an welche Grenzen die Stiftungsfinanzierung von Journalismus stößt – beispielsweise mit Blick auf die Nachhaltigkeit der Projekte oder die Refinanzierung durch das Publikum.
Für den Bericht wurde der gesamte Bereich der gemeinnützigen Förderung journalistischer Tätigkeit in den USA in den vergangenen 30 Jahren untersucht. In einer Datenbank wurden rund 700 Förderprojekte im Bereich Journalismus und Kommunikation zusammengestellt und analysiert. Zudem wurde die Geschichte der Finanzierung journalistischer Kommunikation durch gemeinnützige Einrichtungen seit den 1930er Jahren untersucht. Schließlich wurden Interviews mit Schlüsselpersonen aus dem Bereich des stiftungsfinanzierten Journalismus geführt, die in den Bericht eingeflossen sind.
In Auftrag gegeben wurde die Studie von Prof. Holger Wormer, Institut für Journalistik der Technischen Universität Dortmund. Redaktion und Koordination lagen bei der gemeinnützigen Organisation Active Philanthropy, die Stiftern und Spendern eine Plattform zum Austausch ihrer Ideen und Erfahrungen liefert.
Die Studie stellt einen Ausgangspunkt für die Diskussion zur Entwicklung und Erprobung neuer, stiftungsfinanzierter Modelle für Qualitätsjournalismus in Deutschland dar. Die Analyse und Darstellung des Feldes in den USA soll Impulse für einen weiterreichenden Dialog zwischen den Akteuren aus dem journalistischen und dem Stiftungsumfeld in Deutschland geben.
Die in Teilen durchaus vergleichbaren Rahmenbedingungen in den USA und Europa den Schluss zu, dass mit einem durchdachten Stiftungsengagement in Europa die Chancen für den Erhalt des Qualitätsjournalismus gut stehen.
(20/6/11; Quelle: Technische Universität Dortmund)



