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Kieler Hochschule lehnt Sparkonzept ab

Die Leitung der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) hat am Dienstag das alternative Sparkonzept zur Rettung des Medizinstudiengangs an der Lübecker Uni abgelehnt. Die Verantwortlichen in Kiel sprechen von einem beispiellosen Vorgang. Sie bezeichnen den Vorschlag als unberechtigten Eingriff in die Strukturen einer anderen Universität. Das berichtete die NDR 1 Welle Nord. Die Verantwortlichen der Kieler Uni werfen den Lübeckern vor, die eigene Fakultät auf Kosten des Kieler Standorts retten zu wollen. Nach Meinung der CAU-Leitung ist das Ziel des Lübecker Sparprogramms, Geld aus Kiel abzuziehen.

CAU-Präsident Gerhard Fouquet hatte nach eigenen Angaben Gesprächsbereitschaft signalisiert, um ein gemeinsames Konzept zu erarbeiten. Das sei aber abgelehnt worden. Aus seiner Sicht macht es keinen Sinn, statt einer gemeinsamen Mannschaft zwei halbe Teams an verschiedenen Standorten zu bilden, die nicht konkurrenzfähig sind. “Nunmehr ist leider der Versuch der Wissenschaftler, eine Einigung zu Gunsten der Exzellenzforschung zu erzielen, gescheitert”, sagte Fouquet.

Neben der Kieler Hochschul-Leitung kommt auch von den UKSH-Verantwortlichen Kritik am Lübecker Konzept. “Wir haben Verständnis für das Anliegen der Uni Lübeck”, sagte der Vorstandsvorsitzende des UKSH, Jens Scholz. “Aber das Präsidium der Uni verlangt, dass die vermeintliche Rettung des Medizinstudienganges vom UKSH bezahlt wird.” Scholz warnt, dass die Studentenzahlen unmittelbar mit der Bettenkapazität des UKSH zusammenhängen. Würde das Lübecker Alternativkonzept realisiert, müsse auch beim UKSH-Personal gespart werden, sagte Scholz.

Unterdessen wurde bekannt, dass der Bund den Universitäts-Standort Lübeck stärken will. Der Wissenschaftsrat von Bund und Ländern hat ein 38 Millionen Euro teures Gehirnzentrum in Lübeck auf Platz drei seiner Prioritätenliste gesetzt. 19 Millionen Euro kämen dann vom Bund. Entscheidend sei jedoch, dass es in Lübeck weiterhin Forschung und Lehre gebe, sagte der Generalsekretär des Wissenschaftsrates Thomas May.

Dem Lübecker Sparkonzept zufolge soll die Zahl der Erstsemester im Fachbereich Humanmedizin sowohl in Lübeck als auch in Kiel von 240 auf 160 Studenten reduziert werden. Die Landeszuschüsse für Forschung und Lehre würden dementsprechend gekürzt, in Lübeck allerdings überproportional. Das will die Uni in der Hansestadt ausgleichen, indem sie als Stiftungs-Universität Mittel aus der Privatwirtschaft einwirbt und möglicherweise auch Studiengebühren erhebt. Kritiker dieses Modells bezweifeln, dass damit die nötigen Millionensummen hereinzuholen sind. Doch Lübecks Unipräsident Peter Dominiak, der die Idee einer Stiftungsuni seit Jahren vorantreibt, zeigt sich optimistisch. Sein Ziel sei es, mit dem neuen Konzept die nötige Einsparsumme von 150 Mio € bis 2020 aufzubringen und gleichzeitig den Standort Lübeck mit Forschung und Lehre zu sichern.

Mehrere Lübecker Firmen und die Possehl-Stiftung der Hansestadt hatten schon im Vorfeld finanzielle Unterstützung signalisiert. Zurzeit gehören von den 2.500 Studienplätzen der Lübecker Uni etwa 1.500 zur Medizinischen Fakultät. Sollte diese geschlossen werden, befürchtet Dominiak das Aus der ganzen Hochschule.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Hansestadt sammelte nach eigenen Angaben etwa 50.000 Unterschriften für den Erhalt der Medizinischen Fakultät. Die Liste soll dem Kabinett in Kiel zu Beginn der kommenden Woche überreicht werden. Bis dahin sollte sich die Landesregierung nach Auffassung eines Sprechers des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) für oder gegen das Sparkonzept aussprechen. Das Klinikum könne durch den Zustand politischer Entscheidungslosigkeit Fachpersonal weder halten noch neue Stellen besetzen. Experten wie dem Lübecker Schlafforscher Jan Born liegen offenbar mehrere Angebote von anderen Universitäten vor. Der Wissenschaftler gehört zu den populärsten der Hochschule. Studenten sowie Mitarbeiter der Hochschule und des Uni-Klinikums kämpfen seit Wochen für den Erhalt des Medizin-Studienganges. (07/07/10; Quellen: NDR, dpa)

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