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Stiftungen reagieren auf die Niedrigzinsphase

Das anhaltende Zinstief trifft die deutschen Stiftungen weitaus stärker, als die Finanzkrise 2009, so das Ergebnis der aktuellen PwC-Studie „Fünf Jahre Niedrigzinsphase und kein Ende in Sicht?“. Demnach haben bereits ein Drittel der deutschen Stiftungen ihre Portfolios umgeschichtet. Nichtdestotrotz dominieren in den Portfolios der Stiftungen weiterhin niedrigverzinste Anleihen und Termingelder.

Herausforderung: Werterhaltung (Foto: Fotolia/unclesam)

Die Studie, die in Kooperation mit dem Stifterverband entstanden ist, zeigt deutlich, welche Folgen der historisch niedrigen Zinsen auf für Stiftungen haben. Die große Aufgabe für die Stiftungen wird daher in den kommenden Jahren sein, eine Antwort zu finden , wie das Vermögen real zumindest erhalten werden kann, so Norbert Winkeljohann, Mit-Autor der Studie und Sprecher des Vorstands von PwC in Deutschland. Sollte die Niedrigzinsphase noch länger anhalten – wovon aktuell auszugehen ist – könne dies die Stiftungslandschaft in Deutschland nachhaltig verändern.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
Manche Stiftungen nehmen Vermögensverluste in Kauf: In den vergangenen drei Jahren erzielte nur noch jede fünfte Stiftung in Deutschland eine Durchschnittsrendite von fünf oder mehr %. Bei manchen Stiftungen schrumpfte das Vermögen sogar – zumindest nach Abzug der Inflation. Entsprechend streben nur noch 60 Prozent der Befragten überhaupt an, das Stiftungsvermögen real zu erhalten. Und sogar nur jeder vierte von ihnen gibt sich „sicher“, dieses Ziel auch längerfristig zu erreichen. Ein Drittel der Verantwortlichen räumt dagegen ein, das Stiftungskapital nur noch nominal sichern zu wollen; de facto werden (Real-) Vermögensverluste also von vornherein in Kauf genommen.

Risikobereitschaft nimmt zu, Nachhaltigkeit verliert an Bedeutung: In rund 25 % der Stiftungen fehlen konkrete Vorgaben zu erlaubten Risiken in der Anlagestrategie. Und Vorgaben zu Konformität des Satzungszwecks gibt es nicht einmal in jeder zweiten.

Pessimistischer Blick in die Zukunft: 95 % der Umfrageteilnehmer gehen davon aus, dass die Stiftungseinnahmen in den kommenden vier bis fünf Jahren sinken werden. 82 Prozent rechnen mit einem Rückgang der Fördermöglichkeiten. Zudem glaubt die Mehrheit der Verantwortlichen, dass Stiftungen in Zukunft vermehrt abgewickelt beziehungsweise zusammengelegt werden.

Fundraising gewinnt an Bedeutung: Im Versuch, das Zinstief zumindest partiell zu kompensieren, setzen immer mehr Stiftungen auf eine Verbreiterung der Einnahmebasis. So gaben 39 % der Befragten an, sich stärker als bislang auf das Thema Fundraising konzentrieren zu wollen – also zum Beispiel auf das Einwerben von Spenden oder Zustiftungen.

Möglichkeiten zur Rücklagenbildung bleiben ungenutzt: Viele Stiftungen lassen Chancen ungenutzt, ihr Vermögen zu stärken. So dürfen Stiftungen zum Beispiel bis zu einem Drittel des jährlichen Überschusses aus der Vermögensverwaltung in die freie Rücklage einstellen; Gebrauch von dieser Möglichkeit macht aber nur jede vierte Einrichtung.

Hinweis: In der neuen Ausgabe von Stiftung&Sponsoring (1/2016) erläutern Norbert Winkeljohann, Ulrich Störk und Berthold Theuffel-Werhahn ausfürhlich die Ergebnisse der Studie. Die neue Ausgabe erscheint am 15.2.2016.

(Quelle: PwC)

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