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Ex-Häftlinge bestzen altes Stasigefängnis in Erfurt
Interessenkonflikt zwischen der Stiftung und der Gedenkstätte befürchtet
Mehrere Ex-Häftlinge haben am Samstag das einstige Stasigefängnis in Erfurt besetzt. Damit wollen sie mehr Mitspracherecht bei der künftigen Nutzung des Hauses erreichen. Das Land will das alte Gefängnis in eine Gedenkstätte verwandelen. Die ehemaligen Insassen sind mit diesen Plänen jedoch nicht einverstanden und fordern mehr Mitspracherecht bei der Ausgestaltung des Hauses und der Aufarbeitung seiner Geschichte.
Der Vorsitzende des Vereins “Freiheit e.V.”, Joachim Heise, sagte dem MDR Fernsehen, man kämpfe darum, mehr Einfluss auf die Gestaltung der künftigen Gedenkstätte zu erlangen. Bislang sei das sei noch nicht gelungen, weil die Thüringer Landesregierung den Verein ignoriert und von den Planungen für das Haus ausgeschlossen habe. “Wir sind der Spielball der Landesregierung. Bei wichtigen Entscheidungen werden wir immer ausgegrenzt”, so Heise. Er bestätigte, dass sich einer der Besetzer im Hungerstreik befinde.
Das Gebäude des ehemaligen Gefängnisses in der Erfurter Andreasstraße steht seit Ende 2002 leer. Der Verein “Freiheit e.V.” hatte sich bereits erfolgreich gegen einen Abriss des Hauses eingesetzt und bietet seit 2005 Ausstellungen und Führungen durch die Räumlichkeiten an. Nun soll das einstige Hafthaus zum Gedenk- und Lernort ausgebaut werden. Dazu wurde vom Land die “Thüringer Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur” gegründet. Unter ihrem Dach sollen neben dem Aufbau der Gedenkstätte auch die Arbeit von drei Grenzlandmuseen und sowie weiteren Gedenkstätten konzentriert werden.
Die protestierenden Mitglieder des “Freiheit e.V.” befürchten jedoch einen Interessenkonflikt zwischen der Stiftung und der Gedenkstätte Andreasstraße. Vereinsvorsitzender Heise forderte deshalb einen Kooperationsvertrag zwischen Verein und Stiftung. Nach seinen Vorstellungen sollte die künftige Gedenkstätte vom “Freiheit e.V.” unter dem Dach der Stiftung geführt werden.
Landesregierung weist Vorwürfe zurück
Der zuständige Thüringer Staatssekretär Thomas Deufel sagte, er sei überrascht von der Aktion und sehe keinen Anlass dafür. Man habe dem Verein bereits zugesichert, dass er in die Planungen eingebunden werde. Bezüglich der der Gedenkstätte seien auch noch keinerlei Entscheidungen getroffen worden.
Im ehemaligen Stasigefängnis Erfurt soll die DDR-Staatssicherheit zwischen 1952 und 1989 etwa 5.000 Menschen psychisch und physisch gefoltert haben. (04/01/10; Quellen: MDR, Thüringer Allgemeine)



