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Klassik Stiftung Weimar: Gesamtkonzept soll überarbeitet werden

Der Klassik Stiftung Weimar mangelt es nach Ansicht des Wissenschaftsratens an einem Gesamtkonzept mit eindeutigen Schwerpunkten. Auf seiner Frühjahrstagung bescheinigte der Rat der Stiftung zwar Fortschritte in den letzten Jahren sowie hervorragende Forschungsleistungen. Aus wissenschaftlicher Sicht habe sich die Stiftung seit 2004 deutlich positiv weiterentwickelt. Bei aller Leistungsstärke im Einzelnen sei es aber noch nicht gelungen, ein Gesamtkonzept zu entwickeln. Dies sei aber nötig, um die Klassikerstadt in ihrer gesamten Bedeutung für die deutsche Geschichte zu erfassen. Eine Expertenkommission des Rates hatte die zweitgrößte Kulturstiftung Deutschlands nach 2004 zum zweiten Mal unter die Lupe genommen.

Anna Amalia Bibliothek / Foto: © Klassik Stiftung Weimar

Der Wissenschaftsrat kritisierte, im bisherigen Forschungs- und Bildungskonzept sowie im Masterplan “Kosmos Weimar” mit den Vorhaben bis 2017 würden das Selbstverständnis und die Ziele der Stiftung nur vage beschrieben. Zudem fokussiere man sich zu stark auf das Weimar der Klassik. Weimar sollte jedoch nicht nur als Stätte einer herausragenden Hofkultur und des Wirkens großer Schriftsteller und Philosophen gesehen werden, sondern verstärkt auch zum Beispiel als Namensgeber der Weimarer Verfassung und Republik, als Stadt im Nationalsozialismus oder als Standort für das Konzentrations- und spätere sowjetische Speziallager Buchenwald sowie als Zentrum der nationalen Memorialkultur in der DDR.

Der Ratsvorsitzende Wolfgang Marquardt erklärte, viele Schwierigkeiten der Stiftung würden damit zusammenhängen, dass die Mittel fehlten, um den umfangreichen Aufgaben angemessen nachkommen zu können. Die Stiftung müsse daher effizienter planen und Prioritäten setzen. Zudem empfiehlt der Wissenschaftsrat eine bessere Kooperation der verschiedenen Direktionen innerhalb der Stiftung und eine Zusammenarbeit mit den Hochschulen in der Region. Auch befürwortete der Rat einen Verbund mit den beiden anderen großen Literatur-Forschungseinrichtungen in Deutschland. Die Klassik Stiftung Weimar, das Deutsche Literaturarchiv Marbach und die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel seien zentrale Orte für die Bewahrung, Pflege und Erschließung der deutschen literarischen und intellektuellen Tradition seit dem Mittelalter. Ein Verbund könne ihre Stellung in den internationalen Geisteswissenschaften verbessern.

Thüringens Bildungsminister und Stiftungsratschef Christoph Matschie begrüßte die Anregungen des Wissenschaftsrats. Der Stiftungsrat werde nun den Präsidenten bitten, bis Herbst 2011 Umsetzungsvorschläge vorzulegen. Vordringlichste Aufgabe sei es, das Gesamtkonzept voranzubringen. Dafür müsse die Forschung stärker mit der Bildungsarbeit verbunden werden und damit die öffentliche Wahrnehmung des klassischen Erbes zu erhöhen. Klassik und Gegenwartsthemen müssten stärker miteinander verknüpft werden. Laut Empfehlung müssten die Baumaßnahmen auch stärker im Gesamtkonzept verankert werden. Bis 2017 stünden für Investitionen rund 160 Mi0. € zur Verfügung, unter anderem für das geplante Museum im Schloss.

Stiftungspräsident Hellmut Seemann dankte dem Rat für die Kritik. Auch er sehe Schwerpunkt in der Erarbeitung eines Gesamtkonzepts. Er verwies auf bereits vorliegende Teilkonzepte. Der Masterplan “Kosmos Weimar” solle fortgeschrieben werden. Im Sommer werde der internationale Architektenwettbewerb für das neue Bauhaus-Museum ausgelobt, das 2015 eröffnet werden soll. Das sanierte Goethe- und Schiller-Archiv werde Mitte 2012 wiedereröffnet. Im kommenden Jahr solle auch der Bau des Zentralen Museumsdepots beginnen. Die Fertigstellung im Winter 2012/2013 sei Voraussetzung, um die Umgestaltung des Schlosses in Angriff zu nehmen. Zugleich versprach Seemann, die Kooperation mit anderen Einrichtungen werde ausgebaut. (30/05/11; Quelle: Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Thürigen / Thüringische Landeszeitung)

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