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Zwei Berliner Organisationen unter Beschuss

Die Treberhilfe Berlin und der Verein Hatun & Can stehen in der Kritik, mehr Gutes für ihre Funktionäre als für ihre Schützlinge zu tun. Der gemeinnützige Frauennothilfeverein Hatun & Can wurde nach der Ermordung der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü gegründet, die von ihrem Bruder erschossen wurde. Die Vereinsmitglieder setzen sich für eine schnelle und unbürokratische Hilfe für Mädchen und Frauen ein, die Schutz vor gewalttätigen Ehemännern suchen oder nicht zwangsverheiratet werden wollen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Betrugs und Untreue gegen drei Verantwortliche des Vereins. Wohnungen wurden durchsucht, Konten und ein Auto beschlagnahmt, das der Verein für 63.000 € vom Spendengeld gekauft hatte.

Die Ermittlungen gehen zurück auf eine Anzeige von Schwarzer, der Frauenrechtlerin Necla Kelek, die im Verein mitarbeitet, und der RTL-Stiftung. Wie die Frankfurter Rundschau in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, hatten sie den Eindruck, “dass Missbrauch, wenn nicht gar Betrug im Spiel ist”, teilte Schwarzer mit. Der Vereinschef – der sich nach ihren Angaben Andreas Becker nannte, aber in wirklich Udo D. heißt – habe sich in den Wochen nach der Spende “immer nur sehr knapp und vage” geäußert. Er habe nicht sagen können, wofür das Geld verwendet werden soll und mit wem der Verein zusammenarbeite. RTL forderte den Verein auf, die Spende bis zu einer Klärung zurück zu überweisen, dann kam es zur Anzeige.
Der Anwalt des Vereinschefs, Hubert Dreyling, weist alle Vorwürfe als “haltlos und widerlegt” zurück. In zwei Finanzberichten sei detailliert aufgeführt, wofür das Geld aus der Spende ausgegeben wurde. “Die Gegenseite hat davon Kenntnis.” Er wirft Schwarzer vor, die Vorwürfe leichtfertig zu erheben, mit der Folge, dass man derzeit keine Hilfe leisten könne. Von der Spende seien rund 100.000 € ausgegeben worden, um Wohnungen anzumieten und Frauen umzuquartieren. Dafür sei auch das Auto gekauft worden. Laut Schwarzer ist es ein BMW.
Ebenfalls um ein Auto geht es bei den Vorwürfen gegen die Treberhilfe Berlin, die sich seit über 30 Jahren um Obdachlose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen kümmert. Die gemeinnützige GmbH betreibt 28 Einrichtungen wie Krisendienste und Wohnprojekte. Der Chef, Harald Ehlert, fährt als Dienstwagen einen Maserati, der laut Hersteller mindestens 114.000 € kostet. Ehlert begründet das mit “Repräsentationszwecken”: Wenn er Immobilien kaufen wolle, um sie für Obdachlose zu sanieren, brauche er Fremdkapital. “Als Sozialinvestor werden sie oft nicht ernst genommen”, sagt Ehlert gestern gegenüber den Medien

In den vergangenen vier Jahren habe die Treberhilfe 13 Mio. € Fremdkapital für Immobilien eingeworben. Dass das ohne den Maserati nicht gegangen wäre, “kann ich natürlich nicht beweisen”, so Ehlert. Dank Sonderkonditionen habe der Wagen nicht mehr als ein Audi A6 gekostet; er sei als gemeinnütziges Vermögen anerkannt. Seine 280 Mitarbeiter hätten keine Bedenken gehabt, sagt Ehlert. 2009 bekam die Treberhilfe aus Zuschüssen vom Senat und Zahlungen von Bezirken und Jobcentern 15 Mio. €. (19/02/10: Quellen: Inforadio, FR, Der Tagesspiegel)

Hören Sie zum Thema Burkhard Wilke, Geschäftsführer vom Deutschen Institut für soziale Fragen, im Gespräch mit Irina Grabowski / rbb –Inforadio

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