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Staatsbibliothek zu Berlin gibt historische Drucke zurück
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat am Montag (11. 1. 10) zwei Bücher aus dem Alteigentum der Grafen zu Lynar an die Erben zurückgegeben. Die zwei Bände aus dem 17. Jahrhundert waren der Staatsbibliothek zu Berlin bei der Bearbeitung ihrer Bestände aufgefallen. Ihre Herkunft ließ sich eindeutig feststellen, da beide Drucke auf dem Vorder- und Rückendeckel ihrer Pergamenteinbände jeweils ein goldgeprägtes Wappen-Supralibros mit der Umschrift SIGMUND CASIMIR GRAF ZU LYNAR tragen. Die Staatsbibliothek hat sie nun an die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam übergeben, wo der erhaltene Teil der ehemaligen „Gräflich zu Lynarschen Fideikommiß Bibliothek“ als Depositum aufgearbeitet und betreut wird.
Beide Bände tragen den Besitzstempel der ehemaligen Deutschen Staatsbibliothek und waren 1972 mit einer Signatur versehen, aber nicht in Katalogen verzeichnet worden. Vermutlich waren sie über die „Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände“ in die Bibliothek gelangt. Diese 1953 geschaffene Einrichtung, die ab 1959 bei der Deutschen Staatsbibliothek in Berlin (Ost) angesiedelt war, betreute Buchbestände, die in der DDR durch Enteignung, Aussonderung aus bestehenden Büchereien oder Auflösung ganzer Bibliotheken herrenlos geworden waren. Die Zentralstelle übergab die Werke wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR zur weiteren Nutzung.
Wilhelm-Friedrich Graf zu Lynar war aufgrund seiner Beteiligung an dem Hitler-Attentat um Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 zum Tod verurteilt und hingerichtet worden. Seine Familie wurde von der NS-Regierung enteignet. Der Familiensitz Schloss Lübbenau im Spreewald musste geräumt werden, die dort vorhandenen Bibliotheksbestände wurden nach 1945 entfernt. Die Familie des Grafen zu Lynar ging nach 1945 in den Westen. Nach der Wiedervereinigung wandte sie sich an das Amt für offene Vermögensfragen, das ihr 1994 die Eigentumsrechte an den Liegenschaften in Lübbenau sowie an den Kunstgegenständen, die sich im Schlossmuseum befunden hatten, zurückübertrug.
Es gibt – neben den zwei zurückgegebenen Büchern – Weiteres aus Schloss Lübbenau, das sich in der Staatsbibliothek befindet, jedoch mit anderem Hintergrund. Seit 1956 werden Handschriften aus der Graf von Lynarschen Sammlung in der Musikabteilung der Staatsbibliothek bewahrt. Ursprünglich waren diese vom Lübbenauer Spreewald-Museum leihweise überlassen worden. 1995 wurden der Familie zu Lynar diese umfangreichen Musikalienbestände zurückübertragen. Sie befinden sich seit 1999 auf der Grundlage eines Dauerleihvertrags in der Staatsbibliothek. Seit 2005 betreut die Staatsbibliothek 379 Drucke der Reformationszeit aus der Gräflich zu Lynarschen Sammlung als Depositum. (14/01/10)



