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SPD-Fraktionschef besucht Stiftung Liebenau

Um sozial-fachliche Anliegen und politische Entwicklungen in Baden-Württemberg ging es bei einem Treffen von Vorstand und Geschäftsführungen der Stiftung Liebenau mit dem SPD-Fraktionschef im Landtag Claus Schmiedel, seinem parlamentarischen Berater Roland Klose und dem Meckenbeurer SPD-Ortsvorsitzenden Norbert Kiwatsch. Mit großem Interesse verfolgten die Gäste aus Stuttgart die Liebenauer Berichte von erfolgreichen Modellen und strukturellen Hindernissen.

„Was ist politisch und fachlich nötig, damit Menschen mit Beeinträchtigungen gleichberechtigt teilhaben können am gesellschaftlichen Leben?“, war das zentrale Thema des Gesprächs. Stiftungsvorstand Dr. Berthold Broll präsentierte die Arbeit der Stiftung, die an rund 250 Standorten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Bulgarien Hilfen zur Teilhabe für Menschen mit Behinderung, im Alter und bei Krankheit vorhält. Auf vielen Ebenen stoße man dabei auf finanzielle und bürokratische Hürden. Die Geschäftsführer der Alten- und Behindertenhilfe verdeutlichten das an zahlreichen Praxisbeispielen. „Was können wir sozialpolitisch von der SPD in Baden-Württemberg erwarten, um hier eine raschere Umsetzung der Inklusion zu erreichen?“, so die Frage an die Gäste.

Sozialprojekte stärker fördern
„Hilfen für Menschen mit Benachteiligungen sind unser Thema“, versicherte Claus Schmiedel. Im Koalitionsvertrag seien gerade im Hinblick auf eine bessere Teilhabe klare Ziele festgelegt. So sollen ausdrücklich sozialraumorientierte Quartiersprojekte gefördert werden, die Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen ein Leben in ihrer vertrauten Umgebung ermöglichen. Sehr interessiert zeigte er sich an den Erfahrungen der Stiftung Liebenau mit den Lebensräumen für Jung und Alt, die einerseits ein Zusammenleben der Generationen ermöglichen, gleichzeitig Selbst- und Nachbarschaftshilfe stärken und mit ihrer Gemeinwesenarbeit auch über die Wohnanlage hinaus innovativ in die Kommunen wirken. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass diese Wohnform positiv für die Lebensqualität der Beteiligten ist und gleichzeitig präventiv wirkt. „Pflegebedürftigkeit wird deutlich vermindert“, so Stefanie Locher, Geschäftsführerin der Liebenauer Altenhilfe. Über eine finanzielle Aufstockung des Mietwohnungsprogramms mit einem Schwerpunkt auf „Sozialprojekten mit Modellcharakter“ will die SPD für solche Ansätze künftig bessere Bedingungen schaffen.
Auch die geplante Reform des Landesheimgesetzes werde den Aspekt des Wohnens und der Teilhabe stärker in den Vordergrund stellen, versprach Schmiedel. So soll sowohl die Vielfältigkeit der Bedarfslagen von Menschen stärker berücksichtigt werden als auch die Vielfalt der Wohn- und Pflegemodelle. Ein Vorhaben, das auch für die Suche nach neuen Wohnformen für Menschen mit Behinderung Hoffnung macht. „Für dezentrale Wohnungen in der Gemeinde müssen andere Qualitätsstandards gelten als für klassische Wohnheime“, formulierte Jörg Munk, Geschäftsführer der St. Gallus-Hilfe, ein wichtiges Anliegen.

Rahmenbedingungen verbessern
Einigkeit bestand in der Runde auch darüber, dass im Bereich der Hilfe für Menschen mit Behinderung die finanziellen Rahmenbedingungen verändert werden müssen. Am Beispiel der Berufsbildung machten die Gäste aus Stuttgart ihr Interesse an einer Kooperation mit der Praxis deutlich. Um junge Menschen nach ihren individuellen Bedarfen zu unterstützen, anstatt sie nach Behinderungen zu kategorisieren, regte Schmiedel Modellprojekte an. In Zusammenarbeit mit allen Beteiligten – Kosten- und Bildungsträgern wie Unternehmen – könnten dann neue Angebotsstrukturen einer individuellen Begleitung, wie sie zum Beispiel im Berufsbildungswerk Adolf Aich der Stiftung Liebenau bereits entwickelt wurden, in einer gesamten Region erprobt werden.

Komplexe Versorgung ist nötig
Bei einem Rundgang durch die St. Lukas-Klinik verschafften sich die Gäste einen Einblick in die medizinische Versorgung von Menschen mit zum Teil schweren Mehrfachbehinderungen. Deutlich wurde dabei auch, dass nicht für alle Personengruppen dezentrale oder ambulante Angebote möglich sind. „An unseren Komplexstandorten in Liebenau, Rosenharz und Hegenberg leben zum Teil Menschen, die aufgrund der Schwere ihrer Behinderung oder aufgrund besonders herausfordernder Verhaltensweisen besondere Aufmerksamkeit und entsprechende Hilfestrukturen benötigen“, verdeutlichte Wolfgang Oppolzer, Geschäftsführer der St. Gallus-Hilfe und der St. Lukas-Klinik. Von daher müssten Investitionen, die der Qualitätssicherung solcher Standorte dienen, weiterhin finanziell gefördert werden. „Wir brauchen für längerfristige Zeit beides: inklusive dezentrale Strukturen und Komplexangebote“, fasste Dr. Broll die Liebenauer Position zusammen. (05/10/11; Quelle: Stiftung Liebenau)

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