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Hamburg: Neue Wege bei der Museumsentwicklung
Mehr Geld für Sonderausstellungen in Hamburgs Museen ab 2011, jedoch eingeschränkte Entscheidungsfreiheit für die einzelnen Häuser. Die Stadt Hamburg als Kontrollorgan dafür gestärkt. Das ist das Ergebnis der neuen Senatsbeschlüsse, die Karin von Welck (parteilos), Senatorin für Kultur, Sport und Medien, auf der gestrigen Landespressekonferenz vorstellte. Grundlage für die Fortsetzung des 2007 gestarteten Museumsentwicklungsplanes waren die Empfehlungen der von der Senatorin einberufenen Expertenkommission.
Die wirtschaftliche Analyse der Experten ergebe, dass die Summe der Zuschüsse und der regulären Erträge für den Grundbetrieb der einzelnen Häuser im Prinzip ausreiche, die Mittel für Sondermaßnahmen aber eingeworben werden sollten. Daher solle in den Wirtschaftsplänen in Zukunft zwischen Museumsbetrieb und Sondermaßnahmen unterschieden werden. Für die Finanzierung von Sonderausstellungen werde der Senat bei der Bürgerschaft zum Haushalt 2011/2012 die Einrichtung eines zentralen Fonds in Höhe von 2 Mio. pro Jahr beantragen. Über die Vergabe der Mittel soll eine Jury entscheiden. Um die Museen dabei zu unterstützen, in den Jahren 2010 bis 2012 ausgeglichene Jahresergebnisse erzielen, werde den Stiftungen eine zinslose Liquiditätshilfe für die bis Ende 2009 aufgelaufenen Fehlbeträge gewährt. Bei erfolgreicher Konsolidierung stelle der Senat für 2013/2014 eine weitere Entschuldung in Aussicht. Der Zuschuss für die Kunsthalle soll im Jahr 2010 einmalig um 1,9 Mio. € erhöht werden, um die Stiftung von den finanziellen Problemen durch die Rückabwicklung der Versicherungssumme für das gestohlene und wieder aufgetauchte Gemälde „Nebelschwaden“ von Caspar David Friedrich zu entlasten.
Für eine konsequente Umsetzung der neuen Finanzstrukturen soll das Controlling innerhalb der Stiftungen und der Behörde für Kultur, Sport und Medien (BKSM) optimiert und klare Ziel- und Leistungsvereinbarungen zwischen Stiftungsräten und Vorständen sowie zwischen der BKSM und den Stiftungen vereinbart werden. Um die Verantwortlichkeiten eindeutig und verbindlich festzulegen, werden die Stiftungsräte und Vorstände neu organisiert, sowie Kuratorien als Beratungsgremien installiert. Um im Vorstand museumsfachliche wie wirtschaftliche Kompetenzen zu gewährleisten, könne er jeweils aus bis zu zwei Personen bestehen. Bei der Stiftung Historische Museen sollen die vier Direktoren der jeweiligen Museen nicht mehr im Vorstand vertreten sein, sondern ein Generaldirektor als Mitglied des Vorstands bestellt werden. Auch hier könne der Vorstand aus bis zu zwei Personen bestehen. Um die Arbeit der Vorstände noch effektiver begleiten zu können, sollen die Stiftungsräte um die Hälfte der Mitglieder verkleinert werden. Die Freie und Hansestadt Hamburg werde darin durch die Behörde für Kultur, Sport und Medien und die Finanzbehörde mehrheitlich vertreten sein. Weitere Mitglieder sollen jeweils ein externer Sachverständiger, ein Vertreter der Freundeskreise, ein Personalratsmitglied der jeweiligen Stiftung und, bei der Stiftung Historische Museen, der Landrat des Landkreises Harburg sein. Darüber hinaus soll die Beratung durch Vertreter der Freundeskreise und andere Persönlichkeiten weiter ausgebaut werden – durch Kuratorien, die vor allem bei Sonderausstellungen, Veranstaltungen und der Neugestaltung von Dauerausstellungen mit entscheiden. Die Stiftungsausschüsse der vier stadt- und kulturgeschichtlichen Museen gehen in ein gemeinsames Kuratorium bei der Stiftung Historische Museen über.
Bereits begonnene digitale Grundinventarisierung für die Sammlungsbestände aller vier Museumsstiftungen soll mit hoher Priorität weiter verfolgt und in den nächsten fünf Jahren abgeschlossen werden. Um die Erfassung der Sammlungsbestände der Stiftung Historische Museen noch in diesem Jahr fortzusetzen, werden für 2010 bei der Bürgerschaft Mittel in Höhe von 500.000 € beantragt. Die für das Gesamtprojekt benötigten investiven Mittel sollen für den Haushalt 2011/12 angemeldet werden. Außerdem wird die Errichtung eines zentralen Kulturspeichers weiterverfolgt. Der Ausbau des Hafenmuseums und die Neugestaltung der Dauerausstellungen der Museen sollen nach erfolgreicher Konsolidierung und Abschluss der Planungen für den zentralen Kulturspeicher weiter verfolgt werden. Die konzeptionellen Grundlagen dafür seien bereits jetzt geschaffen, zum Beispiel durch die Entwicklung eines Masterplans zum Ausbau des Hafenmuseums durch das Studio Andreas Heller, der im Herbst 2010 vorliegen soll. (24/03/10; Quelle: Die Welt / Hamburger Behörde für Kultur, Sport und Medien)



