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Väter sind Vorlesemuffel
Väter finden Vorlesen wichtig – aber sie tun es leider viel zu selten oder gar nicht! So das Ergebnis der letzten Vorlesestudie, die 2008 von der Deutschen Bahn, der Wochenzeitung DIE ZEIT sowie der Stiftung Lesen anlässlich des bundesweiten Vorlesetages am 13. November durchgeführt wurde. Danach gaben die befragten Kinder an, dass nur acht Prozent der Väter vorlesen, die Mütter dagegen achtmal so häufig.

Foto: Stiftung Lesen
„Es genügt, wenn einer von uns beiden vorliest und das ist meistens meine Frau“, erklärten 55 Prozent der befragten Nicht-Vorleser. 38 % behaupten: „Meine Frau kann viel besser vorlesen“ – und fast ebenso viele (33 %) meinen, dass der Nachwuchs das ebenso sieht. Die Studie „Warum Väter nicht vorlesen“ ist die dritte Untersuchung, mit der die Initiatoren dem Vorlesen auf der Spur sind: In den Vorjahren wurden Eltern bzw. Kinder zum Vorlese-Klima in der Familie befragt. Zwei Drittel der Kinder betonen: „Meistens liest Mama vor.“ Nur jedes fünfte Kind gab an, dass auch der Vater als Vorleser präsent ist.
„Väter, die ihren Kindern vorlesen, sind unverzichtbare Vorbilder: Sie setzen Impulse für lebenslange Freude an der Lektüre von Büchern“, erklärte Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer der Wochenzeitung DIE ZEIT. Sie initiiert gemeinsam mit der Stiftung Lesen den bundesweiten Vorlesetag, Hauptpartner ist die Deutsche Bahn. Esser: „55 % der Väter, die nicht vorlesen, sagen, dass ihnen die Zeit dafür fehlt. Ich glaube, das ist ein Trugschluss. Unsere Aktivitäten mit dem Höhepunkt des bundesweiten Vorlesetages zeigen: Vorlesen ist ein vergleichsweise kleines zeitliches Investment mit hoher Rendite für die kindliche Entwicklung.“
Auch nach Ansicht von Dr. Antje Lüssenhop, Leiterin PR und Interne Kommunikation der Deutschen Bahn, besteht kein Anlass zu resignieren und die Vorlese-Muffel unter den Vätern links liegen zu lassen. Sie hebt eine wichtige positive Erkenntnis der Studie hervor: „Über drei Viertel aller nicht-vorlesenden Papas sind fest davon überzeugt, dass Vorlesen wichtig für die Entwicklung von Kindern ist. Hier gilt es anzusetzen. Immerhin zwei Drittel von ihnen räumen ein, sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein.“
Laut Prof. Dr. Stefan Aufenanger, Wissenschaftlicher Berater der Stiftung Lesen, liegt der Schlüssel zur Steigerung der Vorlesemotivation bei Vätern darin, Vorlesen stärker in ihre Freizeitaktivitäten mit den Kindern zu integrieren: „Laut Studie stehen Draußen-Spielen und Herumtoben oben auf der Aktions-Hitliste der Väter. Mit Vorlesen assoziieren Väter dagegen die Einschlaf-Situation. Dabei kann man nicht nur in der Kuschelecke vorlesen, sondern auch auf dem Spielplatz als Einstimmung in eine actionreiche Piraten-Schatzsuche.“
Rund 8.000 Vorleserinnen und Vorleser beteiligen sich am diesjährigen bundesweiten Vorlesetag am 13. November. Der Aktionstag, der zum sechsten Mal stattfindet, folgt der Idee: Jeder, der Spaß am Vorlesen hat, liest an diesem Tag vor – zum Beispiel in Schulen, Kindergärten, Bibliotheken oder Buchhandlungen. Viele Prominente aus Politik, Kultur, Medien und Sport sind dabei: unter anderem die Bundesminister Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Dr. Thomas de Maiziére, Bundesminister des Inneren, Dr. Wolfgang Schäuble, Bundesminister für Finanzen und prominente Persönlichkeiten wie Christoph Biemann, Marco Bode, Jette Joop, Dominic Raacke, Marietta Slomka, Wolfgang Stumph und Rolf Zuckowski.
Am bundesweiten Vorlesetag führt die Deutsche Bahn zahlreiche Vorlese-Aktionen durch. Höhepunkt ist die Fahrt eines mit Marie Luise Marjan, Ranga Yogeshwar und weiteren Prominenten besetzten Lesezugs durch die Metropole RUHR, Kulturhauptstadt Europas 2010. Die Aktion ist Teil des Engagements der DB als Hauptsponsor von RUHR.2010. Auch fast 170 DB-Mitarbeiter lesen bundesweit in Kindereinrichtungen sowie an besonderen Bahn-Orten vor, so beispielsweise im Nürnberger DB-Museum oder dem ICE-Werk Hamburg Eidelstedt. Weiterhin verteilt das Unternehmen gezielt 300 hochwertige Vorlese- und Bücherkoffer mit vielen pädagogischen Leseanregungen an Kinderheime bzw. Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Ziel ist, bis Ende 2010 3.000 Einrichtungen in Deutschland mit entsprechenden Koffern auszustatten, rund 2.000 Koffer werden bis Ende 2009 übergeben.
In aufregende Lese-Welten abtauchen und die Leseförderung unterstützen: Das können die Leser der von ZEIT-Redakteurin Dr. Susanne Gaschke erstellten ZEIT-Buchedition „Fantastische Geschichten für junge Leser.“ Ihr Reinerlös kommt der Stiftung Lesen zugute. Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer DIE ZEIT, nahm die Pressekonferenz zum Anlass, um Heinrich Kreibich, Geschäftsführer der Stiftung Lesen, als Zwischenstand der erfolgreichen Charity-Aktion einen Scheck in Höhe von 10.000 € zu überreichen.
Der Vorlesetag wird 2009 von einem erweiterten Partner- und Aktionsnetzwerk getragen: Der Deutsche Bibliotheksverband e. V. bindet den Vorlesetag als den abschließenden Höhepunkt seiner Aktionswoche „Deutschland liest. Treffpunkt Bibliothek“ mit ein (www.treffpunkt-bibliothek.de). (03/11/09)



