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Stiftung Liebenau zieht positive Bilanz 2009
Eine fachlich und wirtschaftlich positive Bilanz zieht die Stiftung Liebenau für das Geschäftsjahr 2009. Mit rund 5800 Mitarbeitern, mehr als 200 sozialen Angeboten und etwa 90 Standortgemeinden in fünf europäischen Ländern sehen die Verantwortlichen den Stiftungszweck voll erreicht. Alle 34 Unternehmen, Betriebe und Organisationen im Stiftung Liebenau Verbund verfolgen ein wesentliches Ziel: Menschen mit Behinderungen und sozialen Beeinträchtigungen sollen gleichberechtigt und selbstbestimmt an der Gesellschaft teilhaben können. Dazu engagiert sich die Stiftung Liebenau in den Bereichen Alten- und Behindertenhilfe, Gesundheit, Bildung und Jugendhilfe. Insgesamt wurden 2009 in allen Bereichen positive Ergebnisse erzielt.
Die fachliche Richtschnur für die Entwicklung der Stiftung Liebenau findet sich in der UN-Konvention für die Rechte der Menschen mit Behinderung. Mit diesem Vertragswerk hat sich die internationale Staatengemeinschaft darauf verständigt, Menschenrechte und Grundfreiheiten für Menschen mit Behinderungen zu schützen und zu gewährleisten. Damit verbunden ist ein radikaler Perspektivwechsel. Im Fokus stehen Schlüsselbegriffe wie Würde, Inklusion, Teilhabe und Gleichberechtigung. Menschen mit Behinderung werden von Objekten zu Subjekten, Selbstbestimmung tritt an die Stelle von Wohlfahrt und Fürsorge, das Konzept der Inklusion ersetzt die früheren Integrationsbestrebungen.
Differenzierte Wohnformen
Damit ergeben sich grundlegende Veränderungen in den Strukturen der Behindertenhilfe. “Will man jedem Menschen mit Behinderung ein Leben im selbst gewählten Umfeld ermöglichen, braucht man in hohem Maße individualisierte, differenzierte Angebots- und Hilfestrukturen”, erläutert der Vorstandsvorsitzende Dr. Berthold Broll. Die Stiftung Liebenau hat hier wesentliche Schritte unternommen: Im Wohnbereich baut sie Wohnanlagen für das so genannte “supported living”, ein prinzipiell eigenständiges Leben in der Gemeinde mit persönlich zugeschnittenen Assistenzleistungen für Menschen mit Behinderung. Die erste Wohnanlage wurde in Villingen eröffnet, die zweite ist in Dusslingen im Bau. An den Stammorten Hegenberg (Meckenbeuren) und Rosenharz (Bodnegg) werden zahlreiche stationäre Plätze ausgelagert in gemeindeintegrierte Häuser. Für Menschen mit besonders hohem Unterstützungsbedarf werden hier allerdings auch weiterhin komplexe Versorgungsangebote zur Pflege, Betreuung und Therapie vorgehalten.
Im Altenhilfebereich hat die Stiftung Liebenau bereits solche sozialraumorientierten Modelle entwickelt, die ein hohes Maß an Inklusion und Teilhabe für ältere Menschen ermöglichen. Das Portfolio umfasst unterschiedlichste Wohn- und Lebensformen, von den Lebensräumen für Jung und Alt, dem Wohnen mit ambulanten Dienstleistungen bis zur stationären Pflege, ergänzt durch informelle Netzwerke, Nachbarn, Angehörige, Ehrenamtliche.
Inklusion am Arbeitsplatz
Auch im Arbeits- und Förderbereich sind neue Orientierungen spürbar. So werden zunehmend Arbeitsplätze der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) auf den ersten Arbeitsmarkt ausgelagert. Eine wichtige Rolle kommt in diesem Zusammenhang auch den Betrieben und Dienstleistungsgesellschaften im Stiftungsverbund zu. 180 Menschen mit Behinderung sind in diesen Bereichen beschäftigt, in der Betriebsgastronomie ebenso wie im Garten- und Landschaftsbau, in der Wäscherei oder in der Tierpflege. Stiftungsvorstand Dr. Markus Nachbaur: “Das Besondere an diesen Arbeitsplätzen ist, dass hier Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten. Hier findet Inklusion im täglichen Arbeitsalltag statt.”
Spezialangebote zur besseren Förderung
Auch für die strategischen Entwicklungen im Bildungsbereich gibt die UN-Konvention eine klare Richtung vor. Menschen mit Behinderung haben das Recht auf unbehinderten Zugang zu allen Bildungsangeboten und dürfen nicht auf Sonderwege beschränkt bleiben. Auch die Bildungsangebote im Stiftung Liebenau Verbund eröffnen neue Wege ins allgemeine Bildungssystem. “Diese Entwicklung ist aus unserer Sicht grundsätzlich zu begrüßen”, so der Vorstandsvorsitzende. “Entscheidend ist aber, dass die Bildungsangebote den Bedürfnissen der Menschen entsprechen müssen, um zum Erfolg zu führen. Auch Spezialangebote haben ihre fachliche Berechtigung – dann nämlich, wenn sie die bessere individuelle Förderung bieten können.“
Auch Kinder, die unter schwierigen Lebensumständen aufwachsen, sollen einen gleichberechtigten Zugang zu einem gelingenden Leben erhalten. Deshalb hat die Stiftung unterschiedliche niedrigschwellige Hilfeangebote und frühzeitig einsetzende Unterstützungsleistungen für die betroffenen Familien – so genannte “frühe Hilfen” –in ihr Angebotsspektrum aufgenommen.
Steigende Mitarbeiterzahlen
Entscheidenden Anteil an den vielfältigen fachlichen Entwicklungen haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Stiftungsverbund. Insgesamt sind rund 5800 Haupt- und etwa 1350 Ehrenamtliche im Einsatz für circa 15000 Menschen, die die Angebote und Dienste der Stiftung in Anspruch nehmen. Damit stieg die Mitarbeiterzahl gegenüber dem Vorjahr um etwa fünf Prozent, bei einer Teilzeitquote von 65 Prozent. Rund 550 junge Menschen absolvieren in den Unternehmen des Stiftungsverbundes eine Ausbildung, ein Praktikum, den Zivildienst oder ein Freiwilliges Soziales Jahr.
Betriebsergebnis gestiegen
In den Tätigkeitsfeldern der Stiftung wurde im Jahr 2009 insgesamt wirtschaftlich ausgeglichen gearbeitet. Den größten Anteil am Gesamtumsatz von rund 260 Mio. € erzielte die Altenhilfe (103 Mio. Euro), gefolgt von der Behindertenhilfe (83 Mio. €). Mit Umsätzen in Höhe von 25 bzw. 22 Mio. € schlossen die Bereiche Bildung und Gesundheit ab. Gleichzeitig sind die Aufwendungen in den operativen Tätigkeitsfeldern gestiegen, hauptsächlich aufgrund von Tarifsteigerungen und steigenden Ausgaben für Energie und sonstige Sachkosten. Auch die Investitionen stiegen gegenüber dem Vorjahr um rund 1 Mio. € auf insgesamt 27 €, sie flossen vorwiegend in bauliche Maßnahmen.
Angesichts der drohenden Kürzungen im Sozialbereich blicken die Stiftungsverantwortlichen jedoch mit Sorge in die Zukunft. “Inklusion und Teilhabe vertragen keine Sparmaßnahmen. Und die Menschen, für die wir uns einsetzen, brauchen die Unterstützung und Solidarität der Gesellschaft”, so der Stiftungsvorstand. (12/07/10; Quelle: Stiftung Liebenau)



